Bürgerversammlung thematisiert umstrittene Säulenhalle und geplante Hospizerweiterung

"Stoa 169" und Hospiz im Fokus

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Bernd Zimmer skizzierte den groben Ablauf der Bauarbeiten für die „Stoa 169“.

Polling – In Polling ist derzeit kommunalpolitisch einiges geboten: Im Ortsteil Etting wird bald ein neues Feuerwehrhaus gebaut, die Kindertagesstätte soll erweitert werden, am Hochwasserschutz wird geplant und an der Staatsstraße bei Oderding steht im Frühjahr 2020 der Bau der lang ersehnten Fuß- und Radwegebrücke über die Ammer auf dem Programm. Und dann gibt es da noch die Pläne für eine Hospizerweiterung im Kloster und natürlich den Streit um das Kunstprojekt „Stoa 169“.

Die Säulenhalle und die Zukunft des Hospizes waren denn auch die beiden Schwerpunktthemen in der jüngsten Pollinger Bürgerversammlung.

Großartige Neuigkeiten erfuhren die knapp 300 Besucher über die Stoa, die auf einem Wiesengrundstück an der Ammer errichtet werden soll, nicht – außer, dass Künstler Bernd Zimmer einen städtebaulichen Vertrag unterschreiben wird, in dem unter anderem die Kostentragung für die Erschließung und Infrastruktur geregelt wird. Der Künstler skizzierte in der Versammlung grob den Bauablauf. Demnach wird im Herbst die Bodenplatte fundamentiert. Im Frühjahr 2020 sollen dann in Modulbauweise die ersten Säulen errichtet werden. Der Baustellenverkehr soll nicht über die Bahnhofstraße, sondern komplett über die Staatsstraße zwischen Weilheim und Peißenberg abgewickelt werden: „Sie werden die Arbeiten gar nicht richtig mitbekommen“, versprach Zimmer den Versammlungsbesuchern: „Es wird eine wahnsinnig schöne Sache für Polling und eine Aufwertung für das Landschaftsschutzgebiet.“

Das sehen die „Freunde der Natur“ anders. Gabriele Seidenschwarz verlas Notizen, die sie bei einer Akteneinsicht im Landratsamt gemacht hatte. Dabei ging es um die ablehnende Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde im Genehmigungsverfahren. Demnach widerspreche die Stoa zum Beispiel der ökologischen Gewässerentwicklung an der Ammer und einer Reaktivierung des ehemaligen Auengebiets. „Die Untere Naturschutzbehörde hat das Projekt abgelehnt. Aber das wurde vom Baujuristen im Landratsamt mit einem Federstrich weggewischt“, so Seidenschwarz. Dem widersprach Andrea Jochner-Weiß. Die Landrätin verwies auf einen „Abwägungsprozess“ innerhalb ihrer Behörde, in der die Stellungnahme des Fachbereichs „Naturschutz“ nur ein Kriterium gewesen sei. Jochner-Weiß bemühte sich, die Wogen zu glätten. Der Landkreis stehe für „Kunst, Kultur und Natur“ – „und Polling passt sagenhaft zu diesem Slogan“: „Die Stoa ist eine Riesenchance für Polling.“

Die „Freunde der Natur“ wiederum befürchten Probleme im Wegerecht und im späteren Betrieb der Säulenhalle. Auch wurde erneut die fehlende Transparenz im Verfahren kritisiert. Allerdings gab es auch viele Wortmeldungen pro Stoa: „Die massivste Naturzerstörung kam durch die Ammerregulierung. Nun kann ein von Menschen gemachtes Kunstwerk ein von Menschen gemachtes Agrarwerk aufwerten“, argumentierte ein Besucher. Florian Seidler („Freunde der Natur“) monierte, dass Bürgermeisterin Felicitas Betz die Interessen einer Privatperson über die Interessen aller gestellt habe. Betz verwies darauf, dass sie nicht alleine die Entscheidungen treffe. Ihr Auftrag sei es, Beschlüsse des Gemeinderats umzusetzen. Außerdem dürfe sie über ein „privates Bauvorhaben“ nichts nach außen tragen. „Es tut mir leid, wie es gelaufen ist. Aber wir können die Zeit nicht mehr zurückdrehen“, so Betz.

Beim Thema Hospiz versuchte Renate Dodell, Vorsitzende des Hospizvereins Pfaffenwinkel, zu vermitteln, warum es zum geplanten Erweiterungsbau im Kloster für zunächst 14 Betten und zum Aufbau eines Kinderhospizes keine Alternative gebe. Nur der Ausbau könne den Fortbestand der Einrichtung sichern. „Nichts zu tun, ist die schlechteste Option – für das Hospiz, für das Kloster und für Polling.“ Es solle mit dem mehrstöckigen Klosteranbau kein Krankenhaus entstehen, „sondern eine Herberge, die ihresgleichen sucht und in der vom Säugling bis zum Greis alle gut betreut werden.“ Genau das sei mitunter auch der Sinn von Klöstern, so Dodell.

Dem widersprach Dorothea Jarnach von der Eigentümerfamilie des benachbarten Klostertrakts. Das Hospiz sei eben kein Kloster: „Das ist ein Etikettenschwindel“, so Jarnach. Ihre Familie habe nichts gegen das Hospiz und dessen Erweiterung, jedoch gegen den „monströsen Bau“. Auch könnte die Kombination „Erwachsenenhospiz-Kinderhospiz“ an einem Standort das Dorf überfordern. Doch Jarnachs Vorschlag, ein Kinderhospiz an einer anderen Stelle in Polling zu bauen, kommt für den Hospizverein aus wirtschaftlichen und betriebslogistischen Gründen nicht in Frage. Man wolle eine zukunftsfähige Lösung entwickeln. „Wir werden kein Hospiz auf grüner Wiese bauen“, so Dodell.

Von Bernhard Jepsen

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