Einblick in eine andere Welt

Ehrenamtsprojekt SprachPaten: Mit Deutschlernen den Horizont erweitern

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Die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses Eva Kaletsch-Lang freut sich über alle, die sich ehrenamtlich bei den SprachPaten engagieren – so wie Wolfgang Dieter Sikor.

Weilheim – „Ohne die Treffen wäre ich ärmer.“ Wolfgang Dieter Sikor ist SprachPate beim Mehrgenerationenhaus Weilheim und trifft sich regelmäßig mit Menschen, die ihr Deutsch verbessern möchten. Doch bewirkt das Projekt noch viel mehr.

„Die Sprache ist nur die Aufhängung“, erzählt Sikor. „Aber es geht noch viel weiter.“ Lebens- und Alltagshilfe, Kulturaustausch, Freunde finden. Das Ehrenamtsprojekt „SprachPaten“ der Caritas ist kein klassischer Deutschkurs. Von denen scheint Sikor sowieso nicht allzu viel zu halten. Der Grund: „Die Sprachprüfungen sind unzumutbar.“ Was da verlangt werde, könnten häufig nicht mal erwachsene Deutsche leisten. „Das Sprach- und Sachniveau ist viel zu hoch. Das meiste davon brauchen die gar nicht.“ Eva Kaletsch-Lang, Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses, stimmt dem zu: „Herr Sikor ist pensionierter Lehrer – er weiß also wovon er spricht.“ Deshalb geht es bei dem Ehrenamtsprojekt nicht um Vokabeln pauken oder Grammatikregeln auswendig lernen. Man wolle sich bewusst vom Deutschkurs abgrenzen, meint Kaletsch-Lang. Vielmehr ist bei den SprachPaten Alltagssprache gefragt. Der 79-jährige Sikor trifft sich mit seinen Schützlingen, drei sind es derzeit, jeweils einmal die Woche. Einzeln. Über was man die nächsten ein bis eineinhalb Stunden redet, bleibt den Gesprächspartnern selbst überlassen. Man muss sich auch nicht unbedingt drinnen, zum Beispiel im Mehrgenerationenhaus, treffen. „Wir hatten auch schon welche, die sind zusammen Erdbeerpflücken gegangen oder haben brasilianisch gekocht“, berichtet Kaletsch-Lang. Sikor hat es mit seinen Schützlingen unter anderem schon in eine Kirche und ein Museum getrieben. „Das ist anregend für sie und mich.“

Die lockere Atmosphäre scheint viel Vertrauen für offene Gespräche zu schaffen. „In meinem ganzen Leben habe ich nicht so viel über andere Länder erfahren, wie in meiner Zeit als SprachPate.“ Es würden sich ihm immer wieder neue Kulturkreise erschließen. Die Menschen, die ihr Deutsch verbessern möchten, kommen aus den unterschiedlichsten Ländern: Kolumbien, Russland, Tschechien. Geflüchtete nehmen das Angebot ebenso wahr. Dabei erfahre der 79-Jährige einiges über die Schicksale der Menschen. „Das ist sehr berührend, aber auch interessant.“ Dass sich dabei immer wieder Freundschaften bilden, wundert nicht.

Das Ehrenamtsprojekt scheint für alle Beteiligten eine Bereicherung zu sein. Kaletsch-Lang freut sich deshalb immer über neue Gesichter bei den Ehrenamtlichen. Einzige Voraussetzungen: Offenheit für Menschen aus anderen Ländern und Kulturen sowie etwa zwei Stunden pro Woche Zeit. Dabei ist die Projektdauer zeitlich begrenzt. Zehn Wochen lang treffen sich die SprachPaten mit ihren Schützlingen. Zu Beginn gibt es einen Matching-Termin. Schließlich soll es ja auch menschlich passen. Zwischendurch treffen sich die SprachPaten regelmäßig zum gegenseitigen Austausch. „Diese Plattform ist für die Ehrenamtlichen sehr wichtig“, ist sich Sikor sicher.

Bei Fragen und Interesse steht Kaletsch-Lang unter Tel. 0881/909590-14 oder per E-Mail mehrgenerationenhaus@caritas-wm-sog.de zur Verfügung. Sikor selbst hat viel Freude an seinem Ehrenamt: „So lange ich kann, mache ich‘s gerne weiter.“

Von Stephanie Novy

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