Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP, hält Wahlkampfrede in Weilheim – Rund 300 Gäste

Lindner will mehr

+
Christian Lindner.

Weilheim – Politiker sind immer viel unterwegs. Gerade im Wahlkampf ist der Kalender vollgespickt mit Veranstaltungen und sie müssen für einen Termin mal schnell durch halb Deutschland jetten. Da kann es schon mal passieren, dass der Flieger ein bisschen Verspätung hat. So erging es auch dem Bundesvorsitzenden der FDP und MdB, Christian Lindner, der am Montag mit ein wenig Verspätung auf dem Weilheimer Marienplatz sprach.

Und ausgerechnet an diesem Tag hatte auch noch sein Namensvetter aus dem Landkreis sein Manuskript vergessen. Ansonsten hätte er ja einfach für den Bundespolitiker einspringen können, scherzte Kreisrat und Kreisvorstand Klaus Breil, der auf einen gleichnamigen Zuhörer (Christian Lindner) der Wahlkampfveranstaltung anspielte und die rund 300 Gäste begrüßte. Diesen erklärte er, dass seiner Meinung nach die Themen Energie und Klima im aktuellen Wahlkampf zu kurz kämen. „Es besteht sehr viel Unklarheit und Informationsbedarf“, so Breil. Es sollten alle Verbrennungsvorgänge mit Treibhausabgaben belegt werden, als Ausgleich für CO2 -Emissionen. Die Erlöse könnten dann der Forschung für beispielsweise CO2-freie Energien dienen. Der Bernrieder kritisierte zudem, dass weite Teile Bayerns in puncto Breitbandausbau hinterherhinken würden.

Unter dem Motto „Frisches Bayern“ zeigte sich Stadträtin und FDP-Bezirkstagskandidatin Saika Gebauer-Merx überzeugt davon, dass Bayern neue Impulse brauche. „Wir wollen die Marke Bayern weiter in der Welt profilieren und den positiven Bezug der Bayern zu Kultur und Tradition erhalten“, so Gebauer-Merx. Sie sprach sich zudem für eine vernünftige Verkehrslösung in Weilheim aus und erinnerte daran, dass die FDP die erste Partei gewesen sei, die sich für eine Tunnellösung und den Erhalt der Naherholungsgebiete im Osten und Westen stark gemacht hätte. Ein wichtiges Anliegen ist der Direktkandidatin außerdem, dass ein „gescheites“ Einwanderungsgesetz eingeführt werde, das sich am Bedarf des Fachkräftemangels im Handwerksbereich orientiere.

Dem stimmte der Landtagskandidat und Staatsminister a.D. Martin Zeil zu: „Wir brauchen schnellere Entscheidungen. Dieses Chaos muss beendet werden.“ Zeil, der Weilheim zum Hochschulstandort machen will, möchte sich mehr für die Entlastung des Mittelstands einsetzen: „Weilheim-Schongau mit der geballten Kraft der Arbeiter hat es verdient, dass diese Region aufgewertet wird.“

Zum Ende der Veranstaltung ergriff der Ehrengast Christian Lindner das Wort und stellte sogleich fest: „Mit den Freien Demokraten ist im Oktober 2018 wieder zu rechnen.“ Die rund 300 Zuhörer auf dem Marienplatz würden ein „politisches Signal“ setzen. Als er im Jahr 2013 die Kreisstadt zum ersten Mal besuchte, sei es noch eine ganz andere Szenerie gewesen.

In seiner gut einstündigen Rede machte Lindner am Beispiel der gescheiterten Jamaika-Koalition in Berlin klar, dass die FDP ihre Versprechen halte: „Wir sind die Partei, die nach der Wahl nicht vergessen hat, was sie davor gesagt hat.“ Dabei bezog er sich auch auf die seiner Meinung nach nötige Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Bereits seit mehreren Wahlen sei das ein leeres Versprechen der CSU.

Ein Ziel seiner Partei sei es, sich gegen die fortschreitende Bürokratisierung auszusprechen, da dadurch viele Stellen gelähmt würden. Als Beispiel führte Lindner die Datenschutzgrundverordnung an, die bereits bei jedem Betrieb „ab zehn Mitarbeitern“ einen eigenen Datenschutzbeauftragten vorschreibt. Auch das Thema Bildung ist Lindner ein wichtiges Anliegen. Er forderte „Bildungs- und Chancengleichheit für alle“. Das beginne bereits bei der Qualität der Kindertagesstätten, die in der Politik einen höheren Stellenwert bekommen sollten. Der FDP-Vorsitzende machte sich für eine frühkindliche Erziehung stark und dafür, dass Kinder bereits bei Schuleintritt die deutsche Sprache beherrschen sollten. Den Bildungsföderalismus unter den 16 Bundesländern lehne er hingegen ab. „Wir sollten uns eher mit Spitzenhochschulen in Amerika und den Tigerstaaten in Asien vergleichen.“

Zum Schluss seiner Rede ging Lindner auf das Thema Migration ein. Er forderte ein besseres Einwanderungsgesetz und verwies auf das schlechte Management in der Migration. „Gewalt und Hetze haben in Deutschland nichts verloren, wir müssen aber auch 360 Grad sensibel sein.“ Politik solle an den Wahlurnen entschieden werden, nicht auf den Straßen mit Pflastersteinen. Damit bezog sich der Politiker auf die aktuelle Debatte in Chemnitz. „Man kann die AfD nicht klein machen, indem man sich auf ihr Niveau hinunter lässt“, so Lindner. Dies gelinge nur, indem man die Probleme, die diese Partei „groß gemacht“ haben, klein mache.

Gegen 18.45 Uhr verabschiedete sich Lindner und verließ, nachdem einige wenige ein Foto mit ihm erhaschen konnten, den Marienplatz.

Von Maria Lindner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Straße im neuen Wessobrunner Baugebiet fertiggestellt
Weilheim
Straße im neuen Wessobrunner Baugebiet fertiggestellt
Straße im neuen Wessobrunner Baugebiet fertiggestellt
Frohsinn 2000 geht mit bewährter Spitze ins neue Vereinsjahr
Weilheim
Frohsinn 2000 geht mit bewährter Spitze ins neue Vereinsjahr
Frohsinn 2000 geht mit bewährter Spitze ins neue Vereinsjahr
Rund ums Wasser: Mitmach-Stand von Xylem Watermark in Weilheim
Weilheim
Rund ums Wasser: Mitmach-Stand von Xylem Watermark in Weilheim
Rund ums Wasser: Mitmach-Stand von Xylem Watermark in Weilheim
Nachbarschaftshilfe sagt Danke
Weilheim
Nachbarschaftshilfe sagt Danke
Nachbarschaftshilfe sagt Danke

Kommentare