"Ende des Leidens" – Lüftungsanlage am Gymnasium in Betrieb

Die Schwitzerei und der Gestank, der zwangsläufig entsteht, wenn 30 Menschen bei geschlossenen Fenstern konzentriert arbeiten, gehören der Vergangenheit an. Seit wenigen Tagen ist die neue Lüftungsanlage in jenen sieben Klassenzimmern am Penzberger Gymnasium in Betrieb, in denen die Zustände vor allem im Sommer unerträglich waren. Entsprechend euphorisch stellte Direktorin Margit Mintzel fest: „Die Jahre des Leidens sind vorbei.“

Wenn Lehrer und Schüler jammern, dann geht man in der Regel im Kultusministerium in Hab-acht-Stellung. Im vorliegenden Fall aber war der Landkreis als so genannter Sachaufwandsträger des Gymnasiums gefordert. Dort aber war man zunächst in Deckung gegangen, als kurz nach der Einweihung des Erweiterungsbaus auf dem Dach der Realschule die ersten Klagen über die Zustände in den vor allem von der Unterstufe genutzten Klassenzimmern laut geworden waren. „Es war eine nahezu unendlich lange Zeit des Wartens“, erinnert sich Lehrer Fritz Janocha. Weil man in Penzberg keinen Präzedenzfall schaffen wollte, ging der Landkreis auf Tauchstation - bis Janocha vor eineinhalb Jahren der Kragen platzte und er die Sacher gewissermaßen selbst in die Hand nahm: Er organisierte bei brütender Hitze im Juli 2007 im Nonnenwaldstadion einen Sponsorenlauf, dessen einziges Ziel es war, möglichst viel Geld als Anschubfinanzierung für die Lüftungsanlage zusammen zu bekommen. „Diese Veranstaltung war ein durchschlagender Erfolg“, sagte Janocha im Rückblick. Über 625 Schüler seien an diesem Tag rund 3.240 Kilometer gelaufen und hätten sich diese Leistung von knapp 1.300 Sponsoren mit über 21.000 Euro vergüten lassen. Mit dieser Summe im Rücken wurde der Druck auf den Landkreis so groß, dass er im Frühjahr 2008 gar nicht mehr anders konnte, als dem Einbau der 80.000 Euro teuren Lüftungsanlage zuzustimmen. Bei der offiziellen Inbetriebnahme sagte Landrat Friedrich Zeller nun, dass diese Anlage „kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit“ sei. Schließlich seien die sieben Klassenzimmer nicht nur nach Süden ausgerichtet, sondern auch noch an der viel befahrenen Karlstraße gelegen. Wollte man dort im Sommer lüften, habe man aber wegen des Verkehrslärms kein Wort mehr verstanden. „Es war hier saulaut“, meinte Zeller, der von dem Wunsch nach einer Lüftungsanlage anfangs gar nicht begeistert war, seine Meinung nach einer Besichtigung vor Ort aber rasch geändert hatte. Letztlich gaben die Kreisgremien dem Drängen aus Penzberg nach, so dass in den Sommerferien mit dem Einbau der Anlage begonnen werden konnte. Insgesamt 300 Meter an Lüftungsrohren wurden dabei verlegt, so dass nun pro Stunde bis zu viermal die komplette Luft in den sieben Räumen ausgetauscht werden kann. Allerdings wird der Mief nicht einfach nach draußen gepustet: „Über Plattentauscher besteht zu 70 Prozent die Möglichkeit der Wärmerückgewinnung“, erklärte der Landrat. Außerdem verfüge das System über eine „intelligente“ Steuerung, die den Luftaustausch in Gang setzte, je nach dem, ob die Grenzwerte für Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder CO2-Gehalt überschritten werden. Dass sich der Landkreis letztlich entschlossen habe, die abzüglich des Erlöses aus dem Sponsorenlauf verbleibenden 60.000 Euro in das Projekt zu investieren, habe auch mit der „enormen Eigeninitiative“ am Gymnasium zu tun gehabt, sagte Zeller. „Ich finde es toll, wie sich Lehrer, Schüler, Elternbeirat und Förderverein hier engagiert und nicht nur gegenüber dem Staat eine Forderung erhoben haben“, erklärte der Landrat. Der muss damit übrigens jederzeit wieder rechnen. Denn Fritz Janocha erklärte mit Blick auf weitere Projekte am Gymnasium: „Wenn’s sein muss, laufe ich auch wieder.“

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