Entlastungsstraße Weilheim: Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten bei Themenabenden diskutiert

Varianten erneut auf dem Prüfstand

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Vertreter von Verbänden und Bürgerinitiativen, politische Repräsentanten sowie Mitarbeiter des Staatlichen Bauamtes und von Hendricks & Schwartz beim zweiten Themenabend.

Weilheim – Bei kaum einem anderen Thema prallen so viele verschiedene Interessen und Meinungen aufeinander, wie bei dem einer möglichen Entlastungsstraße für Weilheim.

Diese wurden unter anderem bei den zwei Themenabenden diskutiert, zu denen das Staatliche Bauamt zu sich eingeladen hatte. Dem vorangegangen waren, im Rahmen des Bürgerdialogs zur Entlastungsstraße, Infomärkte für die Öffentlichkeit in der Stadthalle (wir berichteten). Des Weiteren sind eine Ausstellung geplant und eine Bürgerbefragung im Herbst.

Im Fokus standen am ersten Abend die Varianten einer Westumfahrung sowie der Zentrumstunnel. Bei der zweiten Zusammenkunft wurde auf die Möglichkeiten einer Ostumgehung eingegangen. Vor Ort waren Vertreter von Verbänden und Bürgerinitiativen, politische Repräsentanten sowie Mitarbeiter des Staatlichen Bauamtes und von Hendricks & Schwartz. Am zweiten Themenabend nahm außerdem Leon Brehme von den „Jungen Menschen für Weilheim“ teil, nachdem aus dem Stadtrat die Anregung kam „die Jugend miteinzubeziehen“, sagte Uwe Fritsch, Leiter des Staatlichen Bauamtes. Die Moderation übernahm an beiden Abenden Arnold Vitez von Hendricks & Schwartz.

Ortsumgehung „West lang“

Erklärung: Die Trasse beginnt im Süden am südwestlichen Ende des Gewerbegebietes Trifthof an der Holzhofstraße und mündet im Norden in die bestehende B 2. Nach Querung der Ammer schwenkt die Trasse mit einem Rechtsbogen in Richtung Norden, quert die Bahnstrecke Weilheim – Schongau sowie die Tankenrainer Straße und führt mit mehreren aufeinanderfolgenden Bögen Richtung Nord-osten zur B 2. Dabei wird die westliche Wohnbebauung von Weilheim im Abstand von 400 bis 600 m umfahren. Die geplante Trasse wird an drei Stellen mit dem vorhandenen Straßennetz verknüpft und liegt auf den Fluren der Stadt sowie auf jenen der Gemeinden Polling und Wielenbach. Mit Ausnahme von Einzelanwesen kommt die lange Westumgehung voraussichtlich ohne Lärmschutzmaßnahmen aus, so das Staatliche Bauamt in einer Zusammenfassung. Für die Querung der Bahnlinie im Süden ist für die Tieferlegung der Umgehung infolge des hohen Grundwasserstandes ein Trogbauwerk erforderlich.

Chancen und Risiken: Als Chancen werden bei dieser Variante unter anderem gesehen, dass die Unterhaltskosten (0,10 Mio. Euro) deutlich geringer als zum Beispiel bei der Variante „West kurz“ (0,27 Mio. Euro) sind, eine zweite Ammerbrücke errichtet und im Westen die Anbindung an die Tankenrainer Straße ermöglicht würde. Auch die Gewerbegebiete Achalaich und Trifthof wären direkt an die Umgehung angeschlossen. Jedoch gibt es auch Herausforderungen wie den komplexen Baugrund. Außerdem weist die Variante den größten Flächenverbrauch auf und wäre mit umfangreichen Eingriffen in die Naturschutz- und Wasserschutzgebiete durch Emissionen, Gefährdung von Grundwasser und weitere Naturschutzbelange verbunden. 

Anmerkungen und Hinweise: Zu berücksichtigen wäre bei der „langen Westumgehung“ der Hochwasserschutz. Außerdem soll ein höhengleicher Anschluss im Westen realisiert werden. Ein wichtiger Gesichtspunkt ist auch die Nachhaltigkeit des Projekts. Das zu erwartende Stadtwachstum sowie die künftige Stadtentwicklung sollten nicht durch eine Umgehungsstraße eingeschränkt werden – Stichwort „Enkeltauglichkeit“.

Ortsumgehung „West kurz“

Erklärung: Beginn der Trasse ist im Süden am südwestlichen Ende des Gewerbegebietes Trifthof an der Holzhofstraße. Sie mündet im Norden in die bestehende B 2. Nach Querung der Ammer schwenkt die Trasse mit einem Rechtsbogen Richtung Norden und quert die Bahnstrecke Weilheim – Schongau sowie die Tankenrainer Straße. Am Bauende unmittelbar nordöstlich des Kreisverkehrs an der Münchener Straße wird die Westumgehung tangential (eine gekrümmte Fläche oder Linie berührend) in die vorhandene B 2 eingeleitet. Die Trasse verläuft weiter in östlicher Richtung, quert die Bahnlinie München – Garmisch-Partenkirchen und führt über den daran anschließenden Parkplatz vorbei an den Märkten. Im Bereich der nördlichen Bahnquerung wird das Gelände zwischen Leprosenweg und Münchener Straße mit einem 380 m langen Tunnel unterfahren. Nach Querung der Münchener Straße führt die Trasse in einem Linksbogen Richtung Norden und mündet in die B 2.

Chancen und Risiken: Positiv wäre beispielsweise die direkte Anbindung an die Gewerbegebiete Achalaich und Trifthof. Darüber hinaus wäre auch ein Anschluss für die Gewerbebetriebe am Leprosenweg denkbar. Als Chance wird ebenfalls die Errichtung zweier weiterer Ammerbrücken gesehen. Wielenbach und Unterhausen würden im Vergleich zur Ortsumgehung „West lang“ geringer belastet. Als Risiko wird aber auch hier unter anderem der komplexe Baugrund gesehen. Hinzu kommen die hohen Investitionskosten (130,2 Mio. Euro) und die umfangreichen Eingriffe in Naturschutzgebiete. Das Naherholungsgebiet Dietlhofer See würde ebenfalls beeinträchtigt.

Anmerkungen und Hinweise: Ins Auge gefasst werden soll ein höhenfreier Anschluss der Tankenrainer Straße im Westen. Des Weiteren sollte eine Anbindung am Leprosenweg ebenso geprüft werden wie eine mögliche Trassenführung unterhalb der Paradeisstraße.

Zentrumstunnel

Erklärung: Der Zentrumstunnel hat seinen Beginn im Süden an der Querspange. Diese wird mit einem Linksbogen tangential verlassen, nach Norden geführt und an die B 2 angebunden. Der Tunnel hat eine Länge von circa 2 600 m. Die B 2 alt wird zum Beginn der Wohnbebauung nach Westen verschoben. Nordwestlich des bestehenden Kreisverkehrs wird ein neuer Kreisverkehr errichtet, der die B 2 alt mit der Querspange und der nach Norden führenden Trasse verknüpft. Für den Tunnel in bergmännischer Bauweise gibt es drei Varianten: Entweder die Notausstiege werden im Abstand von 300 m angeordnet, es gibt einen Rettungsstollen zusätzlich zum Straßentunnel oder es werden zwei Tunnel jeweils mit Fahr- und Standstreifen geschaffen.

Chancen und Risiken: Für die Variante sei eine hohe Akzeptanz bei den Bürgern zu erwarten, wie das Bauamt mitteilte und aufgrund der Länge des Tunnels wäre nur ein geringer Eingriff in die Natur erforderlich. Hinzu kommt, dass die Gewerbegebiete angeschlossen wären und diese Variante die kürzeste Streckenlänge aufweist. Weniger erfreulich sind die hohen Investitions- und Folgekosten (317,0 Mio. Euro/1,28 Mio. Euro) und dass eine direkte Anbindung in den Osten und Westen nicht möglich ist. Außerdem gestalte sich der Grunderwerb „sehr komplex“.

Anmerkungen und Hinweise: Innerhalb der Stadt wird die Tunnelvariante mit der Anordnung von Notausstiegen als „kritisch“ gesehen.

Ortsumgehung „Ost ortsnah“

Erklärung: Die Trasse beginnt im Süden an der Verknüpfung der Querspange mit der B 2 alt. Hier wird der Kreisverkehr etwas Richtung Nordwesten verschoben. Im weiteren Verlauf führt die Trasse in einer Rechtskurve Richtung Nordosten, quert die Deutenhausener Straße und führt mit mehreren aufeinanderfolgenden Bögen Richtung Nordwesten zur B 2. Zwischen B 2 alt und der Deutenhausener Straße führt sie vorbei an den ausgewiesenen Wohnbaugebieten am südlichen Ende Weilheims. Zwischen Deutenhausener Straße und Einmündung in die B 2 im Norden orientiert sich die Trasse an dem angrenzenden Hanggelände im Osten und der Wohnbebauung beim Narbonner Ring im Westen. Es gibt zwei Untervarianten – mit und ohne Tunnel. Bei der ohne Tunnel queren die B 2 alt im Süden und die Wege im Gebiet „Am Gögerl“ die Trasse im Zuge von Überführungsbauwerken geländereich. Zur Querung des Angerbachs wird eine Grünbrücke gebaut. Mit Tunnel wird das Gelände zwischen B 2 alt im Süden und dem öffentlichen Feld- und Waldweg nordöstlich der Deutenhausener Straße mit einer Einhausung unterfahren. Die Verknüpfung der B 2 mit der Deutenhausener Straße erfolgt beidseitig mit der Umgehung angeordneten Holländerrampen mit einem in Höhe der Deutenhausener Straße liegenden Kreisverkehr.

Chancen und Risiken: Durch die kurze Streckenlänge muss relativ wenig Fläche versiegelt werden und es sei eine hohe Akzeptanz für eine Trasse mit Tunnel zu erwarten. Zudem weist die Variante die höchste Entlastungswirkung aller untersuchten Varianten und somit das bestes Kosten-Nutzen-Verhältnis auf. Kritisch gesehen wird dagegen die Nähe zur vorhandenen Wohnbebauung Nordost, Narbonner Ring. Zudem würde die Trasse eine Trennwirkung zu den Ortsteilen Marnbach/Deutenhausen und einen Eingriff in die Naherholungsgebiete, wie das Gögerl, bedeuten. Des Weiteren wird von verschiedenen Seiten die Einschränkung einer möglichen Stadtentwicklung Weilheims im Osten befürchtet.

Anmerkungen und Hinweise: Bei Verlängerung der Abschnitte in Deckelbauweise sei eine höhere Akzeptanz zu erwarten. Zusätzlich soll die Variante im Bereich des Gögerls nur mit Tunnel ausgeführt werden.

Ortsumgehung „Ost ortsfern“

Erklärung: Die Trasse fängt im Süden am Kreisverkehr an und mündet im Norden vor der Bahnüberführung in die B 2. Östlich des Kreisverkehrs am Bauanfang werden zunächst der Höhenzug am Gögerl, das geplante Hochwasserschutzgebiet und die Deutenhausener Straße gequert. Weiter verläuft die Trasse mit einer Linkskurve Richtung Norden entlang des im Osten gelegenen Hanggeländes, führt vorbei am Wohngebiet Narbonner Ring und mündet im Norden in Höhe der Querung des Dietlhofer Seeweges in die B 2. Die geplante Trasse wird an drei Stellen mit dem vorhandenen Straßennetz verknüpft. Die Verbindung der Trasse mit der Querspange und der B 2 alt erfolgt mit einem Kreisverkehr.

Hier gibt es drei Untervarianten – Kurzer Gögerl-Tunnel, kurzer Gögerl-Tunnel und Einhausung sowie ein langer Gögerl-Tunnel. Der kurze Gögerl-Tunnel wird das Gebiet „Am Gögerl“ mit einem bergmännischen Tunnel mit einer Länge von circa 399 m durchfahren. Der kurze Gögerl-Tunnel mit Einhausung entspricht dem kurzen Gögerl-Tunnel, abgesehen davon, dass unmittelbar am Bauanfang eine 330 m lange Einhausung in offener Bauweise erstellt wird. Beim langen Gögerl-Tunnel wird ab Bauanfang ein 1 280 m langer Tunnel mit tiefer Gradiente in bergmännischer Bauweise errichtet. Im Abstand von 300 m sind Notausstiege vorgesehen.

Chancen und Risiken: Die Variante mit einem langen Tunnel würde sich „positiv auf das Landschaftsbild auswirken“ und eine hohe verkehrliche Entlastung der östlichen Stadtteile bedeuten. Allerdings weist sie auch einen vergleichsweise hohen Flächenverbrauch auf und bedeutet einen Eingriff in Naherholungsgebiete, zum Beispiel in das Gögerl. Hinzu kommt, dass die Trasse eine Trennwirkung zu den Ortsteilen Marnbach/Deutenhausen zur Folge hätte und das geplante Hochwasserrückhaltebecken am Angerbach gequert würde. Zudem erfolgt der Trassenverlauf in unmittelbarer Nähe des Trinkwassergewinnungsgebiets am Gögerl.

Anmerkungen und Hinweise: Bei einer zusätzlichen Einhausung im Bereich des Narbonner Rings sei eine höhere Akzeptanz für die Variante zu erwarten.

Am gestrigen Dienstag fand ein weiterer Themenabend zu den Punkten Verkehr und Mobilität statt. In der nächsten Woche geht es dann um den Naturschutz. 

Von Sofia Wiethaler

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