Erdwärme Oberland stellt Pläne vor – Bürgerversammlung in Wielenbach ließ kaum Zeit für Fragen

Das geplante Betriebsgelände aus der Vogelperspektive (Auszug aus dem Bauantrag): Auf einer rund zweieinhalb Fußballfelder großen Fläche sind sämtliche Anlagenteile untergebracht. Foto: Erdwärme Oberland

Der Saal des Gasthauses Neuwirt füllte sich mit 150 Bürgern. Alle warteten gespannt auf den Vortrag von Dr. Markus Wiendieck von der Firma Erdwärme Oberland zum Geo- thermiekraftwerk, das einige hundert Meter nordöstlich vom ursprünglichen Standort in der Lichtenau entfernt, auf Wielenbacher Flur gebaut werden soll.

Der Bauantrag liegt der Gemeinde vor, bis zum 17. April muss sie entscheiden, ob das „Projekt Geothermie“ gestartet werden soll. „Als Gemeinde wird uns nichts übrig bleiben, als zuzustimmen. Denn das Landratsamt kann die Genehmigung erteilen, auch wenn wir als Gemeinde gegen das Kraftwerk sind“, erklärte Korbinian Steigenberger, Bürgermeister von Wielenbach. Dann aber könne die Gemeinde eine Klage gegen den Bau des Geothermiekraftwerkes einreichen. Den Weilheimern war bei der Bürgerversammlung am Dienstag kein Rederecht erteilt worden, obwohl die Wielenbacher bei der Weilheimer Bürgerversammlung sprechen durften. „So steht es in der Gemeindeordnung und dieser wollte ich folgen“, sagte Steigenberger dazu. Geothermiegegnerin Romana Asam, Vorsitzende der Bürgerinitiative fürs Oberland (BifO), war ebenfalls im Publikum und hörte sich den Vortrag von Wiendieck nochmals an. Nach kurzer Zeit verließ sie aber den Saal. „Ich könnte platzen“, sagte sie wutentbrannt. Gemeinderat und ebenfalls Vorsitzender der BifO, Gerhard Weber, gab den ganzen Abend keinen Ton von sich. Steigenberger war auf Anfrage des Kreisboten selbst überrascht und „wunderte sich, dass Herr Weber nichts gesagt hat“. Am Freitag trafen sich der Bürgermeister und die Gemeinderäte zur Begehung des Bohrplatzes. Vor Ort sprachen sie dann auch mit den Anwohnern des Gebiets. Vier Brunnen sind der Anfang Zuerst werden zwei Bohrungen durchgeführt, eine Injektions- und Produktionsbohrung. Dann sollen vier Brunnen, zwei Förder- und zwei Rückführbrunnen, gebaut werden. „Die Tiefe wird um die vier bis viereinhalb Kilometer betragen“, erklärte Wiendieck. Die Wassertemperatur beträgt um die 140 Grad Celsius. Es sollen dann 140 Liter Wasser pro Sekunde hoch- und wieder hinuntergepumpt werden. Das Kraftwerk soll einen Wirkungsgrad von zwölf Prozent haben und die Förderbohranlage hat einen Eigenverbrauch von 35 Prozent. Laut Wiendiecks Berechnungen soll die elektrische Leistung zehn Megawatt betragen. Die sich daraus ergebene Abwärme von 80 Megawatt lässt sich technisch nicht vermeiden. Dr. Markus Wiendieck möchte diesen Sommer den Bohrplatz herrichten und im Herbst mit den Bohrungen beginnen. Im Herbst 2013 sollen diese dann beendet werden und der Bau des Energiezentrums soll Anfang 2014 starten. Bis zum Sommer 2015 soll das Kraftwerk in Betrieb gehen. Die 93 Lüfter werden der größte Teil der Anlage sein. „Das ist die maximale Planung“, erklärte Wiendieck. Wieviele im Endeffekt gebraucht werden, hängt von den Bohrungen ab. Damit das Kraftwerk nicht so ins Auge sticht, sollen ein Erdwall sowie Bäume und Büsche in die Landschaft eingefügt werden. Wiendieck wollte in seiner Präsentation noch mal klar stellen, dass das Geothermiekraftwerk CO2-frei sein wird und keine Treibgase ausgestoßen werden. „Das Kraftwerk ist frei von Strahlungen, Abfällen, sonstigen Schadstoffen oder Nebelschwaden“, sagte er, „die Geothermie ist grundlastfähig, kann also rund um die Uhr Strom liefern. Das Kraftwerk ist zu 95 Prozent im Einsatz.“ Viel Zeit um Fragen zu stellen hatten die Bürger nach dem Vortrag allerdings nicht. Steigenberger ließ die Fragerunde nach gut 20 Minuten abbrechen, da die Bürgerversammlung sich sehr in die Länge gezogen hatte. Der Rückblick vom Bürgermeister und Landrat Dr. Friedrich Zeller hatte viel Zeit in Anspruch genommen, auch wenn Zeller sich kurz hielt. Mehr zu den Fragen und Antworten lesen Sie im grauen Kasten.

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