Keine Italienische Woche mehr

Der Verein »Vita e Cultura Italiana Weilheim« hat sich aufgelöst

Fotocollage der Italienischen Woche aus vergangenen Jahren.
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Bei der Italienischen Woche konnte interkultureller Austausch gelebt werden.

Weilheim – 2002 gründete Anna Anzile den Verein „Vita e Cultura Italiana Weilheim“, nachdem ihre Schüler sich wünschten, neben der Sprache auch die Kultur Italiens besser kennen zu lernen. 2004 wurde der Verein eingetragen. Kürzlich löste er sich auf.

Anna Anzile kam vor 30 Jahren von Italien nach Deutschland. „Die Liebe hat mich nach Deutschland gebracht“, sagt sie. Ihre Kinder sind in Weilheim groß geworden und inzwischen hat sie auch schon zwei Enkeltöchter. In der Vhs Weilheim unterrichtet sie Italienisch. Seit wann, das kann Anzile gar nicht so genau sagen. Die italienische Sprache ist hier sehr beliebt. „Wahrscheinlich durch die Nähe zu Italien“, vermutet Anzile.

Mit ihrem Verein bot sie Tanz- und Kochkurse mit Live-Musik, Sprachreisen nach Italien und Ausflüge zur italienischen Architektur in Augsburg und München an. „Die waren immer so gut besucht, dass ich oft zwei Termine anbieten musste“, erzählt die gebürtige Venezianerin. Oft fanden Kurse in Kooperation mit der Vhs statt. Ausstellungen in der Sparkasse oder Kochkurse in den Räumlichkeiten der AOK brachten die italienische Kultur nach Weilheim. Vier bis fünf Veranstaltungen im Jahr wurden angeboten. Einmal im Monat gab es einen Stammtisch. Dieser wurde jedoch immer weniger besucht.

Finanzielles Risiko

Die Italienische Woche war „ihr Baby“ und wohl die bekannteste Veranstaltung des Vereins. In den letzten drei Jahren hatten Anzile und ihre Mitstreiter aber Pech mit dem Wetter und die Italienische Woche wurde zu einem finanziellen Risiko. Räume für ihre anderen Angebote zu finden, gestaltete sich zudem immer schwieriger. Und schließlich kam noch Corona. „Unsere letzte Veranstaltung war die Faschingsfeier 2020. Die konnten wir zum Glück noch wie geplant durchführen“, so Anzile. Aber durch den Lockdown konnte der Verein nicht mehr das tun, wofür er stand: „Wir waren ein interkultureller Verein. Und ein Verein muss lebendig sein“, betonte Anzile, die ihren Mitgliedern Veranstaltungen „mit Hand und Fuß“ anbieten wollte. „Aber das ist zur Zeit nicht möglich und ich möchte von den Mitgliedern keinen Beitrag verlangen wenn nichts stattfinden kann.“

Anzile war wichtig, dass die Auflösung noch im Winter 2020 vonstattenging, bevor mit dem Jahreswechsel auch wieder neue Beiträge hätten gezahlt werden müssen. Kurz vor Weihnachten wurde bei einer Online-Vereinssitzung und per Post abgestimmt. „Mir ist wichtig zu sagen, dass wir keinen Streit hatten. Es gab keinen, der gegen die Auflösung war. Wir haben das realistisch betrachtet“, sagt Anzile. Sie ist froh, dass alle hinter der Entscheidung stehen. Zuletzt hatte der Verein etwa 45 Mitglieder. Die Vereinsauflösung ist nun gesetzlich und bürokratisch geregelt. „Man trägt als Verein auch eine Verantwortung“, ist sich Anzile bewusst.

Anzile trennt sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „ Es war sehr traurig. Wir hatten so viele schöne Zeiten und es hat mir viel Spaß gemacht. Aber es sind tolle Freundschaften entstanden, die auch weiterhin bestehen werden. Unsere Liebe zu Italien ist ja nicht aus der Welt.“

Von Kreisbote

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