Denkmalschutz prüft Eselfarm

"Eselflüsterin" Anahid Klotz kämpft weiter für ihre Therapie-Tiere

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Anahid Klotz und ihr Mann Gerhard Gregori (li.) führen hier Hubertus Heinrich und Dr. Detlef Knipping (v. re.) vom Denkmalschutz durch das Gelände von Bauernhof und Eselfarm. Im Hintergund das 1945 erbaute Wohnhaus.

Pähl – Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber predigt die Schlagworte Diversifizierung, Risikostreuung und Zusatzeinkommen, damit bäuerliche Betriebe ihre Existenz langfristig sichern können. Dazu gehören Urlaub auf dem Bauernhof, Direktvermarktung oder Lern- und Erlebniswelt Bauernhof. Letztere gibt es seit 15 Jahren in Pähl mit der Eselfarm „Asinella“. Wie lange noch, nachdem die Behörden Gründe für eine Schließung aus dem Hut gezaubert haben?

Anahid Klotz und ihr Mann Gerhard Gregori betreiben neben der klassischen Landwirtschaft die Farm mit elf als Therapietiere ausgebildeten Eseln. Ihnen droht der Gnadenhof oder gar der Schlachter, wenn das Landratsamt Weilheim-Schongau den Betrieb schließt. Jetzt hoffen Klotz und Gregori auf den Denkmalschutz, der Hof und Farm besichtigt hat.

Wie berichtet, will man der Eselfarm und dem Bauernhof mit Stallungen und Nebengebäuden aus dem Jahr 1945 sowie den teils über hundert Jahre alten Bienenhäusern den Garaus machen, weil die Behörden wegen der „Eselei“ hier keinen landwirtschaftlichen Betrieb mehr sehen. Angeblich liege dafür kein Bauantrag vor. Klotz hatte keine offiziellen Anträge für eine „landwirtschaftliche Privilegierung“ gestellt, weil sie davon ausging, eine Landwirtschaft zu betreiben. Sie und ihr Mann bewirtschaften acht Hektar Land, haben drei Rinder, drei Ziegen, 20 Schafe, zehn Hühner und 28 Bienenvölker. Aber nur ein „privilegierter“ Betrieb dürfe laut Vorschrift im Außenbereich Gebäude unterhalten. Die Eselfarm sei nach Einschätzung der Behörden ein Gewerbebetrieb und könne nur in einem Gewerbegebiet oder einem dörflichen Mischgebiet ansässig sein.

Nachdem Landrätin Andrea Jochner-Weiß vor einem Großaufgebot von Pressevertretern und TV-Kameras 7 263 Unterschriften von Fans und Befürwortern für einen Fortbestand der Eselfarm entgegengenommen hatte, kam jetzt der Denkmalschutz ins Spiel. Dr. Detlef Knipping vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und Hubertus Heinrich von der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt besuchten die Eselfarm. Sie wollten sich persönlich ein Bild davon machen, ob die Bauten und alten Landbearbeitungsgerätschaften in ihr Ressort fallen und schützenswert sind. Interessant fanden die Experten die Bienenhäuser, von denen das älteste über hundert Jahre alt ist. Im historisch erhaltenen Wohnzimmer des 1945 erbauten Wohnhauses gefiel besonders der 120 Jahre alte Kachelofen.

Klotz zum Kreisboten: „Gebäude und Geräte wurden von uns nicht wie Denkmalschutzobjekte behandelt, da eine Absicht in diese Richtung nie angedacht war. Die Gebäude sind soweit wie möglich historisch erhalten und in bester Verfassung. Wir mussten sie aber teilrenovieren, um sie betriebsfähig zu halten. Man schraubt hier ein neues Brett hin, man ersetzt dort einen angefaulten Sparren.“ Der 1946 errichtete in das Wohnhaus integrierte Kuhstall musste komplett renoviert werden, um den heutigen Anforderungen an Haltung und Hygiene zu bestehen.

Die Befürworter der Eselfarm fänden es schade, wenn die regelmäßigen Eselbesuche in Schulen, Seniorenheimen, Einrichtungen für behinderte, blinde oder autistische Kinder bis hin zu schwertraumatisierten Frauen oder die Ferienprogramme nicht mehr stattfinden könnten.

Rainer Schömig, Leiter der Abteilung Bauen und Umwelt im Landratsamt, sagte in einem TV-Interview: „In diesem Fall ist das Problem, dass der Betrieb durch die Eselfarm geprägt wird. Die Landwirtschaft macht im Baurecht die Bodenertragsnutzung aus; die Eselfarm verfolgt das eben nicht, sondern ist eine gewerbliche Tätigkeit, weil sie eine Dienstleistung darstellt.“ Ob die Erträge der Rinder-, Schaf-, Hühner- und Bienenhaltung den privilegierten Bau und Erhalt der Gebäude rechtfertigen, prüft das Weilheimer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Freunde rieten „Eselflüsterin“ Klotz, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber einzuladen. Am besten noch zur Ferienzeit. Wer hier die Begeisterung der Kids um Umgang mit den zahmen Eseln erlebt hat, wird nie verstehen, warum der Amtsschimmel so vehement gegen die Farm wiehert. Auch wenn er teilweise im Recht ist.
Von Dieter Roettig
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