Kreisboten-Serie: Ehrenamt ‒ Die Helfer im Verborgenen

Ein Leben für das THW: Ein Engagierter aus Weilheim berichtet

Alexander Kunz vor einem Einsatzwagen.
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Alexander Kunz ist beim THW sowohl ehrenamtlich als auch beruflich engagiert.
  • Ursula Gallmetzer
    vonUrsula Gallmetzer
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Weilheim – Bei Katastrophen rückt das Technische Hilfswerk (THW) an. Die Mitglieder leisten aber noch viel mehr – oft nahezu unbemerkt von der Gesellschaft. Ein Ehrenamtlicher aus Weilheim gibt Einblicke in sein Leben.

Es war 1981, als Alexander Kunz eigentlich seinen Wehrdienst antreten wollte. Doch für die Bundeswehr wurde er zurückgestellt und ein Freund nahm ihn zum THW mit. Damals gab es die Möglichkeit, sich als Ersatz für die Wehrpflicht zehn Jahre dort zu engagieren. „Und dann bin ich hier hängen geblieben“, erinnert sich der 59-Jährige und lacht.

Nach der Grundausbildung bekam Kunz immer mehr Verantwortung: als Gruppenführer, Zugführer und Fachberater. Denn als der gelernte Schreiner nach einem Bandscheibenvorfall nicht mehr als Trockenbauer arbeiten konnte, ergab sich für ihn 2013 die Möglichkeit, auch beruflich beim THW einzusteigen. Nun ist er also doppelt im Dienst. „Im Landesverband bin ich in der Verwaltung fest angestellt und habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, erklärt der gebürtige Weilheimer. Derzeit muss er nur zweimal wöchentlich nach München fahren, den Rest kann er im Homeoffice erledigen. Ist die Arbeit getan, stehen dann aber die vielen zusätzlichen ehrenamtlichen Aufgaben beim THW an.

„Zwischen 400 und 500 Stunden im Jahr kommen da bei mir zusammen“, sagt Kunz bescheiden. Denn das THW ist für ihn sein Lebensinhalt. Er ist nicht nur in der Ausbildung des Nachwuchses und bei Außeneinsätzen aktiv, sondern berät auch bei Katastrophen im Landratsamt als Mitglied des Krisenstabs. „Andere gehen zum Fußballtraining oder spielen Tischtennis, ich hab das THW“, kann sich der Vater von vier Söhnen kein Leben ohne sein Ehrenamt vorstellen.

„Die Einsätze sind sehr abwechslungsreich“, berichtet er aus seinen vielen Jahren als Helfer. Hochwasser, Explosionen, Feuer, Schneechaos, ausgelaufenes Öl oder der Aufbau von Flüchtlingsunterkünften: Die Möglichkeiten, wie das THW helfen kann, sind unglaublich breit gefächert. Die Weilheimer sind in der Region die einzigen Helfer mit einer „Fachgruppe Räumen“ und einem Bagger und kommen auch daher oft in anderen Landkreisen zum Einsatz. „Wir unterstützen dann die Feuerwehren mit unseren Großgeräten“, sagt Kunz und lobt die stets gute Zusammenarbeit.

Pandemie macht sich bemerkbar

Derzeit beschäftigt auch die Pandemie die Mitglieder des Weilheimer THWs, das derzeit knapp 50 einsatzberechtigte Mitglieder aus dem gesamten Landkreis vorweisen kann. Seit Beginn der Corona-Krise sind bei dem Ortsverband Weilheim dafür schon circa 6 000 Einsatzstunden zusammengekommen, zum Beispiel bei Transportfahrten für das Landratsamt Weilheim oder beim Aufbau des großen Weilheimer Testzentrums.

„Es ist einfach schön, wenn man anderen helfen kann“, fasst Kunz zusammen. „Wenn die Leute dankbar sind, ist es ein gutes Gefühl.“ Dankbar ist aber auch er selbst und zwar gegenüber seiner Familie. „Manchmal ist es einfach blöd, wenn man alles stehen und liegen lässt, um zum Einsatz zu fahren, aber meine Frau unterstützt mich immer und das seit vielen Jahren“, lobt er die Geduld seiner Gattin. Auch einer der Söhne ist inzwischen selbst beim THW, ein anderer bei der Feuerwehr. „Uns war es wichtig, dass die Buam sich auch engagieren“, sagt Kunz und empfiehlt das auch jedem anderen Menschen. Freuen würde er sich, wenn er neue Mitglieder begrüßen könnte. Egal welches Geschlecht: „Bei uns kann jeder ab 12 Jahren mitmachen. Nach oben gibt es keine Altersgrenze.“

Manchmal braucht Kunz dann aber doch eine kurze Auszeit. Dann geht er mit seinem Hund Gassi oder schaut Fußball. Er ist Bayern-Fan und freut sich trotz der derzeitigen Einschränkungen auf die anstehende Europameisterschaft: „Ich wäre zwar auch lieber auf dem Marienplatz zum Anfeuern, aber dann drück ich halt auf dem Sofa die Daumen.“

Ehrenamtliche gesucht

In diesem Jahr will der Kreisbote den Ehrenamtlichen Platz geben. Einmal pro Monat erscheint ein Porträt eines Menschen, der sich besonders engagiert. Sie kennen eine solche Person? Gerne können Sie uns Ihre Vorschläge unter redaktion-wm@kreisbote.de schicken.

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