Erste Neugestaltungsentwürfe für Haupt- und Schongauer Straße vorgestellt

Provokante Pläne für Peißenberger Ortsdurchfahrt

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Für Peißenberger Verhältnisse war die Bürgerversammlung gut besucht. Im Fokus stand dabei nicht der Rechenschaftsbericht von Manuela Vanni (am Rednerpult), sondern die Pläne zur Neugestaltung zur Ortsdurchfahrt.

Peißenberg – Es ist die Frage aller Fragen: Soll Peißenbergs Ortsdurchfahrt im Zuge der städtebaulichen Neugestaltung entschleunigt werden oder weiterhin als funktionale Verkehrsader dienen? Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile, wie letzte Woche bei der Bürgerversammlung deutlich wurde.

Rund 150 Besucher kamen in die Tiefstollenhalle, um sich über die ersten Umgestaltungsentwürfe für die knapp vier Kilometer lange Ortsdurchfahrt zu informieren. Dabei wurden ihnen zum Teil revolutionäre Ideen mit klarem Fokus auf eine Verkehrsberuhigung präsentiert. 

Nach ihrem kurzen Rechenschaftsbericht, in dem die Versammlungsteilnehmer nichts wesentlich Neues über die Gemeindepolitik erfuhren, leitete Bürgermeisterin Manuela Vanni schnell zum Hauptthema über: „Bei der Ortsdurchfahrt stellt sich die Frage, ob wir künftig dem Autoverkehr oder den Bürgern den Vorrang geben“, so die Rathauschefin, die aus ihrer Präferenz für eine nachhaltige Verkehrsberuhigung kein Geheimnis machte: „Das war bereits auch die vorherrschende Meinung bei der Bürgerwerkstatt im Juli.“ Allerdings: „Wir können nicht alle Ideen auf einmal umsetzen, das geht finanziell gar nicht.“ 

Die derzeitigen Pläne seien auch lediglich eine „Diskussionsgrundlage“ und „bewusst provokant“ gehalten. Damit dürfte Vanni wohl speziell den Streckenabschnitt am Gasthof „Zur Post“ gemeint haben. Nach den Entwürfen von Architekt Eberhard von Angerer könnte dort die Vorfahrtsregelung zugunsten der Ludwigstraße, also der Kreisstraße Richtung Wessobrunn, geändert werden. 

„Das würde dem historischen Verlauf entsprechen“, erklärte von Angerer bei der Vorstellung seiner Pläne. Nach Eröffnung der Umgehungsstraße habe die Haupt- und Schongauer Straße zwar ihre Funktion als überregionale Ost-West-Verbindung verloren, dennoch würden aus Gewohnheitsgründen immer noch viele Pendler durch den Ort fahren. Ziel müsse es deshalb sein, „alle Elemente, die beschleunigend und für Autofahrer attraktiv wirken, herauszunehmen“. Neben veränderten Vorfahrtsregelungen – laut von Angerer könnte auch die Böbinger Straße der westlichen Schongauer Straße übergeordnet werden – stünde dabei vor allem eine Verengung der Fahrbahnbreite auf der Agenda.

Von den Besuchern wurden von Angerers Entwürfe mit gemischten Reaktionen aufgenommen. Der Vorschlag, die Ampeln entlang der Ortsdurchfahrt komplett zu beseitigen und durch mehrere Zebrastreifen zu ersetzen, sorgte zum Beispiel bei einigen Versammlungsteilnehmern für Kopfschütteln. 

Der ehemalige Bauamtsmitarbeiter Johann Pickert wies zudem darauf hin, dass nach wie vor rund 12 000 Fahrzeuge pro Tag durch den Ort rollen – und daran werde sich auch in Zukunft nicht viel ändern: „Alles andere ist reines Wunschdenken“, so Pickert. Man könne den Berufsverkehr nicht im Schritttempo durch Peißenberg lotsen. Auch müsse man bedenken, dass die Ortsdurchfahrt bei Hochwasser oder Unfällen auf der Umgehung als Umleitungsroute genutzt werde. „Das alles muss man in die Gesamtplanung mit einbeziehen“, forderte Pickert unter Beifall. 

Noch etwas mehr Applaus erhielt jedoch Franz Fischer. Das Vorstandsmitglied der Peißenberger Energiegenossenschaft warnte davor, die Vision der Verkehrsberuhigung aus dem Auge zu verlieren. Peißenberg benötige einen Imagewandel – und davon würde nicht nur der sanfte Tourismus, sondern auch die Geschäftswelt profitieren: „Wir beklagen immer die Leerstände an der Haupt- und Schongauer Straße. Aber wie soll ein Kunde ins Geschäft kommen, wenn an ihm die Autos vorbeirasen.“

Von Bernhard Jepsen

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