"Dafür gibt es kein Drehbuch!"

Auf dem Flugfeld des Lufttransportgeschwaders 61 versorgten die Einsatzkräfte die vielen „Verletzten“ aus der Transall (Hintergrund). Fotos: Kruse

Es ist ein Horrorszenario: Samstag, 16.30 Uhr, im Landeanflug auf Penzing kollidiert eine Transall mit einem Hubschrauber. Ob und wie die Rettungsmaßnahmen danach funktionieren, testete man auf Initiative der Bundeswehr jetzt in einer „Flugunfallalarmübung“. Über 100 Feuerwehrleute, THW-Mitglieder, Sanitäter und Ärzte kümmerten sich um die über 50 „Verletzten“, die in beiden Fluggeräten saßen. Ergebnis der Übung: Mit kleineren Abstrichen funktioniert die Rettungskette gut.

Von Anfang an war klar, dass man eventuelle Schwächen offen einräumen würde. „Es bringt uns ja nichts, mit einer Übung vor der Presse gut dazustehen, wenn es im Ernstfall dann nicht so funktioniert“, sagt Johann Liebich aus Geltendorf. Der frühere Berufsfeuerwehrmann fungierte genauso als neutraler Beobachter wie zahlreiche Führungskräfte der Rettungsdienste und der Bundeswehr. Um größtmögliche Authentizität zu gewährleisten, war nur die höchste Ebene vorab über die Übung informiert und an der Planung beteiligt, für die Mannschaften, die „Verletzten“ ausgenommen, kam sie mehrheitlich völlig überraschend – und ohne „Drehbuch“. Liebich: „Es geht nur nach Lage, ohne Regie.“ "Kopf fehlt" Das sah dann so aus: Um 16.30 Uhr bekam man im Tower mit, dass die brennende Maschine auf die Landebahn stürzte. Vom beteiligten Hubschrauber wusste da noch niemand etwas, allerdings antwor­- tete der über Funk nicht mehr. Nach sechs Minuten rückte die Flughafenfeuerwehr aus – mit nur neun Mann (da Wochenende) ging es an die Herkulesaufgabe, die Transall zu sichern und unter Atemschutz die „Verletzten“ und „Toten“ zu bergen. Dass es „Tote“ gab, war von vornherein festgelegt; so hatte der Hubschrauberpilot das Schild „Kopf fehlt“ umgehängt bekommen. Nach knapp 20 Minuten hatten die Rettungskräfte ihn und die zwei anderen Mitglieder der Hubschrauberbesatzung auf dem Gelände des Ettmayerhofes aufgespürt und begannen mit der Bergung – die Lebenden natürlich zuerst. Auf dem Fliegerhorst hatte man zu diesem Zeitpunkt bereits realisiert, dass man alleine mit dem Katastrophenszenario nicht fertig werden würde. Die Integrierte Leitstelle (ILS) in Fürstenfeldbruck wurde eingeschaltet. Dort setzte man die zivile Rettungskette in Gang und das ging fix: Acht Minuten nach dem simulierten Unglück ging der Alarm an die Feuerwehren Landsberg und Kaufering hinaus, auch Ramsach und Penzing wurden alarmiert. „Die ILS gibt es erst seit zwei Jahren, aber wir haben gesehen, dass das System offenbar steht“, meinte Thomas Loweg mit diesem Punkt zufrieden. Der verantwortliche Projektoffizier für die Großübung wusste, dass er allen Beteiligten viel abverlangt hatte. „Das war eine fordernde und hoch ambitionierte Übung für alle Seiten, wir haben uns eine ganze Menge vorgenommen und viel abgearbeitet.“ Kooperation verbessern Nach zwei Stunden waren die „Verletzten“ längst erstversorgt und auf dem Weg in die großen Sanitätszelte, die auf der Landebahn aufgebaut worden waren. Die „Toten“ hatten es da besser: Sie durften sich bereits bei warmen Getränken und einer Brotzeit in der Halle aufwärmen. Für die Teilnahme am ungemütlichen Samstag haben alle „Opfer“ immerhin an Weihnachten frei. Im Großen und Ganzen zeigten sich die Verantwortlichen anschließend mit der Übung zufrieden. Eine genaue Analyse soll vermutlich in der kommenden Woche vorgelegt werden, ein Schwachpunkt war Loweg aber bereits aufgefallen: „Am meisten werden wir an der Kooperation zwischen der militärischen und den zivilen Feuer­- wehren arbeiten müssen. Da gibt es etwas zu verbessern, die Zivilisten wussten teilweise nicht so recht, wohin, als sie ankamen.“ Ähnlich äußerten sich auch die Mitglieder mehrerer Freiwilliger Feuerwehren. Ein echtes Problem hat man mit dieser Erkenntnis wohl nicht. Zum Ende der Übung noch einmal Johann Liebich: „Nur wenn wir bei einer solchen Übung diese Dinge finden und erkennen, können wir sie abstellen.“

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