Kurzfristige Aufforderung zur Umsetzung neuer Eismeisterregelung sorgt im Marktrat für Unmut

"So wird der TSV erpresst"

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Anfang September soll die neue Saison los gehen.

Peißenberg– Bereits Anfang September soll im Peißenberger Eisstadion die neue Saison eröffnet werden.

Für den TSV Peißenberg als Hallenbetreiber bedeutet die Aufbereitung der Eisfläche jede Menge Arbeit. Da kam es den Vereinsverantwortlichen um Präsident Thomas Karau natürlich alles andere als gelegen, dass Ende Juli aus dem Rathaus eine E-Mail mit brisantem Inhalt eintrudelte. Hauptamtsleiter Johannes Pfleger machte in dem Schreiben darauf aufmerksam, dass die Gemeinde in der kommenden Saison keinen Bauhofmitarbeiter mehr als Eismeister abstellen werde. Der TSV müsse sich stattdessen selbst um 450-Euro-Kräfte bemühen. Die Kommune werde sich nur noch an den Kosten beteiligen.

Klare Ansage, klare Regelung? Mitnichten. Die E-Mail sorgte in der jüngsten Marktratssitzung für helle Aufregung. Zum Hintergrund: Die Überlegung, sich personell aus der Eismeisterei zurückzuziehen, ist in der Gemeinde nicht neu. Bereits im Frühjahr wurde vom Rechnungsprüfungsausschuss ein entsprechender Vorschlag formuliert. Der jeweilige Mitarbeiter, so wurde argumentiert, stünde dem Bauhof während der Eislaufsaison praktisch nicht zur Verfügung – insbesondere würde selbiger für die wichtigen Winterdiensteinsätze ausfallen. Auch sei der Bauhofangestellte im Eisstadion nicht weisungsbefugt. Und dann wären da noch die finanziellen Nachteile: So werde der Bauhof-Mitarbeiter gemeindeintern mit einem festen Stundensatz verrechnet, was Kosten in Höhe von 45 000 Euro pro Jahr verursachen würde. Die Empfehlung des Rechnungsprüfungsausschusses: Statt Bauhofpersonal abzustellen, solle die Gemeinde dem TSV Peißenberg als Hallenbetreiber einen Zuschuss für die Anstellung eines freien Mitarbeiters auf 450-Euro-Basis gewähren. Die Kosten für die Kommune ließen sich damit erheblich reduzieren – und dem TSV sei es zumutbar, den Eismeister selbst bereitzustellen, so die Einschätzung der Rechnungskontrolleure.

In der jüngsten Ratssitzung betonte der Ausschuss-Vorsitzende, Dr. Klaus Geldsetzer, jedoch noch einmal ausdrücklich, dass es sich bei den Ausführungen zur Eismeisterregelung lediglich um eine „Empfehlung“ gehandelt habe. „Es sollten Gespräche mit dem TSV geführt werden. Die Zeit von Februar bis Juli hätte man dafür nutzen können. Aber man hat es hinausgezögert bis zur letzten Minute. So wird der TSV erpresst – und das darf nicht sein.“ Deutliche Worte bezüglich der versandten E-Mail fanden auch CSU/Parteilose-Sprecher Walter Wurzinger („So geht man mit einem Verein nicht um“) und Stefan Rießenberger: „Wo sollen wir denn jetzt in der kurzen Zeit zehn 450-Euro-Kräfte herbekommen?“, fragte der Fraktionschef der Bürgervereinigung, der beim TSV als technischer Leiter fungiert: „Ich bin so enttäuscht. Ich verbringe jeden Tag viel Zeit in der Eishalle – alles ehrenamtlich. Und dann wird man so vor den Kopf gestoßen.“ Rießenberger drohte: „Wenn das so kommt, dann lege ich alle meine Ämter sofort nieder und engagiere mich in anderen Ortschaften.“

Johannes Pfleger wiederum nahm zu Rießenbergers Doppelfunktion Stellung: „Sie haben doch als Gemeinderat Bescheid gewusst“, verteidigte sich der Hauptamtsleiter. Vor allem bei der Verabschiedung des gemeindlichen Stellenplans sei der Tenor im Gremium „relativ eindeutig“ gewesen, dass an der Eismeisterei gekürzt werden solle. Laut Pfleger könne es zudem „nicht das Problem des Marktes sein, wenn der TSV immer früher mit der Eisbereitung beginnt.“ Und: „Auch bisher hat die Gemeinde nie von Anfang an den Eismeister gestellt, sondern erst nach ein paar Wochen.“

Wie es nun weitergeht? Für den TSV gibt es zunächst einmal Entwarnung. Beschlossen wurde im Marktrat zwar nichts, allerdings verständigte man sich darauf, dass die Gemeinde nun gemeinsam mit dem TSV ein Eismeisterkonzept entwickeln soll. Bis dahin wird es vorerst bei der alten Regelung bleiben. „Ich sehe das nicht so dramatisch. In anderen Dingen hat man mit dem TSV auch immer eine Lösung gefunden“, relativierte Bürgermeisterin Manuela Vanni das Problem.

Von Bernhard Jepsen

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