Drähte laufen in Rosenheim zusammen

In der Polizeidirektion (PD) Weilheim stehen die Zeichen auf Abschied. Schreibtische werden leer geräumt, Bilder abgehängt und neue Telefonnummern ausgetauscht. Nach über 29 Jahren geht hier zum 31. Dezember die Ära der Einsatzzentrale offiziell zu Ende. Von der Bevölkerung wird dieser Wechsel jedoch kaum wahrgenommen. „An der Basis und für die Bürger ändert sich nichts. Alle Inspektionen bleiben erhalten“, begründet dies Polizeidirektor Günter Hackenberg.

Wie es die Strukturreform der bayerischen Polizei vorsieht, laufen ab dem 1. Januar 2009 für das südliche Oberbayern die Fäden im Polizeipräsidium Oberbayern Süd mit Sitz in Rosenheim zusammen. Das bisherige Präsidium in München sowie alle sieben PDs, darunter auch die mit 50 Mitarbeitern besetzte Dienststelle in Weilheim, werden aufgelöst. Von Rosenheim aus werden künftig alle Notrufe und Einsätze im neuen Schutzbereich koordiniert. „Zentrale Einsatzsteuerung bei dezentraler Einsatzbewältigung“ nennt dies Hackenberg. Während der ehemalige Weilheimer Polizeidirektor beruflich nach Kempten ins Polizeipräsidium wechselt, wird der Weilheimer PD-Pressesprecher Klaus Schürgers ab Januar mit weiteren Kollegen nach Rosenheim oder zu anderen Standorten pendeln. Die drei Polizeinspektionen im Landkreis in Weilheim, Penzberg und Schongau sowie die operativen Einsatzgruppen, wie der Kriminaldauerdienst, bleiben vollständig erhalten und sollen teilweise mit mehr Aufgaben und Kompetenzen ausgestattet werden. Dies berichtete Richard Gröger, der zum neuen Leiter des Präsidialbüros Oberbayern Süd in Rosenheim bestellt worden ist, bei einem Informationsbesuch in Weilheim. Wenn die PD ihre Büros am Meisteranger in Weilheim verlässt, werden diese nicht leer stehen. Die vor Ort bleibenden Polizeikollegen haben längst ihren Bedarf angemeldet. 29 Jahre Polizeidirektion in Weilheim Nächstes Jahr hätte die Weilheimer PD, die am 20. September 1979 mit einem Festakt im Stadttheater aus der Taufe gehoben wurde, ihr 30-Jähriges gefeiert. Pressesprecher Klaus Schürgers hat wichtige Stationen dieses Weges zusammengefasst. Anfangs waren die PD und die Weilheimer Polizeidienststellen auf mehrere Anwesen verstreut. Zehn Jahre nach ihrer Gründung bezog die PD am 29. September 1989 den 19 Mio. Mark teuren Neubau am Meisteranger. Innenminister Dr. Edmund Stoiber hatte dabei an den damaligen Polizeidirektor Manfred Kulisch höchst persönlich die Schlüssel übergeben. Der Weilheimer PD waren alle Fachsparten der Polizei, von der Fahndung bis zur Verkehrspolizei, von der Kripo bis zu den Hundeführern, unterstellt; ihre Einsatzzentrale war rund um die Uhr besetzt. Zuletzt sorgten 584 PolizeibeamtInnen und 92 Tarifbeschäftigte in den drei Landkreisen Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz-Wolfratshausen für die Sicherheit von 338000 Einwohnern. Mit über 3000 Quadratkilometern, ist Schürgers Bericht zu entnehmen, war die PD Weilheim flächenmäßig die zweitgrößte oberbayerische Direktion und im Vergleich sogar „beträchtlich größer als das Saarland“. In ihrer knapp 30-jährigen Präsenz hat die PD in ihrem Schutzbereich erfolgreiche Arbeit geleistet. Dies spiegelt sich in der Aufklärungsquote wider, die in dieser Zeit von 45 auf fast 62 Prozent gestiegen ist. Gurt-, Geschwindigkeits- und Alkoholkontrollen, heißt es in Schürgers Rückblick, hätten dazu beigetragen, dass es weniger Verletzte und Tote auf den Straßen zu beklagen gab. Nicht nur auf dem Land, auch zu Wasser – auf dem Walchen- und Staffelsee – schauten die Beamten mit zwei Polizeibooten nach dem Rechten. Von 1995 bis 2007 leitete Dietmar Valentin die Geschicke der PD Weilheim. In diese Zeitspanne fällt die Integration der Bayerischen Grenzpolizei. So genannte Schleierfahnder legten entlang der 127 Kilometer langen Grenze zu Österreich und an sechs Grenzübergängen ihr Augenmerk auf die Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität. Als Günter Hackenberg im Juni 2007 von seinem Vorgänger Valentin die Leitung der PD Weilheim übernahm, war die Polizeireform längst in aller Munde. Für Hackenberg kommt es deshalb nicht überraschend, dass er am morgigen Mittwoch, 31. Dezember, die PD in Weilheim symbolisch zusperren und den Schlüssel an das neue Regionalpäsidium Oberbayern Süd übergeben wird.

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