Für lebendige Flüsse

Verbände richten »Weilheimer Appell« an die Staatsregierung

Symbolfoto: Reißender Fluss in alpiner Landschaft.
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Verbände fordern im „Weilheimer Apell“ den Schutz der Wildflusslandschaften Bayerns.

Weilheim – Anfang Mai endete die internationale Fluss-Konferenz „Dam Removal goes Alps“ mit mehreren hundert TeilnehmerInnen aus über 55 Nationen. Zum Abschluss der Online-Konferenz veröffentlichten die Verbände Bund Naturschutz, Landesfischereiverband Bayern, Bayerischer Kanu-Verband und der WWF Deutschland einen „Weilheimer Appell“ an die Bayerische Staatsregierung.

Die unterzeichnenden Verbände fordern, dass aufgrund des „dramatisch schlechten Zustands der natürlichen Fließgewässer und Auen sowie der flusstypischen Arten die letzten Wildflusslandschaften Bayerns bewahrt und vor negativen Einflüssen geschützt werden müssen“. Es brauche vermehrte Kraftanstrengungen, um Flüsse zu renaturieren und den Rückbau von Barrieren – hinterlegt mit einem Priorisierungskonzept und ausreichend Finanzmitteln. „Wir fordern außerdem ein klares Bekenntnis gegen neue (Klein-)wasserkraftanlagen – auch an bisher energetisch nicht genutzten Querbauwerken. Denn für ein Gelingen der Energiewende in Bayern spielen neue Kleinwasserkraftwerke keine Rolle.“

Konkrete Forderungen: Zunächst einmal geht es den Verbänden darum, Barrieren zu entfernen und freie Fließstrecken zu schaffen. Bisher seien lediglich elf Prozent der 56 792 Querbauwerke in Bayern flussaufwärts für Fische durchwanderbar. Der Rückbau von Barrieren erweise sich vielfach als die effizienteste Methode, um das Leben in die Gewässer zurückzubringen. Die Forderung lautet daher, „konkrete Maßnahmen zum Rückbau von Barrieren in die Maßnahmenpläne zur Wasserrahmenrichtlinie aufzunehmen und bis spätestens 2027 umzusetzen.“ Zudem sollten alle nicht vollständig durchgängigen Querbauwerke in FFH- beziehungsweise Naturschutzgebieten auf einen möglichen Rückbau hin überprüft werden.

Aber nicht nur der Rückbau, sondern auch das Verhindern von neuen Wasserkraftwerken stellt für die Verbände einen wichtigen Schritt dar. Viele Fische würden bei der Passage durch die Turbine verenden. Die Unterzeichner des „Weilheimer Appells“ erklären, dass „ökologisch vertretbare Ausbaupotenziale lediglich in der Optimierung und Modernisierung vorhandener größerer Anlagen (>1 MW)“ liegen würden. Der Neubau von Wasserkraftanlagen solle daher nicht weiter ermöglicht werden. Zeitgleich fordern sie, „die generelle 10-H-Regelung für Windkraftwerke abzuschaffen, den Bau von Windrädern, die vor Erlass der 10-H-Regelung bereits genehmigt waren, zu ermöglichen, und den dezentralen Ausbau der Solarenergie stärker zu fördern“.

Zudem findet sich im „Weilheimer Appell“ noch der Wunsch nach Förderung des Rückbaus statt des Betriebs von Kleinwasserkraftanlagen. Denn der grundsätzlich staatlich geförderte Ausbau der kleinen Wasserkraft widerspreche den Vorgaben der Bayerischen Biodiversitätsstrategie von 2009, wonach der „Ausbau kleiner ökologisch bedeutsamer Fließgewässer zur energetischen Nutzung nur nach besonderer Einzelfallprüfung“ erfolgen soll. „Zudem sind die Förder- und Investitionskosten pro kWh verglichen zu anderen energetischen Maßnahmen volkswirtschaftlich inzwischen völlig unrentabel.“

Den Verbänden geht es auch darum, naturnahe Referenzflüsse zu schaffen. Naturnahe, unzerschnittene Fließgewässer seien europaweit selten geworden. Im Bayerischen Wald sei es nach dem Rückbau von drei Kleinwasserkraftwerken allerdings gelungen, den 17 Kilometer langen Fluss wieder komplett frei fließen zu lassen. Die Fischbestände hätten sich seither erholt. Daher die Forderung, „für jeden Fließgewässertyp in Bayern einen Referenzfluss beziehungsweise -flussabschnitt zu bestimmen, welcher bis 2030 komplett durchgängig und möglichst frei von Querbauwerken sein soll“.

Außerdem wollen die Verbände erreichen, dass „im Zuge der Renaturierung der Fließgewässer die Gewässer und ihre Ufer durch die Bevölkerung naturverträglich nutzbar und erlebbar“ gemacht werden. „Wohnortnahe Erholungsräume im und am Fluss machen den Wert naturnaher Flüsse für jeden individuell erfahrbar und reduzieren klimaschädliche Mobilität zu weiter entfernten Erholungsgebieten.“

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