Hilfe für Familien

Eltern sind überfordert– Erziehungsberatungsstelle bietet Unterstützung

Eltern bei einem Beratungsgespräch
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Besonders durch die Pandemie sind viele Eltern überfordert. Die Erziehungsberatungsstelle will Abhilfe schaffen.
  • Ursula Gallmetzer
    VonUrsula Gallmetzer
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Landkreis – Gerade in Zeiten der Pandemie spitzt sich die Situation in vielen Familien zu. Hilfe gibt es bei der Erziehungsberatungsstelle. Als deren neuer Leiter gab Kurt Dorn in der letzten Sitzung des Jugendhilfeausschusses einen Überblick über die Aktivitäten im Jahr 2020.


„Ich feiere das Konzept der Erziehungsberatung“, lobte Dorn die KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung. Es sei eine Möglichkeit, niederschwellig, präventiv und gut vernetzt mit anderen Stellen Möglichkeiten zur Unterstützung zu schaffen und außerdem unterschiedliche Perspektiven zu kombinieren. Denn die Mitarbeiter kommen aus den Fachrichtungen Psychologie, Sozialpädagogik, Heilpädagogik und Medizin. Insgesamt sind derzeit zehn Mitarbeiter in sechs Vollzeitstellen angestellt.

Die Gründe für die Kontaktaufnahme mit der Erziehungsberatungsstelle sind ganz unterschiedlich. Individuelle familienbezogene Probleme gehörten ebenso dazu wie die Suche nach Unterstützung bei der Erziehung. Auch bei Trennungen und Scheidungen sowie daraus entstehenden Fragen zum Umgangsrecht können sich Hilfesuchende an die Beratungsstelle wenden.

1 010 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nahmen im letzten Jahr Angebote in Anspruch. Hier zeigten sich die Auswirkungen von Corona deutlich: 111 Mal wurde am Telefon beraten. Außerdem fanden viele Termine online statt. Diesen voraus ging aber meist auch der persönliche Kontakt. 1 904 Personen wurden innerhalb eines Familienverbandes erreicht, 527 außerhalb eines solchen. Pandemiebedingt seien die Zahlen etwas niedriger als noch 2019, da zahlreiche Gruppentreffen nicht oder nur mit verminderter Personenzahl stattfinden konnten.

Einen großen Teil der Arbeitszeit nahmen 2020 die persönlichen Besuche in Anspruch, die in der letzten Zeit nochmals intensiviert wurden. „Durch die aufsuchende Arbeit erreichen wir auch Familien, die sich schwierig tun, zu uns zu kommen“, erklärte Dorn. Dadurch sei auch die Chance gestiegen, mit Eltern mit Babys und Kleinkindern zu kommunizieren. Meist seien Familien mit zwei Elternteilen (48,8 Prozent) beraten worden, auf Platz zwei folgen alleinerziehende Mütter (33,5 Prozent).

Die häufigsten Gründe der Beratungen: die Belastung durch familiäre Konflikte (61,1 Prozent), eingeschränkte Erziehungskompetenz (39 Prozent), Entwicklungsauffälligkeiten (36,5 Prozent) und Belastung durch Problemlagen der Eltern (21,1 Prozent). Gerade bei den seelischen Problemen gab es einen deutlichen Anstieg, was Dorn in der Tatsache begründet sieht, dass inzwischen mit der kbo-Tagesklinik in Peißenberg kooperiert wird.

Bei den familiären Konflikten zeige sich eine deutliche Häufung seit der Pandemie, erklärte Dorn: „Menschen, die bereits Probleme in sich tragen, beginnen noch mehr zu wackeln.“ Auch sei die Kommunikation zwischen Eltern und Kinder oft schlechter geworden, da die Eltern damit beschäftigt waren, trotz Einschränkungen den Alltag zu meistern. „Viele waren vollkommen überfordert“, sagte Dorn. Leider sei daher auch die Zahl der Kindeswohlgefährdungen extrem nach oben gegangen.

Dringende Fälle wurden stets vorgezogen und sofort empfangen. Knapp die Hälfte der Hilfesuchenden mussten bis zu einem Termin nur eine Woche warten. Bis auf wenige Einzelfälle – hier sind auch solche dabei, die von sich aus Treffen nicht wahrgenommen haben oder sich unsicher waren – wurden Termine in spätestens vier Wochen vereinbart. Ab Juli ist eine Außensprechstunde im Peißenberger Flöz geplant.

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