Bürgerversammlung im kleinen Kreis - Nur 80 Weilheimer kamen zum Austausch mit Stadt und Energieexperten

Bis 2035 unabhängig von Energieimporten zu sein, dieses ehrgeizige Ziel verfolgt die Bürgerstiftung Energiewende Oberland. Eine Königslösung für Weilheim und das Oberland gibt es nicht, zerstreute Andreas Scharli zu hohe Erwartungen, wohl aber verschiedene Ansatzpunkte. „Wir werden viele Zwischenschritte gehen müssen“, gab der Weilheimer Heizungsbauer und Energieberater den Bürgern mit auf den Weg. Foto: Hofstetter

War es das Champions-League-Spiel der Bayern gegen den FC Basel, das die Weilheimer am vergangenen Dienstag davon abhielt, an der Bürgerversammlung teilzunehmen? In der Stadthalle waren anstelle eines Feuerwerks an Toren ein Jahresrückblick des Bürgermeisters und Ideen für die Ener- giewende in der Region geboten.

Nur knapp 80 der insgesamt 2 1803 Weilheimer entschieden sich für Letzteres. Bürgermeister Markus Loth ging in seinem Bericht auf wichtige Projekte und Ereignisse des vergangenen Jahres ein und unterstrich das klare Bekenntnis der Stadt zur Energiewende. Deshalb, so Loth, sollten die Bürger an diesem Abend von zwei Experten über die Chancen und Möglichkeiten erneuerbarer Energien in Weilheim aufgeklärt werden. Gutschein für eine Energieberatung Seit mehreren Jahren schon, erinnerte der Bürgermeister, gibt die Stadt Weilheim an ihre Bürger Gutscheine für eine kostenlose Energieberatungsstunde aus. Bauwillige können damit beim unabhängigen Energieberater Achim Zitzmann Erkundigungen über Energiesparverordnung, Fördermöglichkeiten, Wärmedämmung und über moderne Heizungs-, Lüftungs- und Energietechniken einholen. Bei ihren eigenen Liegenschaften geht die Stadt mit gutem Beispiel voran. Während für die Mittelschule bis 2013 die Generalsanierung das beherrschende Thema sein wird (siehe eigener Bericht auf der Titelseite), wurde die Grundschule am Hardt in den Jahren 2010 und 2011 mit Hilfe des Konjunkturpaketes II energetisch auf den neuesten Stand gebracht. Die „vorbildlich geplante, durchgeführte und zeitgerecht abgerechnete neue Hardtschule“, berichtete Loth stolz, wurde von der Bayerischen Architektenkammer in das Programm „Architektouren 2012“ aufgenommen. Die Sanierung dieses Schulgebäudes sei für weitere Planungen in Weilheim ein Wegweiser in punkto Klimaschutz. Hochwasserschutz Die dringend notwendigen Hochwasserschutzmaßnahmen am Waitzackerbach können im Mai in Angriff genommen werden (wir berichteten), an den Lösungen für Anger- und Stadtbach wird dagegen noch gefeilt. Dazu notwendige Unter- suchungen wurden in Auftrag gegeben. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, versprach der Bürgermeister. Die Deutenhausener und Marnbacher werden in einer eigenen Bürgerversammlung am Donnerstag, 22. März, ab 20 Uhr im Marnbacher Gemeindehaus über den aktuellen Stand zum Thema Hochwasserschutz informiert. Mit dem Bau eines weiteren Regenrückhaltebeckens im Gewerbegebiet Trifthof und druckdichten Schachtdeckeln sollen die Anwohner von Paradeis-, Rosenstraße und Veilchenweg künftig vor Überschwemmungen nach starken Regenfällen geschützt werden. Geothermie Obwohl der Investor „Erdwärme Oberland“ die Geothermiezentrale inzwischen auf Wielenbacher Flur plant, ist Weilheim weiterhin an der Abnahme der geothermisch erzeugten Wärme interessiert, bekräftigte Loth. Die von der Stadt favorisierten Standorte wären wegen der deutlich kürzeren Fernwärmeleitungen allerdings wesentlich günstiger. Ein Beratungsbüro wird erneut eine Wirtschaftlichkeitsberechnung durchführen. Liegt diese vor, soll mit „Erdwärme Oberland“ weiter verhandelt werden. Windkraft Mit der Verwirklichung von Windkraftanlagen im Weilheimer Stadtgebiet schaut es nach Ansicht des Bürgermeisters „nicht allzu rosig“ aus. Die Stadt ist an der Anpachtung geeigneter Grundstücke interessiert. Um Wildwuchs im Stadtgebiet zu verhindern, sollen die Stadtwerke mit einer eigenen Gesellschaft in die Erzeugung und Verteilung von Energie einsteigen. Ein Businessplan sei in Arbeit, sagte Loth. Die Regionalplanung prüft derzeit die Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraftanlagen. Als Schongauer Bürger „nahezu neidisch“ beobachtet Dr. Friedrich Zeller, „was in Weilheims Altstadt alles bewegt worden ist“. Für Januar 2013 stellt der Landrat eine weitere Senkung der Müllgebühren in Aussicht. In sein Grußwort hatte Zeller neben einem kurzen Ausflug in die Schul- und Krankenhauslandschaft überschwängliches Lob für die Kreisstadt gepackt. Bevor die beiden Energieberater in Aktion traten, sprach sich der Landrat noch einen Wunsch von der Seele: Die Weilheimer sollten doch endlich das hohe Rednerpult in der Stadthalle austauschen, denn er habe Mühe, „dahinter überhaupt erkannt zu werden“. BifO vermisst Fakten Romana Asam, strikte Gegnerin der Tiefen Geothermie, forderte Fakten zu den Leitungen, Anschlüssen und insbesondere zu den Kosten, die beim Aufbau eines Fernwärmenetzes anfallen. Die Vorsitzende der „Bürgerinitiative für das Oberland“ (BifO) befürchtet, dass die Kosten für den Ausbau einer Fernwärmeversorgung an der Stadt und ihren Bürgern hängen bleiben werden. Bürgermeister Loth hält Gesamtkosten in Höhe von 20 Millionen Euro inklusive Redundanzkraftwerk, das bei Störungen zugeschaltet wird, für möglich. Konkrete Berechnungen könnten jedoch erst durchgeführt werden, wenn die Temperatur und Menge des aus der Tiefe geholten Wassers feststehen – also nach den Testbohrungen. Energieberater Scharli wies ausdrücklich darauf hin, dass die im Geothermiekraftwerk anfallende Abwärme genutzt werden muss.

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