Fußgängerzone erweitern? Alle Weilheimer ab 16 Jahren sollen sich jetzt dazu äußern

Klare Mehrheit für Befragung

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Bei der Befragung durch das Projektteam sprachen sich in der Pöltnerstraße 78 Prozent der Gewerbetreibenden gegen eine Erweiterung der Fußgängerzone aus.

Weilheim – Das Dauerthema Fußgängerzonen-Erweiterung lockte reichlich Publikum in die Stadtratssitzung. Aufmerksam verfolgten die Besucher, unter ihnen viele Geschäftsleute aus der Innenstadt, die Präsentation des Gutachtens mit Diskussion und Abstimmung über das weitere Prozedere.

Der Stadtrat beschloss mit großer Mehrheit (drei Gegenstimmen, Freie Wähler), alle Bürger ab 16 Jahren in der Zeit vom 1. bis 12. März nach ihrer Meinung zu befragen. Mit 16:14 Stimmen knapp fiel die Entscheidung, bei der Fragestellung den Vorschlag der Fachplaner zu übernehmen. Am Mittwoch, 28. Februar, um 19 Uhr, wird das Gutachten in der Stadthalle vorgestellt. Die Beschlussfassung des Stadtrates ist für 22. März angesetzt. 

Was bisher geschah: Die mit dem Gutachten beauftragte Projektgemeinschaft „Ingevost/Cima“ hatte die Innenstadt auf den Prüfstand gestellt. In dem möglichen Erweiterungsgebiet (Pöltner-, Lederer-, Hof-, Admiral-Hipper-Straße, Kirchplatz) wurden Verkehrszählungen durchgeführt, Einzelhandel und Dienstleitungen untersucht, Grundstückseigentümer, Geschäftsinhaber, Bewohner und Passanten befragt. In zwei Lenkungskreis-Sitzungen waren die Stadtratsfraktionen sowie Vertreter der Geschäftsinhaber, Grundstückseigentümer und Behörden eingebunden. Die Auswertungen, Vorschläge und Anregungen wurden von „Ingevost/Cima“ zusammengefasst und fachlich beurteilt. Mit dem Gutachten befasste Vertreter der Projektgemeinschaft stellten die Ergebnisse und Möglichkeiten verkehrlicher Maßnahmen im Erweiterungsgebiet vor.

Weilheims attraktive Innenstadt und Fußgängerzone mit ihrer Mischung aus inhabergeführtem Einzelhandel und breitem Dienstleistungs- und Gastronomieangebot kann  sich „absolut sehen lassen“, konstatierte Jan Vorholt („Cima“)  den Status quo. „Eine Situation, wie man sie ganz selten findet“, wobei sich die Betriebe mit der größten Anziehungskraft auf die Schmied- und Admiral-Hipper-Straße konzentrieren, so der Projektleiter.

Der innerstädtische Einzelhandel bleibe auch mittelfristig ein „Anker“. Dieses gut funktionierende System einem Risiko auszusetzen, bewertete Vorholt kritisch, da weder die Flächen vermehrbar noch einzelne Lagen aufwertbar seien. Von einer größeren Fußgängerzone seien deshalb eine Schwächung des Einzelhandels- und Dienstleistungsstandortes zu erwarten. Eine Passantenzählung ergab die höchsten Werte in der Schmied- und Admiral-Hipper-Straße. Deutlich geringer war ihre Frequenz außerhalb der 1a-Lagen, in einer größeren Fußgängerzone würde sie weiter abnehmen, so die Einschätzung.

Die Befragung von Einzelhandel und Dienstleistung (Rücklauf 66 Prozent) ergab, dass 64 Prozent in einem erweiterten Fußgängerbereich Umsatzeinbußen befürchten. 70 Prozent der befragten Gewerbetreibenden schätzen die Risiken deutlich höher ein als die Chancen. Vor allem die Geschäftsleute in Admiral-Hipper- und Pöltnerstraße äußerten sich negativ, resümierte Vorholt. Aus Sicht des Einzelhandels und der Dienstleister brauche es keine größere Fußgängerzone, allerdings gebe es in der Innenstadt noch „Hausaufgaben zu erledigen“.

Laut Verkehrs- und Stadtplaner Christian Fahnberg („Ingevost“) halten sich im verkehrsberuhigten Bereich nur wenige an die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit. Für die Anwohner sei wichtig, dass sie bis zu ihren Wohnungen fahren können, 54 Prozent sprachen sich gegen eine Fußgängerzonen-Erweiterung in ihrer Straße aus, 51 Prozent der Eigentümer äußerten sich ebenso. Am stärksten war die Ablehnung im Bereich Hofstraße und Kirchplatz. Auch die wenigen Unfälle in der Innenstadt geben keinen Anlass, die Situation zu verändern, ergänzte Fahnberg. Zwei Drittel der befragten Fußgänger befürworteten eine Ausweitung.

Schlussfolgerungen aus der Verkehrsanalyse: Erweiterung der Fußgängerzone birgt Risiko. Durchgangsverkehr reduzieren. Allenfalls in Admiral-Hipper-Straße bauliche Maßnahmen durchführen und Ausgang auf eine Spur verengen, in Gegenrichtung Einfahrt für Radler schaffen. Maßnahmen zur Einhaltung der Geschwindigkeitsanordnungen treffen. Parkraumkonzept für Anwohner konkretisieren. „Die Verengung auf eine Spur und das Anwohnerparken müssen diskutiert werden“, so Bürgermeister Loth.

FW gegen Befragung

In der Diskussion positionierten sich die Fraktionen erneut: Kein Risiko eingehen, Hände weg von einer erweiterten Bürgerbefragung und überlegen, wie man den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt herausbekommt, plädierte Walter Weber von den Freien Wählern eindringlich. Laut Gutachten würde die Mehrheit der Betroffenen eine Vergrößerung ablehnen. Eine Bürgerbefragung könne aber zu einem umgekehrten Ergebnis führen, befürchtete der FW-Sprecher.

Alfred Honisch von den Grünen, die die Diskussion mit der Fußgängerzonen-Erweiterung auf Lederer- und Hofstraße ins Rollen gebracht hatten, bejahte die Befragung, kritisierte aber wie andere Stadträte auch deren Formulierung. Die Befragung sei „nur ein Baustein für die Entscheidung des Stadtrats“, betonte Klaus Gast (CSU). Petra Arneth-Mangano (SPD) vermisste in den Ausführungen der Planer „die positiven Aspekte“. Diese lagen, ergänzte Vorholt, hauptsächlich im gastronomischen Bereich. Ihr Ja zur Bürgerbefragung signalisierten auch BfW, FDP und Wolfgang Mini (parteilos). Dr. Eckart Stüber (Grüne) brachte der Verlauf der Diskussion richtig in Rage: „Ich bin derjenige, der hier die längste akademische Laufbahn hat, zehn Jahre plus Doktorarbeit“, drückte der vehemente Verfechter einer größeren Fußgängerzone in der Sitzung sein Missfallen aus.

Von Maria Hofstetter 

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