Siegt das Baurecht über eine gewachsene Institution?

Eselfarm in Pähl droht trauriges Ende

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Ein Herz und eine Seele sind die Tiere der Pähler Asinella-Eselfarm und Anahid Klotz. Das Idyll könnte bald beendet sein, wenn Bau- und Landwirtschaftsamt auf ihren Vorschriften beharren und den Hof nicht nachträglich privilegieren.

Pähl – Anahid Klotz versteht die Welt nicht mehr. Genauer gesagt die komplizierte Welt der Paragraphen. Die 54-Jährige betreibt in Pähl eine Landwirtschaft, die ihr Schwiegervater 1980 gekauft hat. Das historische Anwesen mit Stallungen und Nebengebäuden wurde kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von einem Münchner Schreiner erbaut, dessen Haus in der Landeshauptstadt zerbombt worden war. 2015 erfüllte sich Klotz ihren Lebenstraum und erweiterte den Bauernhof mit der Eselfarm „Asinella“.

Dem gesamten Anwesen und den Therapie-Eseln drohen Ende und Abriss, weil das Landrats-

amt Weilheim-Schongau hier keinen landwirtschaftlichen Betrieb mehr sieht. Nur ein solch „privilegierter“ Betrieb dürfe im Außenbereich Gebäude unterhalten. Die Eselfarm sei ein Gewerbebetrieb und könne nur in einem Gewerbegebiet oder dörflichen Mischgebiet ansässig sein. Klotz und ihr Mann hatten keine offiziellen Anträge für eine „landwirtschaftliche Privilegierung“ gestellt, weil sie ganz selbstverständlich davon ausgingen, eine Landwirtschaft zu betreiben. Sie bewirtschaften acht Hektar Land, haben drei Rinder, drei Ziegen, 20 Schafe, zehn Hühner und 28 Bienenvölker. Die elf Esel will das Bauamt aber nicht als „traditionelle Nutztiere“ anerkennen. Sie produzieren weder Milch noch würden sie geschlachtet werden. Da sie als Therapietiere oder für Eselwanderungen eingesetzt werden, sei das ein Gewerbe.

„Nur wegen der Esel will man uns jetzt komplett den Garaus machen“, versteht Anahid Klotz die Paragraphen-Reiterei um ihre Eselei nicht. Warum das angebliche „Problem“ nach 15 Jahren unbeanstandeter Kontrollen durch das Veterinäramt plötzlich auf den Tisch kam, beruht auf einer anonymen Anzeige. Klotz glaubt den Urheber zu kennen, hält sich aber noch bedeckt. Sie hofft immer noch auf eine friedliche Lösung mit Hilfe eines Rechtsanwaltes oder einer Mediation.

Derzeit werde die Angelegenheit sehr gründlich im Weilheimer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten geprüft, wie Behördenleiter Dr. Stefan Gabler beteuerte. Landrätin Andrea Jochner-Weiß berief sich in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk auf die Gleichheit aller vor dem Baurecht: „Das Ganze ist eine rein baurechtliche Sache. Da geht es nicht um Tiere, Esel oder Menschen. Es sind halt keine Bauanträge da.“ Dem widerspricht Klotz: Für das Anwesen gebe es sehr wohl eine Baugenehmigung und einen entsprechenden Eintrag im Grundbuch.

Sogar das Magazin „Quer“ des BR hat sich der Pähler Eselei sehr positiv angenommen und fragt: „Wann ist ein Bauer ein Bauer? Eselfarm soll keine Landwirtschaft sein.“ Im Internet läuft eine „openPetition“, in der die „Erteilung der landwirtschaftlichen Privilegierung, die offizielle Benennung als Landwirtschaft und die nachträgliche Baugenehmigung all der vorhandenen Gebäude“ gefordert wird. Die Eselfarm sei eine Landwirtschaft zum Anfassen, transparent und mit sozialen Aspekten. Allein das verfügte Abreißen der über 100 Jahre alten Bienenstockhäuser sei eine nie wieder gutzumachende Tragödie für Natur und Umwelt. Bislang haben sich über 4 500 Unterstützer bei der Online-Petition eingetragen. Aus dem Landkreis fehlen für das Quorum von 1 400 aber noch etliche Unterschriften. Das kann manhier nachholen.

Von Dieter Roettig

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