Christian Ude rechnet in Peißenberg mit CSU ab 

"Die CSU ist mit ihrem Latein am Ende"

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Wahlkampf in der Tiefstollenhalle: Die Parteibasis jubelte ihrem Spitzenkandidaten Christian Ude mit Fahnen zu.

Peißenberg – An der CSU ließ Christian Ude bei seinem Besuch in der Tiefstollenhalle kaum ein gutes Haar. Vor allem an Horst Seehofers Politik hatte er einiges auszusetzen. 

„Wir hatten Angst, die Halle nicht vollzukriegen“, verriet Jutta Geldsetzer in ihrem Grußwort zum Neujahrsempfang der Peißenberger SPD. Die Sorgen der Ortsvereinsvorsitzenden sollten sich als unbegründet herausstellen. Unter lautem Jubel und zu Klängen des bayerischen Defiliermarsches zog Stargast Christian Ude am Sonntagmittag in die mit über 300 Besuchern gut gefüllte Tiefstollenhalle ein. Der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im September wurde von Geldsetzer als „Rhetorisches Glanzlicht“ angekündigt – wie sich im Verlauf der Veranstaltung zeigte, sollte der Münchner Oberbürgermeister den Vorschusslorbeeren gerecht werden. Ohne vorgefertigten Spickzettel hielt Ude über eine Stunde lang eine geschliffene Wahlkampfrede, in der vor allem mit dem politischen Gegner abrechnet wurde. Selbst als er sich im Eifer des Gefechts am Rednerpult ein volles Bierglas über den Anzug goss, reagierte der Spitzenpolitiker schlagfertig: „Das sollt ihr gar nicht sehen, wie ein begossener Kandidat aussieht“, witzelte Ude vor seiner Zuhörerschaft, unter die sich zahlreiche regionale SPD-Granden wie Landrat Dr. Friedrich Zeller gemischt hatten. Ude appellierte an die Parteibasis sich „nicht von Umfragen ins Boxhorn jagen zu lassen“, sondern sich auf „Realitäten“ zu stützen. Bayerns wirtschaftliche Lage sei zwar gut, doch das sei eine „Gemeinschaftsleistung“ von Unternehmern, Entwicklern und Arbeitnehmern: „Der Herrgott ist dafür verantwortlich, dass wir Berge und Seen haben, und nicht die CSU-Landesleitung“, stellte Ude fest.

Ob beim Mindestlohn, dem Donauausbau oder den Studiengebühren, die CSU würde ihr Fähnchen immer nach dem Wind richten und eine „Seehofer’sche Kehrtwende“ nach der anderen vollziehen. Auch vom viel gepriesenen Schuldenabbau dürfe man sich nicht blenden lassen: „Keine Regierung hat mehr Schulden gemacht als das Kabinett Seehofer – allein wegen der Landesbank“. Udes Fazit: „Wir haben eine unheimliche Chance auf den Wechsel. Die CSU ist mit ihrem Latein am Ende.“ Als „zweites rhetorisches Glanzlicht“ neben Ude gab Hans Streicher den Besuchern einen „kommunalpolitischen Querblick“. Peißenbergs zweiter Bürgermeister spöttelte über die CSU, die aufgrund „mangelnder Inhalte“ Prominente wie Uli Hoeneß oder Gloria von Thurn und Taxis einladen müsse. Was jetzt noch fehle: „Ein Sommergespräch zwischen Alexander Dobrindt und Daniela Katzenberger im Nichtschwimmerbecken der Rigi-Rutsch’n“. Streicher kritisierte aber auch einen Parteigenossen: „Deine Aussage tut uns Peißenbergern weh, es gibt viele Leute, die freiwillig nach Wörth ziehen“, ließ er Landrat Zeller wissen. Auf Nachfrage zu möglichen Ambitionen auf das Bürgermeisteramt hielt sich Streicher am Rande des Empfangs bedeckt: Intern werde man bis April entscheiden, den Kandidaten aber nicht vor Herbst bekannt geben: „Es wird aber ein bekannter Name sein“, verriet Streicher. Von Bernhard Jepsen

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