Neues Zuhause für 32 Asylbewerber

Einzug im "Containerdorf"

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Diallo Mama Dou Oury (21) zog am Donnerstag mit 31 weiteren Asylbewerbern in das Containerdorf am Paradeis. Er packte seine Sachen in den Schrank. Nun hat seine Reise erst einmal ein Ende gefunden.

Weilheim – Die Sonne schien am Donnerstagnachmittag, und 32 männliche Asylbewerber räumten ihre Zimmer, die 14 Quadratmeter groß sind, ein. Sie lachten und waren sichtlich gut gelaunt. „Endlich ein bisschen Privatsphäre“, sagte ein junger Mann aus dem Kosovo in gebrochenem Deutsch.

Diese Aussage ist verständlich. Aus dem „Großraumschlaf- und Wohnzimmer“, der Berufsschulturnhalle, beziehen jetzt jeweils zwei Männer ein Zimmer in einem Container. Mit einem Lächeln im Gesicht laufen die Asylbewerber, die im Alter zwischen 21 und 45 Jahren sind, im „Dorf“ umher und erkunden ihr neues „Zuhause“. Sie beziehen ihre Betten und legen Klamotten in die Spinde. 

Die Taschen und Koffer, mit denen sie nach Deutschland gekommen sind, werden verstaut. In jedem Zimmer sind zwei Kühlschränke, dort kann jeder seine Nahrungsmittel und Getränke unterbringen. Das „Dorf“ ist fast fertig. „Es kommt noch ein Container, in dem Waschmaschinen drin sind, dann ist alles erledigt, und sie leben autark“, erklärte Gerhard Wimmer vom Landratsamt. „Sie sind jetzt alle happy ohne Ende“, fügte er noch hinzu. 

Die Grundausstattung hatte das Landratsamt gekauft, Familie Guggemos aus Wilzhofen brachte den Männern am Donnerstag das letzte Mal ihre Mahlzeiten. „Ab morgen heißt es selber kochen!“, sagte Wimmer. 

Für Praktikantin Veronika Seewald waren die letzten Wochen sehr spannend. Sie erlebte das, was sie in letzter Zeit aktuell im Fernsehen sah. Vom Ankommen der Asylbewerber bis zum Umzug im Paradeis, sie war immer dabei. „Es war eine sehr interessante Zeit“, sagte sie. Ab dem 1. November bekommt Wimmer eine Kollegin. Das Landratsamt hat sich bewusst für eine Frau entschieden, dann ist die Arbeit, wie zum Beispiel mit muslimischen Frauen, einfacher.

Zehn weitere Asylbewerber kommen pro Woche in unseren Landkreis. Bis Dezember sollen laut Hans Rehbehn, Pressesprecher des Landratsamtes, 350 Asylbewerber im Landkreis eine Unterkunft haben. Schulturnhallen sollen in Zukunft nicht mehr genutzt werden. Der Landkreis prüft gerade alle von den Bürgern angebotenen Wohnungen und Häuser.

Helmut Estermann vom Ausländeramt erklärte bei einem Besuch des Containerdorfes im Paradeis, dass eigentlich die Bezirksregierung für die Unterbringung von Asylbewerbern zuständig sei. Sie sollte diese in Gemeinschaftsunterkünften unterbringen, die eine Kapazität für mindestens 50 Personen haben müsste. „Die Regierung war nicht in der Lage, genügend Unterkünfte bereit zu stellen“, erklärte Estermann. Es gebe gesetzliche Regelungen, die sagen, dass es pro Landkreis eine Gemeinschaftsunterkunft geben muss.

Eine lange Reise 

Asylsuchende werden in aller Regel zuerst in einem Erstaufnahmelager untergebracht. Davon gibt es in Deutschland 20 Stück. Nach drei Monaten endet die Verpflichtung, dort zu wohnen. Die Unterbringung erfolgt dann in Gemeinschaftsunterkünften oder seltener, und von Land zu Land verschieden, in Wohnungen. 

Dort bleiben sie, bis über ihren Antrag entschieden wurde. In welches Bundesland die Asylsuchenden dann „geschickt“ werden, wird nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel entschieden. Jedem Asylsuchenden müssen laut Gesetz in Unterkünften sieben Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung stehen – damit sind ausschließlich der Schlaf- und Wohnraum gemeint, erklärte Estermann. „Die Räume, die wir in den Wohnungen haben, sind nicht optimal geschnitten und überschreiten meistens diese sieben Quadratmeter Grenze“, sagte er.

Gehen, wohin man will

Asylbewerber unterliegen im Bezirk Oberbayern keiner räumlichen Beschränkung. „Er oder sie darf sich auch zwei bis drei Tage außerhalb des Regierungsbezirks aufhalten. Die Person muss aber einen Antrag beim Ausländeramt stellen“, erklärte Estermann.

"Ja" zu Deutsch lernen 

Nur einer der 32 Weilheimer Asylbewerber besucht einen Deutschkurs an der Berufsschule. „Das finde ich nicht schlecht. Es ist für Deutschland bestimmt nicht negativ, wenn Asylbewerber die deutsche Sprache lernen. Ganz im Gegenteil, es ist eher ein Vorteil als ein Nachteil“, erklärte der Leiter der Ausländeramts. Eine Bitte hatte Wimmer noch: „Wir suchen dringend Fahrräder für die Herren.“ Wer den Asylbewerbern mit einem Radl oder weiteren Dingen helfen möchte, soll sich an das Ausländeramt in Weilheim, Tel. 0881/681-1450, wenden.

Alma Jazbec

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