Dichterlesung im Gymnasium Weilheim: Zsuzsa Bánk gab Einblicke in ihr Werk

Ein "langweiliges Leben"

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Zsuzsa Bánk signierte in der Pause Bücher.

Weilheim – Viele Autoren schmücken ihre Texte mit Symbolen und Rätseln aus, derer Interpretation es bedarf, um den Sinn des Gedruckten überhaupt zu verstehen. Anders Zsuzsa Bánk. Am Donnerstag war die Schriftstellerin in der Aula des Gymnasiums zu Gast.

„Ich denke mir überhaupt nichts dabei, wenn ich Texte schreibe“, gestand die 52-Jährige. Es sei ein intuitiver Prozess und „kein intellektueller, konzeptioneller Vorgang“. Dennoch sitze sie meist sehr lange Zeit an jedem Buch: „Ich gebe es erst aus der Hand, wenn ich nicht mehr daran feilen kann.“ So sei sie auf der sicheren Seite. Auch wenn sie an manchen Stellen des Schreibprozesses Zweifel habe, lasse sie sich nie entmutigen. „Ich bin zäh und eisern und diszipliniert und tüftle so lange, bis es mir gelingt.“

Ihren Hang zu präzisen Formulierungen und ihre innige Liebe zur Sprache bewies die ehemalige Wirtschaftsredakteurin schon vor der Fragerunde bei Auszügen ihrer Romane. Zu ihrer eigenen Verwunderung wurde sie im Vorfeld jedoch nicht darum gebeten, aus ihrem neuesten Werk zu lesen, mit dem sie gerade auf Lesereise ist. Die Schüler hatten sich im Vorfeld Texte gewünscht, die sie bereits für das Weilheimer Heft ausgewählt hatten. So las Bánk im Laufe des Abends diese dann auch vor: Sie begann mit Passagen aus „Die hellen Tage“, bevor sie das erste Kapitel des mehrfach preisgekrönten Buches „Der Schwimmer“ vortrug und den Abend nach der Fragerunde mit „Gebete“ beendete. Allen Texten gemein: Sehr emotionale Beziehungen zwischen den Figuren, die durchwegs äußerst detailliert geformte Charaktere haben sowie eine wunderbar poetische Herangehensweise an die Rhythmik der Worte und die gesamte Sprachmelodie. Diese wurde zusätzlich unterstrichen durch den wohlig warmen Klang von Bánks zarter und dennoch überzeugender Stimme, die so beruhigend wirkt, dass die Seele des Zuhörers auch bei dramatischen Episoden tröstend umarmt wird.

Autobiographisch, beantwortete Bánk eine Frage aus dem Publikum, seien ihre Texte nicht. „Mein Leben ist übersichtlich und sehr langweilig“. Ihre Figuren und Geschichten seien daher immer frei erfunden. „Ich denke mir Figuren aus, mit denen ich einen langen Weg gehen kann“, erklärte Bánk. Schließlich müsse sie jeden Tag dazu Lust haben, zu ihnen aufzubrechen. Und das geschieht bei Bánk nicht etwa in fernen Ländern oder im Straßencafé, sondern an ihrem Schreibtisch zu Hause. Bei dem „großen Akt der Konzentration“ und dem Weg in ihre eigene „Konzentrationsschleuse“ müsse absolute Stille herrschen, verglich die Mutter von zwei Kindern das Schreiben mit der Komposition eines Musikstücks. „Ich fühle mich wie amputiert – nicht existent –, wenn ich nicht schreibe“, verdeutlichte sie die Liebe zu ihrem Beruf und vor allem zum Spiel mit der Sprache. Bereits als Kind habe sie die Routine des Formulierens jeden Tag gelebt – beim Tagebuchschreiben und später beim Erschaffen von Gedichten oder Geschichten. Die Inspiration im kreativen Prozess suchte und sucht die Autorin dabei selten in der Außenwelt: „Das Grundsätzliche findet in meinem Kopf statt.“

Von Ursula Gnadl

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