Präsident des ifo Instituts betont Handlungsbedarf auch in der Standortpolitik

IHK Regionalausschuss lud erstmals zum Wirtschaftsempfang

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V.li.: Klaus Bauer, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Jens Wucherpfennig, Leiter IHK-Geschäftsstelle Weilheim; Bürgermeister Markus Loth, MdL Harald Kühn, Prof. Dr. Dr. h.c. Clemens Fuest.

Weilheim – Premiere für die IHK in der Region: Erstmals lud der Regionalausschuss zum Wirtschaftsempfang unter dem Motto „Wirtschaft & Gesellschaft im Austausch“ ins Stadttheater. Dieser Einladung folgten Unternehmer, Kommunalpolitiker und Vertreter verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen. Festredner war Prof. Dr. Dr. h.c. Clemens Fuest, Präsidenten des ifo Instituts.

Nach Sektempfang und musikalischem Auftakt durch die Jazz-Combo des Gymnasiums Weilheim ging’s in eine erste Talkrunde. Auf der Bühne begrüßte Moderatorin Vera Cornette vom Bayerischen Rundfunk den Vorsitzenden des IHK-Regionalausschusses Weilheim-Schongau Klaus Bauer, Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Bürgermeister Markus Loth. Bauer betonte, dass der Regionalausschuss regelmäßig wirtschaftliche Themen diskutiere. „Wir verstehen uns als Plattform zwischen Politik und Wirtschaft“, so Bauer.

Landrätin Jochner-Weiß zeigte sich „stolz, froh und glücklich“, dass die Wirtschaft im Landkreis mit ihrem breitgefächerten Portfolio so erfolgreich sei. Nur dank sprudelnder Gewerbesteuereinnahmen seien Landkreisvorhaben wie der Bau der neuen Berufsschule mit einem Volumen von 70 Mio. Euro möglich. Dabei sei man seitens des Landkreises ständig im Kontakt mit IHK-Regionalausschuss-Chef Klaus Bauer. Bürgermeister Loth, der mit den Fraktionsvorsitzenden seit zwei Jahren einen Austausch mit der IHK pflegt, sieht vor allem im Bereich Mobilität große Herausforderungen: „Ein wichtiger Bestandteil ist die Entlastungsstraße für den Wirtschaftsstandort.“ Klaus Bauer plädierte hinsichtlich des Flächenfraßes auch für einen verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Umwelt. Hier seien vernünftige Lösungen für die Zukunft gefragt.

Dann hatte, wie Cornette es ausdrückte, der „Leibarzt der Wirtschaft“ das Wort: Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates beim Bundesministerium der Finanzen. Er gab einen Überblick über die aktuelle Situation der deutschen Wirtschaft. Nach Abwägung verschiedenster Faktoren erwartet er eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation, wobei dieser Erwartung verschiedene Annahmen zugrunde liegen, etwa ein gleichbleibender Ölpreis, kein harter Brexit, keine Eskalation des Handelskriegs mit den USA und keine Verschärfung der Lage bezüglich China. „Natürlich sind das Annahmen, entscheidend ist die tatsächliche Entwicklung“, so Fuest. Wichtigen Einfluss nehme der Protektionismus. „Im Wettbewerb der Spitzentechnologien muss man nicht immer ganz vorn dabei sein“, so der ifo-Präsident. 

Gerade Investitionen in Forschung seien ein nicht zu unterschätzender Posten. Hier könne Deutschland von Schweden lernen. Handlungsbedarf sieht Fuest bei der Standortpolitik. So seien die Steuern auf Unternehmensgewinne bei uns im Vergleich der G7-Staaten am zweithöchsten. Auch in der Energiepolitik seien Weichenstellungen nötig, da in Deutschland der Strom eher zu teuer, das Heizen eher zu billig sei. Sein Fazit: Deutschland braucht eine entschlossene Politik der Förderung des Wirtschaftsstandortes. Auf Cornettes Frage, ob der Immobilien-Boom anhalte, meinte er, das größte Problem sei die Baulandausweisung, da Zuzug und niedrige Zinsen die Preise in die Höhe treiben. Mit Combo-Klängen schloss der offizielle Teil, danach wurde die Möglichkeit zum ungezwungenen Austausch im Foyer des Theaters genutzt.

Von Bianca R. Heigl

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