Eiskeller im Murnauer Seidlpark zeigt, wie früher Speisen und Getränke gekühlt wurden

Ein Kühlschrank wird zum Denkmal

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Dieter Wieland, renommierter Dokumentarfilmer des Bayerischen Rundfunks und Ehrenvorsitzender des Förderkreises der Murnauer Parklandschaft, erläutert im Eiskeller die Geschichte des Gebäudes und seine Nutzung.

Murnau – Einen Kühlschrank oder eine Gefriertruhe im Haus zu haben ist heute eine Selbstverständlichkeit.

Doch auch schon vor Erfindung der modernen Kühltechnik durch Carl von Linde Ende des 19. Jahrhunderts lösten Brauer, Gastronomen und andere Lebensmittel verarbeitende Betriebe die Aufgabe, ihre Produkte durch Kühlung haltbar zu machen. Der lange Zeit vor sich hin schlummernde Eiskeller im Seidlpark ist ein Beispiel dafür. Der Förderkreis Murnauer Parklandschaft hat das 1903 errichtete Gebäude liebevoll renoviert und im Jahre 2017 für die Öffentlichkeit freigegeben.

Große Handsägen, Haken, Hebewerkzeuge, historische Aufnahmen und erklärende Texttafeln zeigen in dem kleinen Raum, wie früher während des Winters das gefrorene Eis auf den Seen gewonnen und in spezielle Kühlräume gebracht wurde, die durch ihre Bauweise und besonders starke Isolierung dafür sorgten, dass nur ein Teil davon während der Sommermonate abschmolz. Somit konnte dort fast das ganze Jahr über eine Raumtemperatur nahe dem Gefrierpunkt sichergestellt werden. Der berühmte Architekt Emanuel von Seidl hat sich das Gebäude in dem zu seiner Villa gehörigen Park nach eigenen Plänen bauen lassen. Während das Herzstück des Parks – die Villa des Künstlers – 1972 abgerissen wurde, war der Kühlraum noch lange Zeit als Werkstatt und Lagerraum genutzt, bevor er fast dem Verfall preisgegeben wurde.

2014 gelang es dem Förderverein, den Marktgemeinderat zu überzeugen, dass es sich hier um eine geschichtlich bedeutsame und erhaltenswerte Bausubstanz handelt. Der rührige Verein bekam grünes Licht dafür, den Eiskeller instand zu setzen und wieder in seine ursprüngliche Form zurückzuführen. Mit der Unterstützung zahlreicher Sponsoren aus Bevölkerung und lokaler Wirtschaft (etwa 83 000 Euro waren nötig) sowie der tatkräftigen Mithilfe von Schülern des Murnauer Staffelsee-Gymnasiums ist daraus wieder ein kleines Schmuckkästchen geworden, in dem ein Blick in die Vergangenheit der Murnauer Historie geworfen werden kann.

Der Eiskeller steht jeden ersten Samstag im Monat von 14 Uhr bis 17 Uhr zur Besichtigung offen sowie am Samstag, 23. Juni, von 17 bis 21 Uhr, während der Veranstaltung „Klingender Seidlpark“ im Rahmen von „Mythos Bayern“.

Von emh

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