Dobrindt (CSU) und Kauder (CDU) demonstrieren Einigkeit der Schwesterparteien

Wahlkampf im Bierzelt

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Volker Kauder spricht und Alexander Dobrindt applaudiert im Publikum.

Weilheim/Landkreis – Als ob es nie einen Streit zwischen den Unions-Schwesterparteien gegeben hätte: In inniger Eintracht und zu Klängen des bayerischen Defiliermarsches zogen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und CDU/CSU-Bundestagsfraktionschef Volker Kauder zu ihrem Wahlkampfauftritt ins Weilheimer Volksfestzelt ein.

Auch inhaltlich zogen die beiden Spitzenpolitiker an einem Strang: Technologischer und digitaler Fortschritt würden Wohlstand und Perspektiven für nachkommende Generationen ermöglichen, lautete ihr Credo.

Organisiert hatte die Wahlkampfveranstaltung der Weilheimer CSU-Ortsverband. Dessen Vorsitzender Frank Dittmann konstatierte in seinen Grußworten, dass die „Aktivitäten“ der CSU bei der politischen Konkurrenz in der Kreisstadt für Unruhe gesorgt hätten: „Da kann ich nur sagen: Organisiert doch selber etwas. Wir lamentieren nicht. Wir können Politik – und wir können Bierzelt.“ Letzteres wirkte angesichts des mit rund 300 Besuchern eher spärlich besetzten Festzelts arg selbstbewusst. Doch Dittmann reihte sich damit in die Wahlkampf-Rhetorik der beiden Hauptredner ein.

Dobrindt geißelte „die grünen und linken Verhinderer“: „Die Grünen wollen lieber Rikschas statt automatisiertes Fahren“, so der Bundesminister. Während „Rot-Rot-Grün“ für Umverteilung stehe, präsentiere die Union Konzepte, die den Wohlstand im Land sichern würden. Dobrindt hielt Lobeshymnen auf den Gastredner aus Baden-Württemberg. Kauder sei nicht nur sein „persönlicher Freund“, sondern Ehrenmitglied der CSU: „Er hat auch in schwierigen Zeiten zu uns gehalten – ich meine die Maut“, sagte Dobrindt augenzwinkernd – und direkt an Kauder gerichtet: „Wenn es dir in Baden-Württemberg zu grün wird, dann bist du in Bayern herzlich willkommen.“

Kauder wiederum bekundete, sich im Freistaat „sauwohl“ zu fühlen. Der Chef der Bundestagsfraktion rühmte Bayern als „absolute Nummer eins“ unter den Bundesländern. Vor allem die Bildungs- und Sicherheitspolitik sei beispielgebend: „Es ist kein Zufall, dass der rumänische Verbrecherring von Bayern aus aufgedeckt wurde.“ Kauder hob die Bedeutung einer guten Wirtschaftspolitik hervor: „Sozialgerecht ist, was Arbeitsplätze schafft“ –, und sprach über „ernüchternde Erkenntnisse“ im Bereich des weltpolitischen Geschehens. Auf US-Präsident Donald Trump könne man als verlässlichen Partner nicht setzen, Deutschland und Europa müssten ihr Schicksal deshalb künftig in die eigenen Hände nehmen. Kauder kündigte eine „intensive Zusammenarbeit mit Frankreich als Achse in Europa“ an: „Das wird gelingen. Da bin ich mir ganz sicher“, so Kauder.

Kein explizites Thema in den Reden von Kauder und Dobrindt war die Flüchtlingskrise. Der Minister sprach zwar von „Leitkultur“ und „christlich geprägter Heimat“, nicht aber über die von der CSU lange Zeit mantramäßig geforderte „Obergrenze“. In Wahlkampfzeiten haben sich die Unions-Schwesterparteien eben wieder lieb.

Von Bernhard Jepsen

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