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Arbeitsbesuch aus Atwima: Delegation taucht ins Murnauer Feuerwehrwesen ein

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Von: Antonia Reindl

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Besucher aus Atwima legen selbst Hand an
Als das Auto von seinem Dach befreit und die Insassen geborgen waren, konnten die Besucher aus Atwima selbst noch zur Schere greifen, natürlich mit Helm und Handschuhen. © Reindl

Murnau – Zum Vergnügen war man nicht gekommen. Der rund eine Woche umfassende Besuch war daher auch mit einigen To-Dos gefüllt. Zu einem Arbeitstreffen der Marktgemeinde Murnau und der Region Atwima, die eine Entwicklungspartnerschaft verbindet, reiste vergangene Woche eine Delegation um Regionalkönig Nana Antwi Agyei Brempong II aus Ghana nach Murnau. Unter anderem auf dem Terminplan: ein Besuch bei der Freiwilligen Feuerwehr, die nicht nur Wasser in die vormittägliche Hitze spritzte, sondern auch mit Blaulicht und Sirenen anbrauste.

Für Passanten, die am vergangenen Sonntag an der Feuerwehrwache vorbeispazierten, mag der Anblick verwunderlich gewesen sein. Da rücken zwei Fahrzeuge fast unmerklich am Viehmarktplatz aus, um keine Minute später mit Blaulicht und Sirenen auf den Hof zurückzukehren. Zu einem Auto, das sich seit geraumer Zeit nicht mehr bewegt hatte, in dem aber Insassen mit blutenden Gesichtern saßen. Doch das alles war nur Simulation: Das Auto war ausrangiert, das Blut in den Gesichtern Schminke. Man wollte dem Besuch zeigen, wie ein Einsatz der hiesigen Feuerwehr bei einem Verkehrsunfall abläuft. Der Besuch, das waren Nana Okyere Tawiah, ehemaliger Landrat von Atwima, Collins Asante, der Sekretär des Königs von Atwima, David Danquah, der in der ghanaischen Region für das Feuerwehrwesen zuständig ist, sowie Emmanuel Gyamfi.

Rettungseinsätze bei Verkehrsunfällen, „ein total wichtiges Thema für Afrika“, sagte Nina Herweck-Bockhorni, die stellvertretende Rathaussprecherin, als die Feuerwehrler rund um das Unfallfahrzeug standen, die Insassen bargen und Fahrertür wie Dach entfernten. Die Tage zuvor war die Delegation schon viel unterwegs gewesen, in Schulen, im Schloßmuseum, in Kirchen, sie haben sich mit Photovoltaik und der Wasseraufbereitung auseinandergesetzt und Murnau besser kennengerlernt. Auch habe man sich intensiv ausgetauscht, auch über den Ukraine-Krieg, berichtete Herweck-Bockhorni und betonte, dass es schließlich ein „Arbeitstreffen“ sei.

Beim Arbeitsbesuch an der Feuerwehrwache präsentierten sich die Feuerwehrler aber nicht nur beim Einsatz, rund 300 davon absolvieren die Freiwilligen pro Jahr, sondern sie führten auch ihre Fahrzeuge und deren Ausstattung vor. Eine Hochleiter ragte bei Ankunft der Delegation bereits in den Himmel, von einem Fahrzeug wurde Wasser in hohem Bogen auf die anliegende Straße und ein Wagen erhielt besondere Aufmerksamkeit: ein Löschgruppenfahrzeug von 1997. Dieses soll schon bald nach Ghana verschifft werden, eine Spende. Auf Englisch erklärten die Feuerwehrler ihrem Besuch die Ausstattung, wenngleich sich nicht für jedes Teil sogleich der passende englische Fachbegriff fand.

Mit seinem Smartphone filmte der königliche Sekretär Collins Asante stets mit, vor allem bei der Verkehrsunfallsübung umkreiste er fleißig das Geschehen. Als die Insassen schließlich gerettet waren und das Auto seines Daches entledigt war, blickten die Besucher neugierig auf die Schnittstellen, sie applaudierten und schüttelten den Einsatzkräften die Hände. Schließlich durften sie selbst zur hydraulischen Schere greifen und ein paar Schnitte am Wrack versuchen. Helm auf. Handschuhe an. Ran an den Wagen.

Für den darauffolgen Tag sei ein Besuch im Unfallklinikum geplant, dort könne man sich eine Klinikpartnerschaft vorstellen, verriet Herweck-Bockhorni. Eine Art Workshop sollte dann den Nachmittag füllen – Treffen mit Vertretern der Murnauer Verwaltung, „um zu schauen, welche Schritte man geht“. Dienstag reiste die Delegation dann wieder ab. Ein Gegenbesuch Murnaus in Atwima könnte im Herbst folgen, zumindest „wären wir für November eingeladen“, sagte Herweck-Bockhorni.

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