Mit Sondersitzung des Stadtrates beginnt Entscheidungsprozess für Trassenwahl einer Weilheimer Entlastungsstraße

Jetzt werden die Weichen gestellt

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Nachdem die Stadthalle bei der Sondersitzung im November 2018 mit circa 800 Besuchern rappelvoll gewesen war, wurde wieder mit ähnlichen Zahlen gerechnet. Am Dienstag informierten sich gut 600 BürgerInnen und damit deutlich weniger über die aktuellen Untersuchungsergebnisse. Am Rednerpult (li.) steht Bauamtsleiter Uwe Fritsch.

Weilheim – In einer zweiten Sondersitzung des Stadtrates hat das Staatliche Bauamt Weilheim am Dienstag die mit großer Spannung erwarteten Zahlen, Daten und Fakten zu den Untersuchungsvarianten für eine Entlastungsstraße vorgestellt. „Wir sind in der allerwichtigsten Phase. Jetzt werden die Weichen gestellt“, machte Bauamtsleiter Uwe Fritsch die Bedeutung des nun anstehenden Prozesses deutlich, an dessen Ende die Entscheidung für eine Vorzugstrasse stehen soll.

Bürgermeister Markus Loth hatte zuvor auf die Komplexität des Themas und die räumlichen Auswirkungen der untersuchten Trassenvarianten hingewiesen, die in der Bevölkerung sehr emotional und unterschiedlich diskutiert werden. „Möglicherweise“, fuhr Loth fort, könne die Sitzung „etwas mehr Klarheit in die Diskussion um verschiedene Zahlenwerte zu den erwartbaren Entlastungswirkungen bringen“. Loth sprach sich gegen eine Vorfestlegung auf eine Vorzugsvariante aus und wünschte sich für die weitere öffentliche Diskussion „einen fairen, respektvollen Umgang mit den jeweils anders Denkenden“. Bevor er das Wort an die Vertreter des Straßenbauamtes übergab, erinnerte Loth an die Verantwortung der Kreisstadt für die Region: Weilheim dürfe kein „verkehrliches Nadelöhr“ auf dem regionalen Streckenverlauf der B 2 bleiben.

Startschuss für den Dialog

Wo befinden wir uns aktuell auf dem Weg zu einer Entlastungsstraße? Welche Schritte stehen an? Wie werden Bürgerinitiativen, Verbände und Politik in den Dialogprozess eingebunden? Behördenleiter Uwe Fritsch und Andreas Lenker, Abteilungsleiter Straßenbau für den Landkreis Weilheim-Schongau, stellten in der Sondersitzung des Stadtrates erstmals die Ergebnisse zu den untersuchten Trassenvarianten vor und informierten über den weiteren Ablauf.

Der Bund als Bauträger hat das Staatliche Bauamt mit der Voruntersuchung von fünf möglichen Trassenvarianten beauftragt: Es sind dies eine Westumgehung lang, Westumgehung kurz, Ostumgehung ortsnah, Ostumgehung ortsfern und ein Zentrumstunnel in bergmännischer Bauweise, teils mit Untervarianten (wir berichteten). Ein Kurztunnel unter der B 2 scheidet aus. Abteilungsleiter Lenker begründete dies unter anderem damit, dass dafür oberirdisch vier Fahrspuren nötig wären, während der Bauzeit die B 2 komplett gesperrt werden müsste und nicht genügend Abstand zur Bebauung vorhanden sei.

600 000 Euro hat das Land Bayern bisher an Planungskosten für eine Straße vorgestreckt, die Weilheim vom Verkehr entlasten soll, berichtete Fritsch. An die Voruntersuchungen schließt sich ein komplexer Planungs- und Dialogprozess an, so dass mit dem Baubeginn frühestens in zehn Jahren gerechnet werden kann. Bis Ende 2019 oder spätestens Anfang 2020 soll der Informations- und Dialogprozess abgeschlossen sein.

Um die fünf Trassenvarianten vergleichend bewerten zu können, wurden folgende Parameter berücksichtigt: Die bis 2035 zu erwartende Verkehrsbelastung (auf Basis des aktualisierten Kurzak-Verkehrsgutachtens), Flächenverbrauch (Neuversiegelung), Streckenlänge, erforderliche Verlegungen, Wirtschaftlichkeit (Investitionskosten für Bau und Grunderwerb, Betriebskosten) sowie die Umweltverträglichkeit. Große Unterschiede ergaben sich zum Beispiel bei Flächenverbrauch und Kostenschätzungen (ortsnahe Ostumgehung ohne Tunnel: 37,7 Mio. Euro, Zentrumstunnel 317 Mio. Euro Investitionskosten).

Wie Lenker ausführte, berücksichtigt die Bewertung der Umweltverträglichkeit die Auswirkungen auf acht Schutzgüter. Es sind dies der Mensch (Einfluss von Lärm auf Gesundheit, Wohnen, Erholung), Tiere und Pflanzen, Boden und Fläche, Wasser, Luft und Klima, Landschaft, Kulturelles Erbe (Bodendenkmäler) und Sachgüter (Erhaltung landwirtschaftlicher Flächen).

Anhand einer Animation konnte in der Sitzung der Verlauf der Trassen aus der Vogelperspektive nachvollzogen werden. Auf der Internetseite des Bauamtes (www.stbawm.bayern.de) ist die Animation noch nicht eingestellt, da alle Trassen bei fortgeschrittener Vegetation zur besseren Veranschaulichung mit der Kamera abgeflogen werden, erklärte Lenker. Die in der Präsentation gezeigten Zahlen, Daten und Fakten sind auf der Homepage des Bauamtes einsehbar. An das Bauamt können sich die Bürger auch mit weiteren Fragen wenden.

Von Maria Hofstetter

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