Demonstrantinnen diskutieren mit Zirkus über die Haltung von Wildtieren

Ein Schritt aufeinander zu

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Rund 70 Demonstranten kamen am Samstag zur Stadthalle, um gegen Tierhaltung in Zirkussen zu demonstrieren.

Weilheim – Die Musik im Zelt hört auf, die Menge tobt. Während der Zirkus Charles Knie in der Manege das Publikum begeistert, stehen rund 80 in schwarz gekleidete Menschen mit Grablichtern vor der Stadthalle. Am Elefantengehege findet zeitgleich eine ungewöhnliche Zusammenkunft statt.

Noch eine halbe Stunde davor herrschte wenig Bereitschaft zu einem Treffen. „Die von PETA wollen mit uns eh nie reden“, weiß Patrick Adolph, Pressesprecher des Zirkus, aus jahrelanger Erfahrung. Doch in Weilheim täuscht er sich. Hier randalieren die Aktivisten nicht. Sie haben keine Plakate beschmiert und bespucken auch keine Besucher und pöbeln nicht. 

Nachdem der Kreisbote zwischen Zirkus und Demonstranten vermittelt hat, stehen Desiree Drauschke, Franziska Kaißling und Erna Michl, deren Idee die Demonstration gegen die Haltung von Wildtieren im Zirkus war, mitten auf dem Volksfestplatz zwischen den Tiergehegen. Ihnen gegenüber Patrick Adolph und Raubtiertrainer Tom Diek junior. Keine aggressiven Parolen auf der einen Seite, kein Platzverbot auf der anderen. Die Fünf unterhalten sich ruhig und sachlich. 

Gesprächsbereitschaft auf beiden Seiten: die Organisatorinnen der Demonstration im Gespräch mit dem Raubtiertrainer und dem Pressesprecher des Zirkus.

„Wollt ihr, dass wir alle Veganer werden?“, fragt Adolph. Die jungen Frauen bejahen mit einem Grinsen. „Wir sind aber keine militanten Tierschützer“, sagt Drauschke. „Wir hoffen nur, ein paar Menschen zum Nachdenken anzuregen.“ 

Die Zirkusangestellten versichern, dass es keinen Grund gibt, ihre Tierhaltung zu beanstanden. Über 100 Tiere reisen mit dem Zirkus quer durch Deutschland, zehn Tierpfleger sind immer dabei. „Wir haben auch immer Kontakt zu Tierärzten“, erklärt Adolph. Und tatsächlich wirken die Tiere in ihren Gehegen entspannt. „Wir machen sogar medizinische Stresstests“, ergänzt Diek, „und unseren Tieren geht es gut.“

Die Mitglieder des peta2-Street-Teams bleiben bei ihrem Standpunkt: „Artgerecht ist nur die Freiheit“, verweist Michl auf die vielen Kilometer Fläche, die Elefanten und Löwen in der Natur nutzen. „Stellen Sie sich vor, sie werden in einer Villa geboren und dürfen dort nie raus. Das würde keiner mögen“, versucht sie klarzumachen, warum sie und ihre Mitstreiter sich gegen die Käfighaltung von Wildtieren aussprechen. „Die Tiere müssen uns unterhalten und können nicht selbst entscheiden“, moniert sie weiter. 

Äußerst menschenbezogen präsentierten sich die Zebras im Gehege, in dem sie auch an den Bäumen entlang der Ammer grasen durften.

Diek, der seit er ein Kind ist die Raubkatzen trainiert, widerspricht: „Ich lese die Tiere und verstehe sie“, sagt er und erklärt, dass es gar nicht mehr möglich sei, die Tiger und Löwen, die in der 16. Generation dem Zirkus angehören, freizulassen. Auch er ist dennoch der Meinung, dass Tiere, die in Freiheit leben, dort bleiben sollen. „Ich glaube, irgendwann wird es keine Wildtiere mehr in Zirkussen geben. Ich hoffe aber, dass es bis dahin noch lange dauert.“

„In den letzten 20 Jahren hat sich viel getan“, sagt Adolph, der selbst im Zirkus geboren wurde. Ein Beispiel für den Wandel seien beispielsweise die Regelungen bei den Elefanten. Wenn einer stirbt, darf kein neuer mehr nachgekauft werden. 

Über eine Stunde dauert der gemeinsame Rundgang bereits. Vor dem Hintereingang des Zeltes warten die Pferde auf ihr Startsignal. Auf einen gemeinsamen Nenner sind Zirkusleute und Tierrechtler immer noch nicht gekommen, das wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern. 

„Jeder soll seine Meinung haben und friedlich vertreten“, zeigt sich Adolph froh, dass die Proteste in Weilheim so friedlich abgelaufen sind. „Wir wollen keinen Krieg, sondern eine Annäherung“, hoffen auch die Tierschützerinnen auf ein bisschen mehr Verständnis in der Gesellschaft. „Freunde werden wir trotzdem keine.“

Von Ursula Gnadl

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