Chance für weiteres Gymnasium gering - SAGS sieht keinen Bedarf an zusätzlichen Schulangeboten

Lehrer und Eltern am Gymnasium Weilheim fordern mit Nachdruck eine spürbare Entlastung für den zahlenmäßig größten Gym- nasialstandort in Oberbayern. Doch der Bau eines weiteren Gymnasiums in Peißenberg wird wohl reines Wunschdenken bleiben, wie letzte Woche beim Schulgipfel für den Raum Weilheim/ Peißenberg deutlich wurde.

Mehr als zwei Stunden lang und mit einer Fülle von Datenmaterial ausgestattet referierte Diplom-Statistiker Christian Rindsfüßer vom sozialwissenschaftlichen Institut „SAGS“ über die Schulbedarfsplanung im Landkreis. Das Fazit: Die Schülerzahlen werden im Landkreis quer durch alle Schularten sinken. Allein aus demographischer Sicht besteht laut „SAGS“ deshalb kein Bedarf an zusätzlichen Schulangeboten. An den Gymnasium würde sich der Trend zwar langsamer bemerkbar machen, allerdings könnten die Verluste bei den Schülerzahlen nicht vollständig durch die steigenden Übertrittsquoten kompensiert werden. Rindsfüßer rechnete vor, dass ein dreizügiges, achtjähriges Gymnasium in Peißenberg die notwendige Untergrenze von 600 Schülern wohl nicht erreichen würde – auch nicht bei wachsenden Besuchsquoten. Nur bei einem allgemeinen, deutlichen Anstieg von über 20 Prozent könnte das Limit in den 2020-er Jahren überschritten werden. Berücksichtigt werden müsse jedoch das geplante Angebot eines Wirtschaftsgymnasiums an den Weilheimer Oberlandschulen und eine mögliche Verlängerung der Grundschulzeit, die ebenfalls eine Entlastung an den weiterführenden, staatlichen Schulen bringen würde. Der Argumentation Rindsfüßers schloss sich die Lehrerschaft des Weilheimer Gymnasiums nicht an. „Wir sind an der Grenze des Zumutbaren angekommen, sowohl vom Pädagogischen als auch von den Räumlichkeiten her“, beklagte Direk- tor Hermann Summer, der mit seinen Kollegen im vergangenen Schuljahr fast 1750 Schüler betreute. 350 davon kommen aus Peißenberg, wobei Summer im Einzugsgebiet der Marktgemeinde erhebliche Bildungsreserven sieht. Die wohnortnahe Beschulung biete zusätzliche Attraktivität und helfe, soziale Ungleichgewichte auszugleichen. Die Schülerzahlen würden auch in der Marktgemeinde weit über der 600-er-Grenze liegen, mutmaßte Summer. Der Forderung nach einem Gymnasium in Peißenberg verpasste Dr. Friedrich Zeller einen gehörigen Dämpfer. „Vorstellen könnte ich es mir auch“, räumte der Landrat zwar ein, „aber nur, wenn es ein anderer finanziert und genehmigt“. Zeller sieht nur „geringe Chancen“, in so kurzer Entfernung ein zweites Gymnasium zu errichten. Zum einen müsse man die Entscheidungsreihenfolge mit dem Kultusministerium an der Spitze einhalten, zum anderen dürfe man nicht am Bedarf vorbeiplanen. „Die Frau, die in der Statistik noch nicht geboren ist, kann auch keine Kinder kriegen“, verdeutlichte Zeller die Folgen des Geburtenrückgangs. Darüber hinaus sei das Bildungsreservat der Fach- und Berufsoberschulen „noch gar nicht richtig ausgeschöpft“.

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