Allmählich drängt die Zeit

Das Umspannwerk in Murnau könnte im Zuge einer Neuerrichtung verlegt werden

Umspannwerk Murnau
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Gelände mit Entwicklungspotenzial: Noch befindet sich das Murnauer Umspannwerk an der Dr.-Schalk-Straße. Jedoch könnte es verlegt werden, sofern sich ein Alternativstandort findet. Die Flächen südlich der Riegseer Straße, wie östlich der Weindorfer Grüngutdeponie, kommen hierfür aber nicht mehr in Frage.

Murnau – Ein hoher Maschendrahtzaun mit Stacheldraht-Topping sowie eine noch höhere grüne Hecke können nicht verbergen, was sich dahinter befindet. Das Umspannwerk an der Dr.-Schalk-Straße ist nicht schwer zu finden. Und das, obwohl nicht allein das Grün, sondern auch Bebauung das Werk ummantelt. Im kommenden Jahr soll die Anlage erneuert und erweitert werden. Für den Markt Murnau die Gelegenheit, das Werk zu verlagern. Doch so leicht lässt sich dieses nicht an den Ortsrand schieben. Und dann ist da noch die Zeit, die allmählich drängt.

Die Maßnahmen sind umfangreich: Erneuerung von Masten, Rückbau von Portalen, Zubeseilung für zusätzliche Stromkreise, Verschwenkung der Leiterseile bestehender Stromkreise auf neue Anschlagspunkte. Die Technik des Umspannwerks ist in die Jahre gekommen und soll daher eins zu eins erneuert werden. Und mehr noch: Sie soll um zwei weitere Schaltfelder erweitert werden. „Die Gesamtfläche der Freiluftanlage bliebe unverändert“, betont Christian Martens, stellvertretender Pressesprecher der Bayernwerk Netz GmbH. Der Netzbetreiber besitzt laut Martens seit 2018 „die Genehmigungen zum Ersatzneubau des 110-kV-Teils des Umspannwerks Murnau mit zusätzlichem Betriebsgebäude und der Erweiterung des 110-kV-Freileitungsanschlusses“.

Da das Umspannwerk an der Dr.-Schalk-Straße also im Grunde genommen neu gebaut werden muss, könnte die Neuerrichtung genauso gut an einem anderen, etwas dezentraleren Standort erfolgen. Das ist zumindest der Gedanke, der die Murnauer Gemeinderäte schon seit geraumer Zeit beschäftigt. „Der Markt Murnau hat aus städtebaulicher Sicht den Wunsch geäußert, die Möglichkeiten einer Verlegung zu prüfen“, sagt Annika Röttinger, Pressesprecherin im Rathaus. Die Gemeinde „sieht hierin eine Chance, das Umspannwerk aus dem Ortszentrum heraus zu verlegen“, heißt es auf der Webseite des Marktes weiter. Die Verlegung, so glaubt man im Rathaus, könnte einige Vorteile mit sich bringen. Röttinger spricht etwa von einem „städtebaulichen Gewinn“ für Murnau und Weindorfs Nordosten und blickt auf die 110-kV-Freileitungen der Bayernwerk Netz GmbH, die aus den Wohnbereichen am Hauserberg, Hofangerweg und Längenfeldweg entfernt werden würden. Und auch drei höhere Abspannmasten, derzeit messen diese rund 29 Meter, könnten vermieden werden.

Wohnungen statt Umspannwerk?

Verschwindet das Umspannwerk von seinem derzeitigen Standort, so bekäme der Längenfeldweg im östlichen Bereich ein „städtebauliches Entwicklungspotenzial“, so die Rathaussprecherin. Auf der dann brachliegenden Fläche an der Dr.-Schalk-Straße könnte Raum für Wohnen oder Gewerbe entstehen. Röttinger führt außerdem die „organische Innenentwicklung auf den frei werdenden Flächen“, die „Schonung des Außenbereichs“ sowie „Entwicklungsmöglichkeiten am Gewerbegebiet des ehemaligen Isar-Amper-Werke-Geländes“ auf – und damit eine lange Liste an möglichen Nützlichkeiten.

So weit, so gut. Doch wenn das Umspannwerk von drinnen nach draußen gebracht werden soll, so stellt sich die Frage: wohin damit? Alternativstandorte wurden schon umfassend beleuchtet. Genauer geprüft wurde unter anderem ein Areal östlich der Weindorfer Grüngutdeponie. Das liege laut Röttinger „im Bereich der einfallenden 110-kV-Freileitungen“. Das Praktische: Die begutachtete Fläche gehört der Gemeinde und ließe sich verkehrlich recht gut erschließen. Doch einen Haken gibt es: „Dieser Standort liegt auf einer Altlastenfläche“, sagt Röttinger. Der Blick der Gemeinderäte wanderte aber auch noch etwas weiter, auf eine Fläche südlich der Grüngutsammelstelle.

Mittlerweile sind beide Alternativen jedoch vom Tisch. In der jüngsten Sitzung beschloss der Gemeinderat, alle Standorte südlich der Riegseer Straße nicht mehr zu verfolgen. Weiter im Auge behalten wird jedoch die Idee, das Umspannwerk in ein Gebäude zu setzen. „Es besteht die Möglichkeit einer eingehausten Umsetzung“, sagt Röttinger. Doch sollte das Umspannwerk tatsächlich in einem Gebäude verschwinden, so sollte sich der Bau harmonisch in die Umgebung integrieren, „hierzu wären entsprechende Einfriedungen und Baumpflanzungen geplant“, so die Pressesprecherin.

Keine Alternative in Sicht

Ehe ein solches landschaftgerechtes Gebäude in die Höhe gezogen werden kann, bedarf es aber eines Alternativstandortes. Und der wurde schließlich noch nicht gefunden. Der Gemeinderat beschloss in seiner jüngsten Zusammenkunft daher „die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die aus maximal zwei Mitgliedern jeder Fraktion besteht und prioritär eine Verlagerungsvariante erarbeiten soll, die außerhalb des Ortes liegt“, erläutert Röttinger. Für die Bayernwerk Netz GmbH besteht derweil „keine energiewirtschaftliche Notwendigkeit für eine Änderung des Umspannwerk-Standorts“, stellt Martens klar. Sollte eine Verlegung dennoch in Angriff genommen werden, „muss berücksichtigt werden, dass die erforderlichen Trassen zur Anbindung an das regionale Verteilnetz in Abhängigkeit von der gewählten Variante unterschiedlich ausfallen würden. Jede Trassenlösung hätte der Bayernwerk Netz rechtlich vollständig gesichert zur Verfügung gestellt zu werden“, sagt Martens. Der stellvertretende Pressesprecher des Netzbetreibers hat beim Blick auf eine mögliche Verlagerung aber auch das Finanzielle im Blick: „Eine Voraussetzung wäre, dass die Bayernwerk Netz unabhängig von der Wahl des alternativen Standorts stets den Anspruch an den Veranlasser einer Maßnahme zur Bereitstellung eines Umspannwerk-Geländes und zur Übernahme der zusätzlichen Kosten zur Anbindung stellt.“

Viel Zeit für die Entstehung zusätzlicher Kosten bleibt aber nicht mehr. Eine Verlagerungsvariante sollte baldmöglichst gefunden werden. Die Bayernwerk Netz GmbH bat den Markt Murnau zuletzt nämlich darum, Anfang kommenden Jahres eine endgültige Entscheidung zu treffen. „Die Umsetzbarkeit wäre im Februar 2021 durch die Einholung der Zustimmung aller unmittelbar betroffenen Grundstückseigentümer zu bestätigen“, so Bayernwerk Netz-Sprecher Martens. Die Tinte auf den Verträgen zwischen der Marktgemeinde und dem Netzbetreiber sollte dann spätestens im März trocknen. Ein Zeitplan, der keine Verzögerungen dulden dürfte. „Um die notwendigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Energiewende in der Region zu schaffen, sind die wichtigen Erneuerungs- und Erweiterungsmaßnahmen im Umspannwerk Murnau rechtzeitig abzuschließen“, betont Martens. Sollte die Einigung auf eine Verlagerungsvariante nicht zeitig erfolgen, so werden wohl die geplanten Maßnahmen am Bestandsstandort weiter verfolgt und schließlich ausgeführt werden.

Von Antonia Reindl

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