Entlastungsstraße Weilheim: Großer Redebedarf bei fünftem Themenabend

+
Zum fünften Themenabend waren wieder zahlreiche Vertreter von Verbänden und Bürgerinitiativen, politische Repräsentanten sowie Mitarbeiter des Staatlichen Bauamtes gekommen.

Weilheim – Der Ton zwischen den Beteiligten in Sachen Weilheimer Entlastungsstraße wird langsam schärfer.

So auch beim fünften Themenabend im Staatlichen Bauamt, der sich mit der Nutzen-Kosten-Analyse für Weilheims Entlastungsstraßenvarianten beschäftigte und sich an die jüngste Sondersitzung des Stadtrates (wir berichteten) anschloss. Behördenleiter Uwe Fritsch stellte unter anderem zu Beginn klar, dass es keine Lösung geben werde, die alle Beteiligten glücklich mache. Zudem würde der Bund nur Varianten als „bauwürdig“ sehen, deren Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) größer als 1,0 ist.

Anschließend erläuterte Christian Knörzer von der Ingenieurgruppe IVV aus Aachen das Verfahren der Nutzen-Kosten-Analyse. Ziel dieser Methodik soll der größte Nutzen für Mensch und Wirtschaft sein, wie es in der dazugehörigen Präsentation auf der Seite des Staatlichen Bauamts heißt. Das sahen nicht alle Teilnehmer der Veranstaltung so. Stefan Schwaller, BI Heimat 2030, stellte das zugrundeliegende Methodenhandbuch in Frage. Belange des Naturschutzes würden klein gerechnet. Das Verkehrsministerium wolle Straßen bauen und dann sei zum Beispiel die Umwelt „im Weg“. SPD-Stadtrat Michael Lohrbacher wollte dagegen wissen, ob die Zehntel und Hundertstel hinter dem Komma beim NKV von Bedeutung seien. Laut Knörzer würden diese in Sachen Wirtschaftlichkeit „keine so große Rolle“ spielen. Die Absolutkosten seien dagegen schon wichtig, sagte Fritsch. Der Bund würde den Maßstab bei der günstigsten Möglichkeit ansetzen. Die Varianten, die jetzt noch im Rennen sind, würden „alle gehen“, seien aber nicht „gleichwertig“. Ein Problem gäbe es zudem, wenn das NKV einer Variante während des Projektverlaufs unter 1,0 fällt. Das Baurecht werde erst nach dem Planfeststellungsverfahren erteilt.

Deutliche Worte fand der Behördenleiter, was die B2-Unterfahrung in Deckelbauweise und eine ortsnahe Ostumfahrung mit „Komplett-Tunnel“ angeht. Letzteren Vorschlag nannte er „völlig unrealistisch“. Es würde sich dabei um die „erste Ortsumgehung im Tunnel deutschlandweit“ handeln. Für das Bauamt seien dies keine Varianten. Peer Prechtel, AK Stadtentwicklung Weilheimer Agenda 21, nannte diese Planung aus Weilheimer Sicht „sehr kurzzeitig“. Pollings Bürgermeisterin Felicitas Betz, die sich als „externe Bürgermeisterin“ nur unter Vorbehalt äußerte, stellte die Sinnigkeit der Diskussion in Frage, da der Bund die Stellschrauben nicht verändern werde. Ähnlich sah das Brigitte Holeczek, Stadträtin der BfW: „Wir sind hier nicht im Wunschkonzert.“ Stadtrat Ingo Remesch (SPD) wies darauf hin, dass die örtlichen Politiker tagtäglich „ganz schön im Feuer“ stehen würden. Daher fragte er Knörzer, ob dieser wisse, dass Teile der Bevölkerung eine Unterfahrung der B2 durchaus für möglich halten würden. „Ich kann es mir vorstellen“, aber bekannt sei es ihm nicht gewesen, lautete dessen Antwort.

Fritsch erklärte zudem nach einer Frage von Grünen-Stadtrat Alfred Honisch, dass das Verfahren bei einer Entlastungsstraße eigentlich anders herum laufen würde. Für gewöhnlich würde erst das Bauamt eine Variante vorschlagen. Wegen Weilheims langer Vorgeschichte habe man das Verfahren hier aber umgedreht. Was eine mögliche Optimierung der Varianten angeht, die CSU-Stadtrat Klaus Gast interessierte, sagte Fritsch, dass die fünf Varianten schon optimiert seien. Man könne höchstens noch über die Lage der Varianten im Gelände reden, zum Beispiel, wo eine Brücke hinkäme. Bei der Tunnellänge sei aber nichts mehr zu machen.

Als nächstes muss sich nun die Stadt dazu äußern, warum die zwei günstigsten Varianten aus städtebaulicher und ortsplanerischer Sicht für sie nicht in Frage kommen. Danach soll nochmal eine Broschüre erstellt werden. Den Abschluss bildet die Bürgerbefragung. Erst wenn diese Informationen vorliegen, will das Bauamt ein oder zwei Vorzugstrassen bestimmen.

Von Sofia Wiethaler

Auch interessant

Meistgelesen

Aktion zum Tag der Menschenrechte auf Weilheimer Kirchplatz
Aktion zum Tag der Menschenrechte auf Weilheimer Kirchplatz
Sparkasse in Peißenberg verteilt ihre Jahresspenden
Sparkasse in Peißenberg verteilt ihre Jahresspenden
Nachwahlen beim Heimat- und Trachtenverein Dießen/St. Georgen
Nachwahlen beim Heimat- und Trachtenverein Dießen/St. Georgen
Kostenlos Bus fahren im Landkreis
Kostenlos Bus fahren im Landkreis

Kommentare