Ein Denkmal für Weilheims Juden

Ein 1,70 Meter hoher roter Mainsandstein, bearbeitet von Egon Stöckle, soll künftig auf dem städtischen Friedhof an die jüdischen Mitbürger erinnern, die während der Nazizeit in Weilheim gelitten haben, vertrieben oder getötet worden sind. Der Stadtrat sprach sich in nichtöffentlicher Sitzung mit großer Mehrheit für ein Denkmal des Hohenfurcher Künstlers aus.

Bereits am 28. Juni 2007 hatte sich der Stadtrat darauf geeinigt, am städtischen Friedhof zur Erinnerung an die Weilheimer Juden ein Mahnmal zu errichten. Das Stadtbauamt leitete daraufhin – auf sechs einheimische Künstler beschränkt – einen Realisierungswettbewerb in die Wege. Vier Entwürfe wurden eingereicht und drei davon im Bauausschuss vorgestellt. Ob die Sandstein-Variante von Stöckle oder die Basalt-Stele der Böbingerin Andrea Kreipe als Denkmal aufgestellt werden soll, darüber hatte der Stadtrat am vergangenen Donnerstag zu entscheiden. Im öffentlichen Sitzungsteil erhielten die Künstler – beide Bild- hauer sind Mitglied im Kunstforum Weilheim –, noch einmal Gelegenheit, ihre Entwürfe zu präsentieren. Das Rennen machte Stöckle, entschied das Gremium im Anschluss hinter verschlossener Tür. Beide Vorschläge seien von den Stadträten einhellig mit „hervorragend“ bewertet worden, betonte Hauptamtsleiter Helmut Hain am Freitag auf Nachfrage und dass die Entscheidung letztlich „eine Geschmacksfrage“ gewesen sei. Kreipes 250 cm hohe, im oberen Drittel gebrochene Basaltsäule stellt eine zerbrochene Kerze dar, die für das „gewaltsam unterbrochene Leben“ sprechen soll. Auf einer Metallplatte eingefügt sind Namen, Davidstern, ein hebräisches Schriftzeichen für das Gedenken. 160 cm breit, 170 cm hoch und 40 cm tief ist das Mahnmal aus rotem Mainsandstein, mit dem Stöckle auf einer kleinen Grünfläche am Weilheimer Friedhof an die verschleppten, ermordeten und verstorbenen jüdischen Mitbürger erinnern wird. Ein Drittel des Steines wird abgesprengt und nach außen verschoben. Dem Künstler ist wichtig, „dass die Gewaltanwendung auf den Stein, die Bruchkante, sichtbar bleibt“. Auch die rote Farbe, erklärte Stöckle, soll den Betrachter symbolisch auf die Gewalt hinweisen. Die etwas raue Oberfläche des Steins wird durch das Sandstrahlen „noch einmal verletzt“. Im Text führt der Künstler alle betroffenen Weilheimer Juden namentlich an. Stöckle wird jetzt ein 1:1-Modell aus Styropor anfertigen, anhand dessen Verbesserungsvorschläge besser diskutiert werden können. Karl-Heinz Grehl (Grüne) hinterfragte die Haltbarkeit des Sandsteins (Stöckle: „Bis jetzt haben mich noch alle Steine überlebt“) und hätte lieber einen Kalkstein aus dem Karwendel verwendet. Ob eventuelle Farbsprühereien von der rauen Oberfläche beseitigt werden können, wollte Dr. Ulf Knabe (BfW) wissen. Spontan erklärte sich FDP-Kollege Walter Hüglin bereit, anfallende Reinigungsarbeiten zu übernehmen. Über die Kosten des Mahnmals hat der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung gesprochen. „Dazu kann ich noch keine Angaben machen“, erklärte der stellvertretende Stadtbau- meister Michael Schleich. Zum Zeitplan sagte Schleich, dass Stöckles Werk voraussichtlich „im Frühjahr nächsten Jahres“ installiert werden soll.

Meistgelesen

Weilheimer Gesundheitstag
Weilheimer Gesundheitstag
Made in Weilheim
Made in Weilheim
Mutig, witzig, weise – und über 100
Mutig, witzig, weise – und über 100
Neue Fassade für den Zentralbau
Neue Fassade für den Zentralbau

Kommentare