Bürgerversammlung gerät für Peißenberger Rathauschefin zum Tribunal

Heftige Attacken gegen Vanni

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Nach ihrem Rechenschaftsbericht musste Bürgermeisterin Manuela Vanni heftige Attacken über sich ergehen lassen.

Peißenberg – Für Bürgermeisterin Manuela Vanni wird die Lage in Peißenberg immer ungemütlicher: Die Rathauschefin musste in der jüngsten Bürgerversammlung heftige und zum Teil grenzwertige Attacken über sich ergehen lassen. Michael Bernhard, der sich schon seit längerem für Verkehrsberuhigungsmaßnahmen an der Ortsdurchfahrt einsetzt, forderte Vanni unverhohlen auf, ihren Politikstil zu ändern – oder andernfalls von ihrem Amt zurückzutreten.

Zunächst verlief bei der Versammlung in der Tiefstollenhalle alles nach „Business as usal“. Vanni sprach in ihrem knapp einstündigen Rechenschaftsbericht über ein „langsames, aber stetiges“ Einwohnerwachstum (Stand 1.9.17: 12 565), über das geplante Gewerbegebiet-Ost („Über die Zeitschiene kann ich keine konkreten Aussagen treffen. Aber es wird schon noch ein wenig dauern, bis es kommt“) und über künftige Investitionsmaßnahmen wie die Sanierung der Josef-Zerhoch-Grundschule, die Instandsetzung des kommunalen Bauhofs, den Hochwasserschutz und den möglichen Erwerb des ehemaligen Krankenhauses: „Das ist eine exponierte Lage. Es wäre gut, wenn die Gemeinde dort die Hand drauf hätte“, erklärte Vanni, die klarstellte, dass der prall gefüllte Investitionsplan (unter anderem noch für Feuerwehrdrehleiter, Hochwasserschutz, Ortsdurchfahrt) nur über neue Schulden, Förderprogramme und Sparsamkeit in anderen Bereichen zu schultern sei: „Wir werden bei unseren freiwilligen Leistungen nicht großzügiger sein können.“

Ingrid Haberl, die neue Gemeindewerks-Chefin, berichtete den 110 Versammlungsbesuchern von einer „guten und erfolgreichen Sommersaison“ in der „Rigi-Rutsch´n“. Mit Beginn der Wintersaison werde man neben der Sauna vermutlich erstmals nach dem Großbrand im Februar 2016 auch das Innenbecken wieder reaktivieren, was allerdings nicht heißen würde, dass die finanziellen Probleme des defizitären Bäderparks gelöst seien: „Ein ‚Weiter so‘ kann es nicht geben“, konstatierte Haberl. Die Einrichtung eines ambulanten Rehabilitationszentrums in der „Rigi-Rutsch´n“ könne eine „Chance“ sein, die Verluste teilweise zu kompensieren. Haberl will den politischen Gremien noch heuer eine „Entscheidungsvorlage“ bezüglich der Reha präsentieren: „Es sieht sehr ernsthaft aus“, lautete Haberls optimistische Einschätzung.

Und dann kam der Tagesordnungspunkt „Aussprache“. Michael Bernhard attestierte der Rathauschefin, dass in Peißenberg und speziell bei der Neugestaltung der Ortsdurchfahrt nichts vorangehe: „Das Thema interessiert Sie nicht“, mutmaßte Bernhard: „Wie schnell Sie sein können, haben Sie stattdessen bei der Genehmigung der Garagen am Gasthof ‚Sonne‘ bewiesen.“ Vanni konterte, dass es der Gemeinderat einstimmig beschlossen habe, keine provisorischen Verkehrsberuhigungsmaßnahmen an der Ortsdurchfahrt vorzunehmen: „Viele sagen, dass der Verkehr schon noch rollen muss.“ Und überhaupt: „Ich lasse mir von Ihnen nicht vorwerfen, dass es mit Peißenberg nicht vorangeht“, erwiderte die Bürgermeisterin Bernhards Kritik: „Jeder macht sicherlich Fehler. Aber ich versuche immer, mich für Peißenberg einzusetzen.“ Vanni war von den Attacken sichtlich getroffen, reagierte am Rednerpult aber dennoch souverän: „Welchen Politikstil ich pflege, bleibt mir überlassen. Ich bin vom Bürger gewählt und nicht vom Gemeinderat – und zwar bis zum 30.4.2020. Danach kann der Bürger entscheiden, wie es weitergeht.“

Fazit der Bürgerversammlung: Für Vanni wird die Luft nicht nur im Marktrat immer dünner. Auffällig war, dass sich in der Versammlung nicht nur Bernhard, sondern nacheinander auch drei Vorstandsmitglieder des CSU-Ortsverbands zu Wort meldeten. Ein Zufall? Wohl eher nicht. Zitat:

„Im Juni wurde Ihnen im Gemeinderat das Misstrauen ausgesprochen. Offenbar schwindet Ihr politischer Rückhalt. Zum Wohle Peißenbergs sollten Sie deshalb Ihren Politikstil ändern oder von Ihrem Amt zurücktreten.“ (Michael Bernhard an Bürgermeisterin Manuela Vanni gerichtet).

Von Bernhard Jepsen

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