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Mehrere hundert Menschen gehen für Wiedereröffnung der Geburtshilfe in Weilheim auf die Straße

"Wir müssen alle zusammenhalten"

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„Wir könnten in Weilheim sofort mit einer Hebammenambulanz starten“, schlug Hebamme Dorle Heilbock unter Applaus vor. Das Problem in Weilheim sei, dass keine Ärzte verfügbar sind.

Weilheim – Im Weilheimer Krankenhaus muss es wieder eine Geburtshilfe geben, fordert ein Aktionsteam und rief am Samstag zur Demonstration auf den Kirchplatz. Über 300 Menschen nahmen teil.

Drei Monate nach der Schließung der Station hat sich nach der Trennung von der Chefärztin immer noch kein Mediziner für den Posten gefunden. Das Krankenhaus verfügt aktuell weder über Gynäkologen noch Hebammen, das Kinderkrankenschwester-Team hat sich aufgelöst, kritisiert das Orga-Team um Katrin Müller, die selbst Nachwuchs erwartet, und Hebammenkreissprecherin Dorothee Höhler. Vorab hatten sich der Stadt- und Kreistag geschlossen hinter die Aktion gestellt (Seite 2). Der Protest galt der Bundespolitik. Weilheimer Hebammen und Vertreterinnen aus der Kommunalpolitik – Landrätin Andrea Jochner-Weiß, dritte Bürgermeisterin Angelika Flock (beide CSU) und Stadträtin Susann Enders (FW) – sowie Grünen-Landtagskandidat Andreas Krahl forderten für die Hebammen Änderungen in der Bundespolitik und sprachen sich für die Wiedereröffnung der Geburtenstation aus. Hebammensprecherin Höhler dankte den Kommunalpolitikern für ihre Unterstützung, appellierte aber auch an die Frauen, umzudenken. Wichtig sei bei einer Geburt nicht „das große Krankenhaus“, sondern die liebevolle Betreuung dort. „Das müssen wir Frauen ebenso begreifen wie die Bundespolitik. Allein schaffen wir es nicht, wir sind ausgebrannt“, sagte sie. Flock beklagte die gestiegenen Haftpflichtkosten für Hebammen, über 8 000 Euro im Jahr seien kaum aufzubringen. Für Ärzte liege die Summe bei bis zu 50 000 Euro. „Halten wir alle zusammen, lassen Sie uns zur Wiedereröffnung beitragen“, appellierte Flock. Die Landrätin, stolz auf die von Frauen angestoßene Veranstaltung, sieht die Schwierigkeit auch auf dem leergefegten Markt für Mediziner. „Aber wir geben den Kampf nicht auf“, betonte Jochner-Weiß, die die Geburtshilfe vor drei Jahren mit dem Kreistag ins Leben gerufen hatte.

Zuvor hatten sich die Lokalpolitiker mit zwei Resolutionen an die Landes- und Bundespolitik gewandt. In der Stadtratssitzung am vergangenen Donnerstag lagen zum Thema „Wohnortnahe Geburten müssen gesichert sein“ zwei Dringlichkeitsanträge vor. Die CSU-Fraktion bat um Zustimmung für eine Resolution an den neuen bayerischen Ministerpräsidenten. Markus Söder solle sich für „bessere Rahmenbedingungen für den Betrieb und Erhalt dezentraler Geburtsstationen insbesondere im ländlichen Raum“ einsetzen, da diese nicht auf kommunaler Ebene geändert werden könnten, heißt es darin. Werdende Eltern hätten ein Recht auf eine wohnortnahe und sichere Entbindungsmöglichkeit. Die BfW beantragten, dass der Stadtrat eine Resolution beschließen und einen offenen Brief an die Krankenhaus GmbH und an das Landratsamt schicken soll – mit einem „klaren Bekenntnis für eine Geburtshilfestation in Weilheim“. Ebenfalls sei das Anliegen der Landespolitik vorzutragen. Grünen-Stadtrat und Vizelandrat Karl-Heinz Grehl bezweifelte, dass ein Schreiben an Söder von Nutzen sein könne und begründete dies mit der Feststellung: „Es ist momentan deutschlandweit kein Chefarzt aufzutreiben.“ Freiberufliche Hebammen seien fast nicht zu bekommen und die Fallpauschalen viel zu niedrig kalkuliert. „Hier ist Berlin gefordert“, verwies Grehl auf die Bundespolitik. Weilheim soll sich als Oberzentrum und Gesundheitsstandort mit weitflächigem Einzugsgebiet klar für die Geburtenstation in Weilheim positionieren, sprach sich Bürgermeister Markus Loth für die anschließend erfolgte Verabschiedung beider Resolutionen aus. In dem offenen Brief des Weilheimer Stadtrats an Landrätin Andrea Jochner-Weiß wird die Befürchtung geäußert, dass die Geburtshilfe in Weilheim aufgrund des Abwanderns der Fachkräfte endgültig geschlossen bleiben wird. Für das Fachgebiet Gynäkologie gebe es im Weilheimer Krankenhaus keine Zukunftsperspektive, während im Schongauer Krankenhaus eine Hauptabteilung Gynäkologie/Geburtshilfe etabliert werden soll. Für werdende Mütter im Weilheimer Einzugsbereich hätte eine Schließung „weittragende Konsequenzen“ zur Folge, da sie in die überlasteten Krankenhäuser in Garmisch, Starnberg oder Schongau ausweichen müssen. Lange Fahrtstrecken seien jedoch immer mit einem Risiko verbunden. Alle Verantwortlichen werden deshalb „eindringlich gebeten, weiterhin alle entsprechenden Maßnahmen zur Erhaltung des Standorts zu ergreifen“.
Von Georg Müller/Maria Hofstetter

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