»Wir bluten aus«

Einzelhändler übergeben Resolution an Wirtschaftsminister Aiwanger

Die Resolution übergaben die Innenstadt-Vertreter Wolfgang Fischer (München), Thomas Grasegger (Garmisch-Partenkirchen), Monika Uhl (Penzberg), Florian Lipp (Weilheim) und Ludwig Schmid (Geretsried) an Hubert Aiwanger.
+
Die Resolution übergaben die Innenstadt-Vertreter v.li.: Wolfgang Fischer (München), Thomas Grasegger (Garmisch-Partenkirchen), Monika Uhl (Penzberg), Florian Lipp (Weilheim) und Ludwig Schmid (Geretsried) an Hubert Aiwanger (2. v. re.).
  • vonStephanie Novy
    schließen

Region/München – Wenige Stunden bevor Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise berieten, erklärte sich der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger mit dem Einzelhandel solidarisch. „Wir müssen die Läden so schnell wie möglich öffnen“, sagte Aiwanger, als er jene Resolution entgegennahm, die etwa eine Woche zuvor 28 bayerische Innenstadtinitiativen auf Anregung des Penzberger Vereins „Pro Innenstadt“ verabschiedet hatten.

„Es tut gut, mit dem bayerischen Wirtschaftsminister in dieser für den Handel so katastrophalen Lage einen Fürsprecher an der Seite zu haben“, sagt Monika Uhl, Vorsitzende „Pro Innenstadt“ und Initiatorin der Resolution. Sie überreichte Aiwanger die Resolution, in der unter anderem ein Sonderfonds für die Belebung der Innenstädte und eine Verdoppelung der bisher vier verkaufsoffenen Sonntage gefordert wird, und erklärte: „Tausende von Arbeitsplätzen sind in Gefahr und den Innenstädten droht die Verödung.“ Wenn nämlich der traditionelle Einzelhandel ausblute, „sterben die Zentren und verlieren ihre wichtige Funktion als Begegnungsstätte sowie als Mittelpunkt der Städte und Gemeinden“. Und damit ginge auch ein Stück europäisches Kulturgut verloren. Dies sieht auch Aiwanger so: „Die Innenstädte mit Einzelhandel und Gastronomie stehen für die hohe Lebensqualität in unseren Städten und Kommunen. Nach einem Jahr Corona stehen viele Immobilien leer und viele traditionsreiche Geschäfte mussten aufgeben. Die Lage der noch verbliebenen Innenstadthändler wird immer prekärer. Wenn die Läden nicht bald wieder öffnen können, werden viele für immer geschlossen bleiben.“

Florian Lipp, Inhaber des ältesten bayerischen Kaufhauses und Vorsitzender des Vereins für Standortförderung Weilheim, appellierte darüber hinaus an den Wirtschaftsminister, die nun bis Ende März geltenden Regelungen nicht zu einem „Bürokratiemonster“ ausufern zu lassen. Vor allem kritisierte Lipp, die im Rahmen der Lockerungen vorgesehenen Terminvereinbarungen für den Einkauf im Einzelhandel: „Das ist absolut unrealistisch, für die Kunden ebenso wie für uns Geschäftsleute.“ In den von der Politik hierbei vorgesehenen Zeitfenstern sei kein Einkauf möglich: „Was mache ich denn mit einem Kunden, der eine Hose kauft, dann aber noch ein Sakko anprobieren möchte?“, fragte Lipp und gab sogleich die Antwort: „Den muss ich dann bitten, den Laden zu verlassen, weil sein Zeitfenster abgelaufen ist.“ Eine Sorge, die Aiwanger durchaus versteht, zumal für ihn die unmittelbare Konsequenz auf der Hand liegt: „Bevor einer mit der Stechuhr zum Einkaufen geht, bestellt er im Internet.“

Der gegenwärtige Lockdown hat nach Ansicht von Thomas Grasegger aber nicht nur verheerende Folgen für den Einzelhandel und die Innenstädte, er bedrohe auch einen gesamten Industriezweig. Der Inhaber eines Trachtenhauses in Garmisch-Partenkirchen erinnerte an seine Lieferanten in der Oberpfalz und die Nähereien in Osteuropa, die finanzielle Einbußen von bis 80 Prozent hinnehmen müssten.

So weit mag Aiwanger noch nicht denken, ihm geht es darum, solch weit reichende Folgen der Pandemie mit den entsprechenden Maßnahmen gar nicht erst entstehen zu lassen: „Wir müssen die Läden jetzt wieder öffnen, sonst können wir in den Innenstädten die Schotten dicht machen“, betont er.

Von Kreisbote

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus Ihrer Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Weilheim-Schongau auch auf Facebook.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Amtsgericht Weilheim: Schülerin muss keine Maske tragen
Amtsgericht Weilheim: Schülerin muss keine Maske tragen
Forum Westtorhalle sagt Kultur-Kundgebung in Murnau ab
Forum Westtorhalle sagt Kultur-Kundgebung in Murnau ab
Gesuchter Mietnomade in Peißenberg festgenommen
Gesuchter Mietnomade in Peißenberg festgenommen
Neues Corona-Schnelltestzentrum in Oderding
Neues Corona-Schnelltestzentrum in Oderding

Kommentare