Viele Bakterien, weniger Pflanzen

Die Wasserqualität des Dietlhofer Sees hat sich verschlechtert

Dietlhofer See
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Die Wasserqualität des Dietlhofer Sees hat sich verschlechtert. Mutmaßlich gibt es mehrere Gründe dafür.

Weilheim – Was läuft schief? Diese Frage stellen sich derzeit wohl die Mitglieder des Fischereivereins Weilheim. Schon seit längerer Zeit beobachten sie, dass der Dietlhofer See sich verändert – und das nicht zum Positiven hin.

Es sind eine Reihe von Dingen, die Anlass zur Sorge geben. Und zwar so sehr, dass sich Vertreter des Fischereivereins mit Mitarbeitern des Wasserwirtschaftsamtes, der Wasserwacht, des Sporttauchvereins und des Stadtrats zu einer Sondersitzung trafen, wie Stadtrat Ullrich Klinkicht, Referent für den Dietlhofer See, mitteilte.

Für jeden wohl am auffälligsten ist, dass die Seerosen langsam verschwinden. Ein Zeichen, dass sich die Gewässerqualität verschlechtert hat. Auch andere Pflanzenarten sind betroffen. So berichtete Dr. Martin Goliasch, Vorsitzender des Sporttauchvereins Conger Weilheim: „Auf der Westseite des Sees, bis etwa zehn bis 15 Meter vom Ufer in drei bis vier Meter Tiefe, existiert noch Pflanzenbewuchs. Sonst ist der Grund des Sees weitestgehend verschlammt.“

„Es gibt nur bis in eine Tiefe von etwa drei bis vier Metern ausreichend Sauerstoff für das Leben im See“, sagte auch Robert Kapa, Gewässerökologe des Wasserwirtschaftsamtes.

Goliasch und seinen Vereinskollegen ist noch etwas aufgefallen: „Am ganzen See haben wir beim Tauchen die Beobachtung gemacht, dass Bakterien in allen Farben vorhanden sind – grün, rot, gelb und ein starker Schwefelgeruch.“

Der erste Vorsitzende des Fischereivereins Herbert Ullmann vermutet, dass der Klimawandel eine Rolle spielen könnte: „Wir denken, dass sich die Wasserqualität verschlechtert hat, auch durch die warmen Sommer.“ Doch ob das alleine der Grund ist? Gewässerökologe Kapa konnte zumindest eine Ursache bereits ausschließen: „Ich sehe da jetzt keine Einträge aus der Landwirtschaft oder Siedlungseinträge, die Auswirkungen auf den See haben.“ Jedoch könnte ein ganz bestimmter Fisch mitverantwortlich für den Zustand des Sees sein. „Der Karpfen ist der Fisch, der Einfluss auf die Wasserpflanzen hat. Wenn es einen großen Karpfenbestand gibt, hat es auch Einfluss auf die Wasserqualität“, erklärte Kapa.

Ist der Karpfen schuld?

Neben dem „normalen“ Karpfen gibt es im Dietlhofer See auch einen Bestand an sogenannten Graskarpfen. Die korrekte Bezeichnung ist Weißer Amur. Diese Art von Fisch ist im Weilheimer See eigentlich nicht heimisch. Jemand muss ihn eingesetzt haben. Wer, ist nicht klar, aber dass er einen negativen Einfluss auf die Wasserqualität hat.

Für Klinkicht steht fest: „Sollte der Fischbesatz an der augenblicklichen ökologischen Situation eine nicht unerhebliche Rolle spielen, müssen die Fischer handeln.“ Das Problem: Laut der Fischer lässt sich der Graskarpfen nur schwer fangen und er wird auch nicht systematisch befischt. Vermehren kann er sich im See zwar nicht, wird aber sehr alt.

Ob es noch weitere Gründe gibt, dass die Qualität des Gewässers sich verschlechtert, muss sich jetzt noch zeigen. Am besten durch eine Wasserprobe. Kapa vom Wasserwirtschaftsamt berichtete, dass die letzten Proben 2004 und 2009 entnommen wurden. Da eine regelmäßigere Untersuchung sinnvoll wäre, regte Kapa an: „Was wir anbieten können, ist, dass wir den Dietlhofer See ins Beprobungsprogramm für die Wasserrahmenrichtlinie aufnehmen können.“

Seit 2007 bildet das Monitoring nach der Wasserrahmenrichtlinie den Kern der bayerischen Gewässerüberwachung. Die Überwachung im Rahmen dieses EU-Programms dient dazu, großräumige Trends in der Gewässerqualität zu erkennen. Messungen werden normalerweise nur an größeren Seen und Flüssen vorgenommen. Dafür jedoch in der Regel einmal im Monat. Jetzt muss sich zeigen, ob das Monitoring noch andere Ursachen zu Tage bringt.

Von Kreisbote

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