Bislang kein Gegenkandidat für Grünbauer – Radweg Birkenallee bleibt Dauerthema

In Pähl steht die Bürgermeisterwahl an

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Ziemlich sicher auch für die nächsten sechs Jahre ist Bürgermeister Werner Grünbauers Arbeitsplatz im Pähler Rathaus.

Pähl – Ein besseres Kompliment für seine geleistete Arbeit als Gemeindechef gibt es für Werner Grünbauer (51) wohl nicht: Für die anstehende Bürgermeisterwahl am 7. Mai 2017 wurde bislang kein Gegenkandidat aufgestellt und das wird wohl auch bis zum Anmeldeschuss Mitte März so bleiben. Die fünf Fraktionen des 14-köpfigen Gemeinderates sehen scheinbar keine bessere Alternative zum jetzigen Amtsinhaber und stehen voll hinter ihm.

Obwohl die nächsten Kommunalwahlen in Bayern erst im März 2020 stattfinden, werden die wahlberechtigten Pähler bereits im Mai zu den Wahlurnen im Pfarr- und Gemeindezentrum sowie im Feuerwehrhaus Fischen gebeten. Grund dafür ist die Tatsache, dass Grünbauers Vorgänger Klaus Pfeiffer 2011 nach drei Jahren das Handtuch warf. Grünbauers Bedingung für eine Kandidatur war eine volle Amtsperiode von sechs Jahren, um in die „verunsicherte“ Gemeinde sowie in die „vernachlässigte“ Verwaltung wieder Ordnung und Struktur reinzubringen. Das scheint dem aus Peißenberg stammenden unparteiischen Kommunalpolitiker gelungen zu sein.

Als gelernter Bankkaufmann brachte er erstmal den Haushalt auf Vordermann, der schließlich vom Landratsamt Weilheim genehmigt wurde, sodass die Finanzierung der Turnhalle und der Schulhausumbau umgesetzt werden konnten. Grünbauer: „Wir hatten kein finanzielles Problem, sondern ein Liquiditätsproblem!“

Auch bei der Verwaltung ging Grünbauer konsequent voran. Bis auf einen tauschte er alle Mitarbeiter aus und hat jetzt ein zehnköpfiges kompetentes Rathaus- und Bauhof-Team, „auf das ich mich 100-prozentig verlassen kann“ – ob Geschäftsleiterin Christiane Singer, Kämmerer Thomas Singer oder Ordnungsamtsleiterin Regina Promberger. Letztere hat gerade den Lehrgang für den gehobenen Verwaltungsdienst bravourös abgeschlossen.

Mit intakter Verwaltung und geordneten Gemeindefinanzen konnte Bürgermeister Grünbauer in seiner bisherigen Amtszeit rund 30 Projekte verwirklichen. Dank hoher Steuereinnahmen wurden auch Rücklagen gebildet, denn Grünbauer will „die sozialen Strukturen auf die Zukunft ausrichten, ohne dann mit Einschränkungen leben zu müssen.“

Nicht nur die knapp 2 500 Einwohner Pähls scheinen sich hier wohlzufühlen, auch immer mehr junge Familien wollen in die „Perle des Pfaffenwinkels“ ziehen. Die Gemeinde zählt pro Jahr bis zu 100 Grundstücksanfragen, wobei aber jährlich nur maximal zehn Bauparzellen ausgewiesen werden. „Wir fördern speziell Wohnbauflächen für Einheimische. Ziel ist eine stabile Bevölkerungsstruktur und die Wahrung des Dorfcharakters.“ Damit auch die Senioren in der Gemeinde wohnen bleiben, wurde kürzlich ein Grundstück erworben, auf dem acht barrierefreie Wohneinheiten für finanziell schwächere Bürger gebaut werden sollen. In diesem Zusammenhang bedankt sich Grünbauer für die aufopfernde Arbeit der Seniorenbeauftragten Christine Engbrecht und der Nachbarschaftshilfe Pähl, Fischen & Raisting, die den Älteren das Alltagsleben erheblich erleichtern. Auch die jungen Leute sollen nicht abwandern, sondern möglichst viel ihrer Freizeit hier verbringen. Dazu wurden Jugendtreffs in Pähl und in Fischen etabliert, die erfreulich gut frequentiert sind, so Grünbauer.

Besonders zufrieden ist Grünbauer, dass der von ihm gegen viele Widerstände initiierte REWE-Markt in Fischen so gut angenommen wurde. „Hier hat man nicht nur 30 Arbeitsplätze vorwiegend für Einheimische geschaffen, sondern auch eine soziale Begegnungsstätte für Jung und Alt im angeschlossenen Café.“ Zudem unterstütze REWE großzügig die örtlichen Vereine. Für das nahe Erholungsgelände Fischen am See nehmen die Visionen von Grünbauer und Gemeinderat ebenfalls langsam Gestalt an. Der Neubau von Gastwirtschaft mit Biergarten und Kiosk steht unmittelbar bevor. Die Liegeflächen werden neu angelegt und eingefriedet, vor den Steg soll ein Badefloß kommen und ein Vogelbeobachtungsturm mit Fernrohr wird zusätzliche Gäste anlocken. Umkleidekabinen mit Duschen und genügend Parkplätze werden einen Badeausflug an den Fischener Teil des Ammersee bald wieder attraktiv machen.

Beim Thema Asyl ist der Bürgermeister froh, dass sich alle Bedenken der Pähler nicht bewahrheitet haben. „Die 55 in der Hirschbergalm gemeldeten Senegalesen, Syrer und Afghanen haben sich dank des Helferkreises sehr gut eingelebt und pflegen ein freundschaftliches Verhältnis mit der Dorfgemeinschaft. „Ich habe bereits zu Beginn der Flüchtlingskrise eine Bürgerversammlung abgehalten“, erzählt Grünbauer. „Hier wurden offen und ehrlich alle eventuellen Probleme aufgeführt. Trotzdem hat sich bereits an diesem Abend der Helferkreis gebildet, dem inzwischen 60 Leute angehören.“ Neu und einmalig in Bayern ist Grünbauers „Bürgersprechstunde für Asylbewerber“, die er regelmäßig im Sitzungssaal des Rathauses abhält. Hier können sich die Migranten alles von der Seele reden, wobei die Unzufriedenheit mit der Verpflegung in der Hirschbergalm das Hauptthema sei. „Mit unserer aufgeschlossene Art zwischen Bürgern und Migranten haben wir für sozialen Frieden gesorgt und sozialen Sprengstoff vermieden“, sagt Grünbauer nicht ohne Stolz.

Das leidige Dauerthema Radweg Birkenallee zwischen Fischen und Dießen wird Grünbauer und seine Kollegen Martin Höck (Raisting) und Herbert Kirsch (Dießen) wohl noch lange Zeit beschäftigen. Trotz der neuen Studie, die „glasklar“ aussage, dass der Radweg naturschutzrechtlich machbar sei. Für die Regierung von Oberbayern, die Naturschutzbehörden und die Schutzgemeinschaft Ammersee-Süd sei das neue Ergebnis aber „nicht relevant“. Einige Gegner des Radweges sprechen gar von einem Gefälligkeitsgutachten, was Grünbauer auf das Schärfste zurückweist. Eine Aussage von Verkehrsminister Alexander Dobrindt beim CSU-Empfang in Pähl macht Grünbauer Hoffnung, nicht aufzugeben und gegebenenfalls mit einem Bürgerbegehren weiter zu kämpfen: „Ich sehe keinen Widerspruch zwischen einem Radweg und dem Schutz der Natur“.

Werner Grünbauers Ziel für die nächste Amtsperiode: „Zusammen mit dem Gemeinderat will ich die Lebens- und Arbeitsverhältnisse und auch das Leistungsspektrum der sozialen Fürsorge weiter verbessern, um allen Generationen eine optimale Lebensqualität zu bieten.“

Von Dieter Roettig

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