Keine Sonderwurst

Einführung Gutscheinsystem: Murnau muss Pläne noch einmal überdenken

Symbolfoto: Schiefertafe mit dem Wort Gutschein darauf.
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Über ein Gutscheinsystem für die Innenstadt diskutierte jüngst der Murnauer Hauptverwaltungsausschuss.
  • vonAntonia Reindl
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Murnau – In Murnau sollte ein Gutscheinsystem eingeführt werden, also zumindest zog man das in Erwägung. Nun aber musste die Verwaltung feststellen, dass die Zugspitzregion, die man mit ins Boot holen wollte, bereits mit einem anderen System liebäugelt. Darüber, dass die alten Pläne quasi über Bord gegangen sind, informierte Kämmerer Josef Brückner nun den Hauptverwaltungsausschuss.

Nein, Event- oder Abenteuergutscheine möchte man nicht in die Marktgemeinde holen. Das betont Kämmerer Josef Brückner mit Nachdruck. Vielmehr gehe es um einen Universalgutschein, der sich in mehreren Murnauer Geschäften einlösen lassen soll. Angebote für digitale Gutscheinsysteme hat der Kämmerer für dieses Unterfangen auch schon eingeholt, bei drei Anbietern, die einiges gemeinsam haben. Sie alle bieten die Möglichkeit, das gesamte System abzuwickeln, die Guthaben werden nicht von der Firma vereinnahmt, sondern liegen auf einem Treuhandkonto und jeder bietet eine Händler- und Anwender-App sowie Schnittstellen zu gängigen Kassensystemen.

Als Betreiber des Systems würde eine lokale Genossenschaft, eine GmbH oder eine örtliche Wirtschaftsvereinigung agieren. „Der Verein zur Wirtschaftsförderung hat schon eine gewisse Bereitschaft signalisiert“, so der Kämmerer. Was die Finanzierung anbelangt, so „muss das System grundsätzlich von den angeschlossenen Händlern finanziert werden“, so Brückner.

Überlegungen, die nun aber alle überholt scheinen. Denn laut Brückner denke die Zugspitzregion über die Einführung eines Gutschein- und Bonussystems auf Landkreisebene nach. „Es gibt Überlegungen, sich der Standortmarketinggesellschaft Miesbach anzuschließen“, berichtet der Kämmerer. Dabei werde das Ziel verfolgt, eine Oberland-Card mit Einkaufsoptionen in drei Landkreisen zu entwickeln.

Umfrage angeregt

Die Frage, die sich laut Brückner nun stelle: „Was macht der Markt Murnau?“ Würde sich die Gemeinde für ein eigenes System entscheiden, so wäre dieses nicht mit anderen Systemen kompatibel, gibt der Kämmerer zu bedenken. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) blickt kritisch drein. „Ich würde davon abraten, eine Murnauer Sonderwurst zu braten“, so der Rathauschef. Dieses Grillgut möchte auch Veronika Jones (Grüne) nicht, sie spricht sich gegen ein „Parallelsystem“ aus und betont, dass es sinnvoll wäre, Umfragen zu machen. Das System müsse schließlich von Händlern und Kunden angenommen werden. Der Gedanke, dass mit dem Gutscheinsystem die Wertschöpfung in der Region bleibe, behagt der Grünen aber.

„Am Ende entscheidet der Verbraucher“, meint Wolfgang Köglmayr (Mehr Bewegen), Referent für Gewerbe, Märkte und Wirtschaft, und muss ein wenig schmunzeln, dass sich am Jahresende nicht selten hohe Beträge an nicht eingelösten Gutscheinen anhäufen. Auch Fraktionskollege Phillip Zoepf blickt auf den Verbraucher und appelliert, „dass man wirklich, wirklich gut Werbung macht“. Welf Probst (FWG) scheint derweil ganz glücklich mit der neusten Entwicklung. „Es ist eine tolle Geschichte, weil es die Zugspitzregion weiterbringt und Murnau weniger Arbeit hat“, lächelt er, der auf Zoepfs Appell eingeht, wenn er sagt, dass es wichtig sei, „dass die Leute auch mitmachen“. Zwei nebeneinander laufende Systeme möchte auch Rudolf Utzschneider (CSU) nicht und glaubt, dass man bei der Zugspitzregion „gut aufgehoben“ wäre.

Das Gremium nimmt Brückners Informationen schließlich zur Kenntnis. In der nichtöffentlichen Sitzung dürfte sich der Hauptverwaltungsausschuss wohl aber erneut mit der Thematik beschäftigen. Denn als Jones wissen will, wie es weitergehen soll, schlägt der Kämmerer vor, im nichtöffentlichen Teil weiter zu diskutieren, „damit Sie sich auch vorstellen können, was das für Preise sind“, so Brückner, der im öffentlichen Teil kein Wort über die Kosten verliert.


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