Petitionsausschuss beim Ortstermin in Pähl

Eselfarm Pähl: Diskussion geht weiter

MdL Anne Franke (Grüne) mit einem Langohr, davor das Ehepaar Anahid Klotz und Gerhard Gregori sowie rechts MdL Berthold Rüth (CSU).
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Um den Verbleib der Eselfarm ging es beim Ortstermin des Landtags-Petitionsausschusses in Pähl. Unser Bild zeigt MdL Anne Franke (Grüne) mit einem Langohr, davor das Ehepaar Anahid Klotz und Gerhard Gregori sowie rechts MdL Berthold Rüth (CSU).
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Pähl – Es ging wieder einmal aus wie das berühmte Hornberger Schießen: Viel Rauch, Diskussionen und auch Zankereien, aber kein Ergebnis. Wegen der vom Landratsamt Weilheim-Schongau verordneten Abrissbirne und damit dem Ende der Eselfarm „Asinella“ traf sich der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags vor Ort in Pähl-Hinterhadern.

Neben den Abgeordneten Anne Franke (Bündnis 90/Die Grünen) und Berthold Rüth (CSU) suchten nach einer Lösung unter anderem Alexander Gallus vom Bauministerium, Matthias Anzinger vom Landwirtschaftsministerium und Dr. Stefan Gabler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Weilheim, Stefan Weiß vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim und natürlich die Petenten Anahid Klotz mit Ehemann Gerhard Gregori und ihrer Rechtsanwältin Theresa Walter. Aufmerksamer Beobachter mit korrigierenden Zwischenbemerkungen war Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer, der laut MdL Anne Franke mit einer Anzeige den Stein ins Rollen gebracht hatte. Zur Enttäuschung von Klotz waren weder Landrätin Andrea Jochner-Weiß noch ein Vertreter des Landratsamtes zugegen, das nach drei Kontrollen wegen fehlender Baugenehmigungen eine Abrissanordnung zum Termin Mai 2020 angeordnet hatte.

Mit diversen Einsprüchen, Gutachten und schließlich der Einschaltung des Bayerischen Landtags konnten Klotz und ihr Mann den Abriss bis dato verhindern. Es ging zunächst um den „Schwarzbau“ Esel- und Schafstall samt Heulager und Mistlege, für die es keine Baugenehmigungen gab. Die Anträge hat Klotz inzwischen sowohl bei der Gemeinde Pähl als auch im Landratsamt zur nachträglichen Genehmigung eingereicht. Auch das Toilettenhäuschen war Streitpunkt. Man hatte Klotz angeraten, Dixi-Klos aufzustellen, was bis heute nicht erfolgt ist.

Diskutiert wurde über das sogenannte Wohnhaus aus dem Jahre 1945, für das es zwar Unterlagen im Bayerischen Staatsarchiv gibt, aber keine offizielle Genehmigung. Der Schwiegervater von Klotz hatte das Anwesen 1980 gekauft und mit Sohn Gerhard Gregori als Landwirtschaft geführt. 2005 erfüllte sich Klotz ihren Lebenstraum und erweiterte den Bauernhof mit der Eselfarm „Asinella“. Wegen dieser „Eselei“ sahen die Behörden hier keinen landwirtschaftlichen Betrieb mehr. Klotz hatte nämlich keine offiziellen Anträge für eine „landwirtschaftliche Privilegierung“ gestellt, weil sie ganz selbstverständlich davon ausging, eine Landwirtschaft zu betreiben. Die Eselfarm sei nach Einschätzung der Behörden aber ein Gewerbebetrieb und könne nur in einem Gewerbegebiet oder einem dörflichen Mischgebiet ansässig sein.

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sah das in seinem Gutachten anders und kam zu dem eindeutigen Schluss: „Es handelt sich um Landwirtschaft im Sinne von § 201 BG“. MdL Franke drückte ihre Verwunderung darüber aus, dass diese AELF-Stellungnahme und die festgestellte Privilegierung „im Ganzen vom Landratsamt ignoriert und nicht anerkannt wird“.

Die Grünen-Abgeordnete kämpfte vor Ort leidenschaftlich für Erhalt und Weiterführung der historisch gewachsenen Anlage. Ihr CSU-Kollege Rüth bremste das Abgleiten in Historie und Nebenschauplätze aus und beurteilte nüchtern die Faktenlage: „Auch für privilegierte Vorhaben müssen Pläne eingereicht und genehmigt werden.“ Er sprach sich für eine Lösung im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten aus. Die Verwaltung sei jetzt am Zuge. Dem schloss sich Gallus vom Bauministerium an, der eine Gesamtlösung anstrebt. Dazu will er vom Landratsamt Weilheim eine genaue Aufstellung anfordern, welche Bauanträge noch einzureichen sind. Spätestens im Herbst will der Petitionsausschuss des Landtags wieder beraten.

Bürgermeister Grünbauer möchte aber hier im Außenbereich keinen Präzedenzfall schaffen und dämpfte die Hoffnungen. Klotz bat den Tränen nah um Rettung ihres Lebenswerks und fragte in die Runde, „warum man uns fertig- und pleitemachen will?“ Mit rund 60 000 Euro Verfahrenskosten sei die Familie schon ausgelaugt und mit den Nerven am Ende.

Trotz der teils emotionalen Diskussion zogen die zehn Esel der Farm mit stoischer Ruhe ihre Runden und stupften wie zur Ermahnung immer wieder die Besucher an.

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