Am 5. Oktober war es endlich soweit. 

Einweihung Hof Hohenwart 

Gruppenfoto von Mitarbeitern, Heimbeirat, geladenen Gästen und Bewohnern.
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Nach dem Gruppenfoto im schön gestalteten Außenbereich ging es für die Teilnehmer zum abschließenden gemeinsamen Weißwurstfrühstück.

Peiting – Nach umfassender zweijähriger Umbauzeit war es für Josef Demmler, den Einrichtungsleiter des in Peiting beheimateten Wohnheims für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung Hof Hohenwart e.V. „ein großes Bedürfnis, die Räumlichkeiten nun endlich offiziell einzuweihen und segnen zu lassen“.

Aus einer Elterninitiative entstanden, gibt es den Trägerverein Hof Hohenwart e.V. bereits seit dem Jahr 1979. Die dem Vorstand schon drei Jahrzehnte angehörende 1. Vorsitzende Christa Klarmann war auch schon dabei, als das in U-Form errichtete Anwesen, das einmal ein Bauernhof war, nach dem Umbau zum Wohnheim im September 1986 erstmals offiziell eingeweiht wurde.

Damals wie heute werden in der Einrichtung Wohnmöglichkeiten für behinderte Menschen angeboten. Mit individueller pädagogischer Unterstützung soll den Bewohnern eine möglichst eigenständige Lebensführung ermöglicht werden. Zum Gelingen tragen 25 im Haus arbeitende Mitarbeiter bei. Größtenteils sind dies Betreuungskräfte mit der Ausbildung Erzieher oder Heilerziehungspfleger. Aber auch Hauswirtschafts- und Reinigungskräfte, Hausmeister und die Verwaltung zählen dazu. Josef Demmler leitet seit 2014 das Haus. Der Umbau war hauptsächlich deshalb notwendig geworden, weil die Bewohner immer älter werden. Teilweise gibt es Mobilitätseinschränkungen, die ein Pflegebad und einen Aufzug erforderlich werden ließen.

Pfarrerin Brigitte Weggel und Pastoralreferent Simeon Stanek segneten das umgebaute Wohnheim im Beisein von Mitarbeitern, Heimbeirat und geladenen Gästen. Sowohl Einrichtungsleiter Josef Demmler als auch die 1. Vorsitzende Trägervereins Christa Klarmann und Schatzmeisterin der Gabriele Zenker (von rechts nach links) nahmen die Segnung gerne an. Pfarrerin Weggel lobte die „eigene Atmosphäre hier im Haus“.

Die Gäste

Der Einladung zur Einweihung waren allen voran Bürgermeister Peter Ostenrieder sowie Matthias Schamper und Gabrielle Anderl vom beauftragten Architekturbüro plan 3 architekten aus Schongau, Reiner Teuchert von der VS planen+beraten GbR sowie Harald Haberstock und Stephan Mörle von der Firma Haberstock aus Peiting gefolgt. Von Seiten der Kirchen waren Pfarrerin Brigitte Weggel und vom Katholischen Pfarramt St. Michael Pastoralreferent Simeon Stanek in das nördlich von Peiting gelegene Wohnheim gekommen, um es zu segnen. Bereits bei der Begrüßung wurde strickt auf die Einhaltung sogenannten 3G-Regel geachtet.

Es herrschte ausgelassene Stimmung bei der Einweihung des umgebauten Wohnheims. Neben den Reden und der Führung durchs Haus blieb für alle Beteiligten, wie hier im Wintergarten für Pastoralreferent Simeon Stanek genug Zeit, um mit der 1. Vorsitzenden des Trägervereins Christa Klarmann, Schatzmeisterin Gabriele Zenker sowie deren im Wohnheim lebenden Tochter Elisabeth (von rechts nach links) ins Gespräch zu kommen.

Bereichernde Atmosphäre 

Peter Ostenrieder erinnerte in seiner Rede an die Anfänge des Wohnheims im Jahr 1986 und auch daran, dass zwischendurch „baulich in der Zeit immer wieder was passiert“ sei. Mit Bezugnahme auf den sehr umfassenden aktuellen Umbau bezeichnete er das Wohnheim als „Bereicherung für den ganzen Markt Peiting“. Und Pfarrerin Weggel gestand bei der Segnung mit den Worten „Ihr habt Eure eigene Atmosphäre hier im Haus“ ein, dass das Wohnheim zweifelsohne ein Wohlfühlort für dessen Bewohner als auch für die darin verweilenden Besucher ist.

Für die 1. Vorsitzende des Trägervereins Hof Hohenwart e. V. Christa Klarmann und Bürgermeister Peter Ostenrieder dürfte die Einweihung des Wohnheims nicht die letzte Begegnung bleiben

Profunder Umbau

Schon im Dezember 2016 seien die Planungen für den Umbau losgegangen, berichtete Josef Demmler. Er selbst wie auch der Vorstand hätten damals aber nicht angenommen, dass dieser so umfangreich ausfallen würde. „War doch zuerst nur ein einziges Pflegebad geplant“, stellte der 36jährige Einrichtungsleiter bei seiner Ansprache schmunzelnd fest. Letztlich aber resümierte er, dass man in den inzwischen vergangenen fünf Jahren unbenommen vieles richtig gemacht habe, auch wenn für den Umbau Kosten in Höhe von 2,5 Millionen entstanden seien. Zu guter Letzt bedankte sich Demmler nochmals ausdrücklich bei den Bewohnern für deren in Kauf genommene Entbehrungen während der Umbauarbeiten. Als während den größten Arbeiten auch noch Corona hinzugekommen sei und die Werkstätten der Herzogsägmühle zugemacht hätten, hatte diese „den ganzen Lärm und Dreck von früh bis spät“ ertragen müssen. Auch Architekt Matthias Schamper konnte einiges über die Baumaßnahmen berichten. Auch davon, dass Bauen im Außenbereich immer „ein heikles Thema“ ist. Neben einer Verlängerung des Wohnbereichs um über fünf Meter nach Osten, also der abgewandten Seite zur Straße hin hatte man im Herbst 2019 das ganze Dach abgenommen und das Dachgeschoss hernach um 1,20 Meter erhöht. Letztes Jahr war der Umbau des Ober- und des Erdgeschosses gefolgt.

Aufgrund der umfänglichen Aktivitäten mussten zwischenzeitig sechs Bewohner in Containern untergebracht werden. Diese wiederum waren nicht so ohne weiteres verfügbar und mussten erst einmal beschafft werden. All das habe mit viel Initiative stattgefunden und „von allen Beteiligten sehr viel Engagement“ gefordert, stellte Schamper anerkennend fest. Zu guter Letzt stellte er von Seiten seines Architekturbüros sehr zum Gefallen von Christa Klarmann noch eine Spende für die Einrichtung in Aussicht.

Der langjährige Heimmitarbeiter Uwe Hoßbach (rechts) erläuterte beim Rundgang unter anderem Matthias Schamper (links) die Funktion des neuen Pflegebads.

Vorzeigeeinrichtung

Bereits vor über drei Jahrzehnten konnte Hof Hohenwart neue Maßstäbe setzen. Mit dem aktuellen Umbau ist dem Wohnheim erneut eine Vorreiterrolle im Wohnen für Menschen mit Behinderung zuteil geworden. Bestätigt wurde dies auch durch die Heimaufsicht, die das Haus im letzten Prüfbericht als „Vorzeigeeinrichtung im Landkreis“ beschrieben hat.

In dem Wohnheim gibt es ausschließlich gut ausgestattete Einzelzimmer. Auch wenn die Anzahl der Bewohner von früher 22 um zwei auf jetzt 24 gestiegen ist, wurden neben den Gemeinschaftsbereichen auch die Zimmer vergrößert. Gleiches gilt für die in allen drei Wohneinheiten vorhandenen Küchen und Wohnzimmer. Diese sind lichtdurchflutet offen und modern gestaltet. Jede der Wohneinheiten hat ein eigenes Konzept. Bei den sechs Bewohnern im Dachgeschoß liegt der Grundgedanke auf Selbstständigkeit. Früher gab es dort gerade einmal zwei Zimmer, aufgrund der Dacherhöhung sind inzwischen besagte sechs bemerkenswert schöne Zimmer mit individuellen Balkonen entstanden. Im 1. Obergeschoss bedürfen die acht Bewohner schon etwas mehr Hilfe. Im Erdgeschoss fällt diese noch intensiver und damit einhergehend zeitaufwendiger und personalintensiver aus. Etwa die Hälfte der Bewohner lebt schon die ganzen 35 Jahre seit der Gründung des Wohnheims dort. Das Durchschnittsalter liegt bei etwas über 40 Jahren, wenngleich der älteste Bewohner gerade einmal 57 Jahre alt ist, der jüngste ist 20 Jahre alt. Durchaus interessant ist auch, dass die Heimbewohner alle vier Jahre aus ihrer Mitte einen vierköpfigen Heimbeirat wählen. Aktuell sind dies Linda, Claudia, Elisabeth und Heribert. Sie alle waren mit viel Herzblut bei der Einweihung dabei und stellten sich gerne den Fragen der Gäste.

Ab nächstem Jahr wird es als Entlastungsangebot für die Eltern auch die Möglichkeit des Kurzzeitwohnens für einen weiteren Menschen mit Behinderung geben. Außerdem soll weiterhin mit drei ambulanten Plätzen eine bedarfsorientierte Unterstützung erfolgen.

Die 21-jährige Linda wohnt im 2. Obergeschoß, in dem das Konzept auf Selbstständigkeit ausgerichtet ist. Hier wird nicht nur gemeinsam gegessen, sondern die Mahlzeiten gemeinsam hergerichtet. Weiterhin sind wechselweise Aufgaben wahrzunehmen, wie zum Beispiel der Tischdienst.

Leitbild

Im Leitbild von Hof Hohenwart ist hervorgehoben, dass man ein eigenständiges Wohnheim ist, das unabhängig und zielorientiert erwachsene Menschen mit Behinderung im selbstbestimmten Leben unterstützt und diese Eigenständigkeit auch wahren möchte. Als wesentliches Ziel steht die Förderung von Inklusion durch die gezielte Teilnahme an verschiedensten Veranstaltungen und das gemeinsame Miteinander in den umliegenden Gemeinden ebenfalls ganz vorn an.

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