Energieverbrauch durchleuchtet Gutachten stellt städtische Liegenschaften auf den Prüfstand

Welche städtischen Liegenschaften verbrauchen die meiste Energie? Wo lassen sich Kosten senken? Dipl. Ing. (FH) Meinhard Ryba ging den Fragen auf den Grund und erstellte für die Jahre 2008 bis 2011 einen Energieverbrauchsbericht.

„Verbrauchsdaten sind wichtige Indikatoren“, verdeutlichte der Energieberater, als er in der jüngsten Stadtratssitzung das knapp 500-seitige Dokument präsentierte. Basierend auf den Daten von 2008 untersuchte Ryba, wohin die größten Energieströme zur Wärme- und Stromversorgung der städtischen Liegenschaften geflossen sind. In absoluten Zahlen nahm der Wärmeverbrauch von 2008 bis 2011 von 4 090 auf 3 532 Megawattstunden (MWh) ab, während im selben Zeitraum der Stromverbrauch von 776 auf 852 MWh anstieg. Bei den Energiekosten ermittelte Ryba einen Preisanstieg bei Öl und Strom, während sich der Wechsel zu einem günstigeren Gas­anbieter positiv ausgewirkt hat. Zu den größten Wärmeabnehmern zählen bei den städtischen Liegenschaften die Schulen und das Bürgerheim. Der Stromverbrauch hat in Rathaus und Hardtschule deutlich zugenommen. Als mögliche Ursachen führte Ryba in letzterer den Einbau von Lüftungsanlagen, neue Gebäudeausstattungen, wie elektrisch betriebene Dachfenster und Jalousien, sowie eine „noch nicht optimierte Wärmeverteilung“ an. Mit Analysen und einem „dauernden betriebsbegleitenden Beobachten“ des Energieverbrauchs (Gebäudemonito- ring), so Ryba, könne die Stadt künftig Verbrauch und Kosten senken. Ein Baustein sei auch die Versorgung mit günstigerem Eigenstrom aus Photovoltaikanlagen. Erhebliche Einspar- möglichkeiten sieht Ryba bei den großen Liegenschaften mit komplexer Anlagentechnik und hohem Verbrauch. Allerdings ließen sich die Potenziale nur über ein Gebäudemonitoring aufdecken. Das gesamte Management gehört laut Ryba in fachliche Hände, weshalb die Stadt einen Energiemanager anstellen soll. Ingo Remesch (SPD), der Bürgermeister Markus Loth als Sitzungsleiter vertrat, wurde im Hinblick auf die Kosten, die mit dem Gebäudemonitoring auf die Stadt zukommen könnten, „ziemlich unheimlich“ zumute. Laut Ryba könnte das Monitoring jedoch über daraus erzielte Einsparungen und „einfache Mittel zur Verbrauchsüberwachung“ mitfinanziert werden. Liegenschaftsreferent Jochen Knittel begrüßte die Untersuchungen („Energie wird immer teurer“), sieht aber den Nutzer selbst zu wenig berücksichtigt. Seiner Meinung nach müsste das städtische Personal, wie Hausmeister, sensibilisiert werden, „von ihnen bekommen wir das Feedback, wenn etwas nicht funktioniert“. Mit Nutzerschulungen könnte viel erreicht werden, griffen die Stadträte Alfred Honisch und Karl-Heinz Grehl (Grüne) Knittels Forderung auf. Michael Lorbacher (SPD) warnte vor einem „Zahlenfetischismus“ und plädierte für eine „Langzeitbetrachtung“ der Verbrauchswerte. Dass Ryba in der für fast drei Mio. Euro energetisch sanierten Hardtschule Schwachstellen gefunden hat, stieß bei manchen Räten auf Unverständnis. So fragte Wolfgang Mini (UWV) nach, was die energetische Sanierung konkret gebracht habe. Das Architekturbüro Weinberger, das die Hardtschulsanierung geplant hat, wird nun um Stellungnahme gebeten. Des Weiteren soll der Stromverbrauch analysiert und gemeinsam mit Energieberater Ryba nach Einsparmöglichkeiten gesucht werden.

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