Geteilte Meinungen bei Informationsabend zur Erweiterung der Fußgängerzone

Risiko höher bewertet als Chancen

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In der Stadthalle wurde über die Erweiterung der Fußgängerzone diskutiert und das Gutachten vorgestellt.

Weilheim – Den meisten BürgerInnen Weilheims ist in den letzten Tagen bestimmt aufgefallen, dass sich neben der täglichen Hauspost auch noch etwas anderes in ihrem Briefkasten befand – eine Befragung zum Thema Erweiterung der Fußgängerzone.

So auch bei Sabine Kleber aus Weilheim. Um darüber abzustimmen, ob eine größere Fußgängerzone ihrer Meinung nach notwendig ist, wollte sich die Weilheimerin jedoch zuerst „besser informieren und sich ein genaues Bild machen“. Wie sie besuchten am Mittwochabend auch andere Bürger die Stadthalle, in welcher im Rahmen eines Informationsabends über das Thema diskutiert wurde.

Zuerst wurde jedoch ein von der Stadt beauftragtes Gutachten der Projektgemeinschaft „Ingevost/Cima“ vorgestellt, das die Innenstadt auf den Prüfstand stellt und in der letzten Stadtratssitzung bereits präsentiert wurde (wir berichteten). Dieses Gutachten sei nötig, so Bürgermeister Markus Loth, da das Thema fachlich aufgearbeitet werden muss, sonst gebe es „eine rein emotionale Abstimmung“. In dem potentiellen Erweiterungsgebiet Pöltner-, Lederer-, Hof-, Admiral-Hipper-Straße und Kirchplatz wurden die aktuelle Angebotssituation analysiert, die Passantenfrequenz gezählt, Einzelhandel und Dienstleistungen untersucht, Grundstückseigentümer, Geschäftsinhaber sowie Anwohner befragt und eine Verkehrszählung unternommen. Ein weiterer Baustein der Untersuchung ist nun die Befragung aller Weilheimer über 16 Jahre.

Das Gutachten ergab aus Sicht der Projektgemeinschaft folgendes: „Es gibt wenige Städte, in denen die Innenstadt so gut funktioniert wie in Weilheim“, so Vorholt. Ziel einer Erweiterung müsse immer sein, dass das System danach noch genauso gut funktioniert wie zuvor. Genau da sehen die Experten ihre Bedenken. Die Innenstadt werde einem Risiko ausgesetzt, da weder einzelne Lagen aufwertbar noch die Flächen vermehrbar seien. Dies könne zu einer Schwächung des Einzelhandels- und Dienstleistungsstandortes führen.

Außerhalb der 1a-Lage wurden deutlich geringere Passantenfrequenzen gezählt. Bei den Händlern und Dienstleistern überwiegen die Zukunftsängste die Chancen, welche eine Erweiterung mit sich bringen würde. Den Anwohnern sei vor allem wichtig, dass sie bis zu ihren Wohnungen fahren können und die Erreichbarkeit in der Innenstadt gewährleistet bleibt. Auch eine teilweise Erweiterung auf die Lederer- und Hofstraße, wie sie ursprünglich von den Grünen gefordert worden war, sei aus Expertensicht abzulehnen.

Bauliche Maßnahmen seien laut Christian Fahnberg („Ingevost“) allenfalls in der Admiral-Hipper-Straße notwendig. Aus Sicht der Experten überwiegen bei einer Erweiterung der Fußgängerzone die negativen Aspekte deutlich.

Die Meinungen der knapp 100 Besucher, unter denen sich zahlreiche Stadträte und Mitglieder der Stadtverwaltung befanden, waren in der gut zweistündigen Veranstaltung durchwachsen. Einige Besucher kritisierten, dass in dem Gutachten vermehrt die Ängste der Gewerbetreibenden, die eine abnehmende Kundenfrequenz aufgrund schwieriger Erreichbarkeit befürchten, aufgezeigt wurden. „Man muss nicht mit dem Auto direkt vor das Geschäft fahren“, fand ein Weilheimer. Die Attraktivität hänge vom Können der Kaufleute ab und von nichts anderem, ergänzte er. Gewerbetreibende hätten immer Angst vor der Erweiterung einer Fußgängerzone, mahnte ein anderer Bürger. „Wir haben alle acht Bausteine gleichermaßen gewertet und nicht nur die wirtschaftliche Sicht ins Gewicht genommen“, konterte Vorholt. Eine gewisse Erreichbarkeit sollte jedoch gewährleistet werden.

Warum vor allem die Risiken aufgezeigt wurden, nicht aber die Chancen, die durch eine Erweiterung möglich wären, interessierte eine Bürgerin. Ihr Vorschlag, eine Erweiterung erst einmal auszuprobieren und falls es nicht funktioniert, sie wieder rückgängig zu machen, stieß auf Ablehnung. Das Ergebnis der Untersuchung sei eindeutig ausgefallen, so Vorholt.

Von einigen Bürgern wurden auch das hohe Verkehrsaufkommen und der Durchgangsverkehr im potentiellen Erweiterungsgebiet bemängelt. „Ich bin für eine Fußgängerzonenerweiterung, weil ich zu 99,8 Prozent mit dem Fahrrad in die Stadt fahre und froh bin, wenn ich kein Auto brauche“, äußerte sich der Weilheimer Martin Gansneder auf Nachfrage des Kreisboten. „Jedem gesunden Bürger ist es doch zumutbar, in wenigen Schritten in die Innenstadt zu gehen. Von der Tiefgarage aus ist es wirklich nicht weit“, so eine Bürgerin. Wichtig sei jedoch, dass im potentiellen Erweiterungsgebiet mit dem Fahrrad gefahren werden kann, gaben manche Bürger zu bedenken.

Ein Anwohner in der Hofstraße, der dort bereits seit 60 Jahren lebt, wollte eine Lanze für die Bewohner der Innenstadt brechen: „Es ist wichtig, sein Anwesen zu erreichen. Oder wären Sie bereit, Ihre Einkäufe so weit zu schleppen?“, fragte er in die Runde. Er sehe keine Notwendigkeit für eine Erweiterung. „Die Beruhigung der Innenstadt ist schon massiv fortgeschritten. Der Einzelhandel würde massiv darunter leiden“, gab ein Besucher zu bedenken. Auch die Erreichbarkeit für den Einzelhandel sei enorm wichtig, wie ein weiterer Besucher ergänzte. Ein Anwohner aus der Hofstraße bemängelte zudem die wenigen Parkplätze in der Innenstadt.

Um die verkehrliche Situation in Weilheims Innenstadt zu verbessern, wurden Vorschläge gemacht, wie: Die Parkplätze nach außen ausweiten und eine Umfahrung realisieren. „Die Planungen zur Umgehungsstraße laufen im Staatlichen Bauamt auf Hochtouren“, erklärte Loth.

Bis Montag, 12. März, kann an der Bürgerbefragung teilgenommenen werden. Die Beschlussfassung des Stadtrates ist für Donnerstag, 22. März angesetzt. 

Von Maria Lindner

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