"Comeback" ins Leben – Projekt der Brücke Oberland nimmt arbeitslose Jugendliche an die Hand

Zugang zu den Jugendlichen erreichen Andreas Klöhr (li.) und Tobias Bihlmaier (re.) auch beim Bergwandern. Foto: Privat

Bis zu 200 Jugendliche sind jährlich im Landkreis Weilheim-Schongau ohne Arbeit. Manche von ihnen haben sich der Außenwelt derart verschlossen, dass sie behutsam wieder an die Gemeinschaft und die Arbeitswelt herangeführt werden müssen.

Dies ist das Ziel des Projektes „Comeback – Brücke zum Beruf“, das der Verein Brücke Oberland ins Leben gerufen hat um diese Jugendlichen aus ihrer Lethargie herauszuholen und „wieder auf die Füße zu stellen“, wie Projektleiter Georg Wernthaler es nennt. In den meisten Fällen handelt es sich um benachteiligte Jugendliche, oft ohne Schulabschluss, die nach Ende der Schulpflicht keinen Ausbildungsplatz bekommen haben und nach dem Motto „das funktioniert eh nicht“ resigniert mit der Jobsuche abgeschlossen haben. „In solchen Fällen sind wir bei der Berufsberatung meist mit unserem Latein am Ende“, weiß Robert Ernst, Teamleiter U25 bei der Agentur in Weilheim, aus Erfahrung. „Da muss tief in die soziale Trickkiste gegriffen werden, damit die Betroffenen aus ihrer Lethargie gerissen werden und wieder anpacken wollen“, sagt Ernst. In dem Projekt der Brücke werden die Jugendlichen an die Hand genommen – im wahrsten Sinne des Wortes. „Wenn es sein musste habe ich schon Jugendliche morgens um sieben zu Hause abgeholt und zur Praktikumsstelle gebracht“, erzählt Andreas Klöhr, der bei der Brücke direkter Ansprechpartner für die Jugendlichen ist. Er und sein Kollege Tobias Bihlmaier betreiben intensive Sozialarbeit, individuell auf jeden einzelnen „Fall“ zugeschnitten. „Erstmal geht es darum, grundsätzliche soziale Kompetenzen wieder zu erlernen“, berichtet Bihlmaier über seine Arbeit. Oft geschehe dies nicht über Gespräche sondern auf „Umwegen“ bei Aktivitäten, wie Klettern, Bergsteigen oder Wandern. So finde man viel leichter einen Draht zu den jungen Leuten und durch das „Etwas tun“ merken sie, dass Fähigkeiten in ihnen schlummern, die genutzt werden wollen. Daraus folge meist die Einsicht der jungen Menschen, dass weitere Schritte unternommen werden müssen, um wieder aktiv an der Gemeinschaft und am Leben teilhaben zu können. Die Betroffenen kommen meist über die Berufsberatung der Agentur für Arbeit, die das Projekt „Comeback“ zu 70 Prozent finanziert. Es ist eine aufsuchende Aktivierungshilfe – das bedeutet, dass Klöhr und Bihlmaier die Jugendlichen anrufen oder zu ihnen nach Hause kommen, nicht umgekehrt. „Erfahrungsgemäß sind derart ,krasse Fälle’ schon allein damit überfordert, irgendwo anrufen zu müssen“, so Ernst. „Natürlich fragen wir die Leute vorher ob es in Ordnung ist, wenn sie angerufen werden. Das ganze ist schließlich freiwillig.“ Ein Großteil dieser Jugendlichen hat auf irgendeine Weise eine problematische Vorgeschichte, Schwierigkeiten in der Familie oder Drogenprobleme sind nicht selten. „Umso erfreulicher ist es, zu sehen, wie die Jungs und Mädels im wahrsten Sinne des Wortes aufblühen, wenn man sich mit ihnen auseinandersetzt und so ihren Tatendrang weckt“, wie Klöhr es schon oft erlebt hat. Zahlen belegen den Erfolg des Projektes, das im Februar diesen Jahres angelaufen ist. Bisher wurden oder werden noch insgesamt 21 Teilnehmer betreut, zwölf von ihnen konnten in eine Ausbildung oder zumindest einen Arbeitsplatz vermittelt werden. In der Regel werden sie sechs Monate lang betreut, wenn nötig kann diese Zeit verlängert werden. Interessierte können sich an die Brücke Oberland wenden, Tel. 0881/61323 und sich im Internet unter www.bruecke-oberland.de über „Comeback“ informieren.

Auch interessant

Meistgelesen

31-Jähriger niedergestochen: Täter auf der Flucht
31-Jähriger niedergestochen: Täter auf der Flucht
Oberstadtlerfest in Bildern
Oberstadtlerfest in Bildern
Fast schon ein "Pflichttermin"
Fast schon ein "Pflichttermin"
Kleiner aber feiner Jahrgang
Kleiner aber feiner Jahrgang

Kommentare