Bürgerversammlung Raisting: Seniorenwohnanlage ab Oktober bezugsfertig

Steuerkraft über Landesdurchschnitt

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Hahn im Korb bei der „Jörgisgmoa“ war Raistings Bürgermeister Martin Höck. Er stellte seine neuen Mitarbeiterinnen vor: Martina Hermer-Winkler (links) als Geschäftsstellenleiterin und Andrea Wolf (rechts) als neue Kämmerin.

Raisting – Historische Schriften belegen es: Seit 1642 treffen sich die Bürger der Gemeinde Raisting am Georgstag zu einer Versammlung, die man heute noch „Jörgisgmoa“ (Georgsgemeinde) nennt.

Damals wurden die Bauern von der Obrigkeit belehrt. Wie im Jahr 1671, als man sie aufforderte, die Jagd auf Wölfe ernster zu nehmen. Der Herr Lehrer war bei diesen Versammlungen Protokollführer, weil er sich als Gemeindeschreiber und Hochzeitslader in Personalunion am besten auskannte.

Bei der diesjährigen Bürgerversammlung im voll besetzten Gasthof Drexl ging es nicht um Wölfe, wohl aber um Hundekot und menschliche Ferkel, die ihren Abfall in Wald und Flur entsorgen. Doch bevor besorgte Raistinger ihren Frust darüber los wurden, stellte Bürgermeister Martin Höck zwei neue Mitarbeiterinnen in der Gemeindeverwaltung vor: Martina Hermer-Winkler ist seit 1. September 2017 Geschäftsstellenleiterin und Andrea Wolf leitet seit 1. Januar 2018 die Kämmerei.

In dieser Funktion stellte sie ausführlich die Jahresrechnung für den Haushalt 2017 vor, der in Einnahmen und Ausgaben 7 483 573 Euro beträgt. Als erfreulich bezeichnete sie die Steigerungen bei der Gewerbesteuer auf 1 753 502 Euro und bei der Einkommensteuer auf 1 412 072 Euro. Die Steuerkraft je Einwohner beträgt in Raisting 885 Euro gegenüber dem Landesdurchschnitt bei Gemeinden mit 736 Euro. Die wichtigsten Ausgaben im Verwaltungshaushalt waren die Kreisumlage mit 1 285 109 Euro und die Gewerbesteuerumlage mit 312 650 Euro. Die Personalausgaben schlugen mit 748 519 Euro zu Buche, die Verwaltungs- und Betriebsausgaben mit 509 704 Euro. Finanzierungsschwerpunkte 2017 waren unter anderem Möbel und EDV fürs Rathaus mit 22 417 Euro, Arbeitsgeräte und Maschinen für den Bauhof mit 15 611 Euro, der Erwerb unbebauter Grundstücken mit 460 287 Euro und der Bau der Seniorenwohnanlage mit 499 382 Euro oder die Nahwärmeversorgung mit 219 419 Euro. Der Stand der allgemeinen Rücklagen betrug zum Jahresende 263 756 Euro. Für die Seniorenwohnanlage musste ein Kredit in Höhe von 1,5 Millionen Euro aufgenommen werden. All das und vieles mehr wurde in 17 Gemeinderatssitzungen beraten und abgesegnet.

Das nüchterne Zahlenwerk der Kämmerei ergänzte Bürgermeister Martin Höck noch mit Daten aus dem Standesamt. Raisting hat derzeit 2 316 Einwohner mit einem Durchschnittsalter von 43 Jahren. 2017 gab es zwölf Geburten und 13 Eheschließungen, drei Goldene und drei Diamantene Hochzeiten. In seinem Rückblick dankte Höck den Landwirten für die Zusammenarbeit bei der Räumung von 5,1 Kilometer Gräben. Im Bereich Vormoos und Bitz gab es auf 1,2 Kilometern Erneuerungen und Oberflächensanierung. Die Nahwärmeversorgung für kommunale Liegenschaften wie Turnhalle, Kindergarten St. Raphael, Rathaus und Seniorenanlage wurde abgeschlossen. Diese Anlage mit 15 Einheiten für barrierefreies und selbstbestimmtes Wohnen „60 plus“ soll spätestens im Oktober dieses Jahres bezugsfertig sein.

Mit Blick auf die Zukunft erklärte Höck, dass sich der Bebauungsplan für die Erweiterung des Gewerbegebiets derzeit in der Genehmigungsphase beim Landratsamt Weilheim-Schongau befindet. Der Bebauungsplan für „Burger-Wiagn“ wurde erstellt und durchläuft in Kürze eine nochmalige Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Träger öffentlicher Belange, ebenso wie der Entwurf des Flächennutzungsplanes. Die Einwohner im Ortsteil Stillern können sich freuen. Sie werden im Rahmen des Breitbandausbaus mit Glasfaser versorgt.

In Bezug auf den ortsdurchfahrenden Verkehr richtete Höck einen Appell an die Bürger, ihr oft zu schnelles Fahren kritisch zu überprüfen. Wie eine aktuelle Verkehrszählung ergab, bewegen sich täglich rund 3 000 Fahrzeuge auf der Ortsdurchfahrt. Dass Raisting ein attraktiver Wohnort ist, beweisen die jährlich rund 80 Anfragen nach Baugrund bei der Gemeinde. Derzeit könne von Seiten der Gemeinde aber nichts angeboten werden, wie Höck bedauerte.

Bei der abschließenden Diskussion mit den Bürgern wurde kritisiert, dass einige Einwohner und viele Auswärtige ihren Müll auf Straßen, Wegen oder im Wald entsorgen. Plastik, Glas, Aschenbecherladungen voller Zigarettenkippen, Gartenabfälle und sogar ein Autositz wurden beim „Ramadama“ eingesammelt. Es sei auch eine Unsitte, volle Hundekotbeutel einfach in die Landschaft zu werfen. Eine Lösung wäre der Umstieg auf rote Kotbeutel, die mehr auffallen würden.

Mit Beifall wurde der Vorschlag bedacht, die Knallerei in der Silvesternacht im Gemeindegebiet zu verbieten. Bürgermeister Höck wertete dies als Antrag, der in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen behandelt wird.

Von Dieter Roettig

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