95 Dezibel als (Schmerz-)Grenze – Experten rechtfertigen Regelung gegenüber Kritik der Weilheimer Musikszene

95 Dezibel (dB), mehr geht nicht. Das ist die Grenze, was der Landkreis an Lautstärke bei Veranstaltungen erlaubt. Die Debatte um eine Erhöhung dieses Wertes, die eine Band in der Jugend-Sendung „on3 Südwild“ auf dem Kirchplatz forderte, war Grund genug für das Gesundheitsamt zu reagieren.

„Es gibt wohl keinen anderen Landkreis, wo Jugendliche so gut informiert werden über Gehörschäden“, meint Dr. Karl Breu, Leiter des Gesundheitsamtes. Doch weil „wir in den Medien immer wieder abgewatscht werden“, lud er mit dem Juristen Matthias Seitz, dem Sachgebietsleiter für technischen Umweltschutz Herbert Kollmannsberger und Rainer Strick vom Jugendamt ein zu einem Pressegespräch, um auf die Vorwürfe zu reagieren. Im Raum stand vor allem, dass die Behörde die Weilheimer Musiksszene zum Erliegen bringe mit der Senkung des DIN-Wertes von 99 auf 95 dB, wie es vor zehn Jahren durchgesetzt wurde. Ausschlaggebend war damals der Fall von zwei Jugendlichen, die nach einer Party irreparable Gehörschäden davontrugen. Mit diesem Wert, so der einstimmige Tenor, würde nicht nur Gehörschäden vorgebeugt, sondern das Landratsamt käme den Veranstaltern sogar entgegen. Der Grenzwert von 95dB, erklärte Seitz, sei eine Absicherung für den Veranstalter. Im Falle von Streitigkeiten, in denen stets nach dem DIN-Wert von 99 dB geurteilt wird, könne ihm nichts passieren. Zwar seien 99 dB erlaubt, doch sei damit eine nahezu unüberblickbare Fülle an Auflagen verbunden, „die kleine Punkbands oder Kleinveranstalter kaum stemmen können“. Bei Messungen durch das Gesundheitsamt seien ohnehin schon 3 dB Toleranz inbegriffen. „Wenn man bedenkt, dass sich der Schalldruck schon bei drei Dezibel mehr verdoppelt, was man so nicht wahrnimmt, ist das eh schon viel“, warf Kollmansberger ein. „Wir sind damit auch Vorbild für andere“, so Dr. Breu, „denn der Landkreis Ostallgäu hat bereits unseren Grenzwert eingeführt.“ Die Erhöhung des Grenzwertes auf 110 dB also sei den Experten zufolge untragbar. Am 4. April 2011 wird es eine Jungbürgerversammlung in der Stadthalle geben.

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