Kreisboten-Serie: Ehrenamt ‒ Die Helfer im Verborgenen

Eva-Maria Muche – das Gesicht der Weilheimer Tafel

Eva-Maria Muche von der Weilheimer Tafel
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Eva-Maria Muche hat als Helferin bei der Tafel angefangen, als sich der Verein, in dem sie sich bis dato engagiert hatte, auflöste. Seit zwölf Jahren ist sie nun Sprecherin der Weilheimer Tafel.
  • Ursula Gallmetzer
    VonUrsula Gallmetzer
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Weilheim – Wer nicht genug Geld hat, um sich Lebensmittel zu kaufen, kann sich an die Tafel wenden. Jeden Donnerstag verteilen einige der insgesamt 68 Mitarbeiter im evangelischen Gemeindehaus Nahrung an Bedürftige. Eine von ihnen ist seit vielen Jahren Eva-Maria Muche. Der Kreisbote hat sie besucht.

Es war 2009 und Eva-Maria Muche stand gemeinsam mit anderen Helfern vor der verschlossenen Tür der Tafel. Die bisherige Leiterin hatte bereits ein paar Monate zuvor ihren Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen angekündigt. Danach wurde das Thema jedoch nie mehr besprochen. Da warteten sie nun, die Freiwilligen ohne Organisatorin, und ein Notfallplan musste her.

Der wurde umgehend erarbeitet. Die Aufgaben wurden verteilt: Büro, Verbandsarbeit, Koordination von Lieferungen, Fahrern und Mitarbeitern. Doch ein Sprecher, der die Tafel nach außen hin repräsentiert, fehlte. „Die anderen haben mich überredet, dass ich es mache“, erinnert sich die heute 69-Jährige. „Ich war damals die Jüngste unter den Helferinnen“, sagt sie und ergänzt: „Durch meinen Beruf als Architektin organisiere ich gerne und habe viele gute Verbindungen in der Gegend.“ So war schnell klar: Die gebürtige Garmischerin, die in Weilheim aufwuchs, ist die Sprecherin der Weilheimer Tafel.

Auch zwölf Jahre später ist das noch so. Bereut hat Muche diese Entscheidung nie. Zwar ärgert sie sich manchmal auch über Kunden, erlebt aber oft schöne Momente: „Wenn es das Positive nicht gäbe, würde man es nicht machen.“

Die Pandemie stellte die Ehrenamtlichen der Tafel vor neue Herausforderungen. Bei er Ausgabe müssen alle Hygieneauflagen eingehalten werden, was die Kundschaft nicht immer einsieht. Auch, dass es bei der Ausgabe derzeit nur fertig gepackte Tüten gibt, gefällt nicht jedem. „Wer wirklich bedürftig ist, der freut sich auch über die Tüten“, ist Muche sehr pragmatisch. „Ich kenne unsere Kunden“, erklärt sie, dass derzeit wenig Rentner, sondern hauptsächlich Menschen, die persönliche Probleme haben und viele Hartz-IV-Empfänger auf der Liste stehen. „Man gewöhnt sich an den Typ Mensch. Viele sind in der Situation, weil sie das Leben nicht auf die Reihe bekommen.“

Um die 90 Berechtigten gibt es derzeit in Weilheim, vor der Pandemie waren es noch 120. Warum die Zahl gesunken ist, weiß keiner. Muche hofft, dass einige einen Job gefunden haben. Denn gerade Alleinerziehenden gelinge dies oft, da sie lediglich während der Kinderpause Unterstützung brauchen. Auch zahlreiche Flüchtlinge, die einst zur Tafel gingen, arbeiten inzwischen.

Wer sich nicht benimmt bei der Ausgabe, bekommt deutliche Worte von Muche zu hören. „Manchmal sagen sie, ich bin die böse Frau am Eingang“, sagt sie und lacht. Doch Ermahnung zur Einhaltung der Regeln, wie Pünktlichkeit oder Abstand halten, sei nun einmal wichtig.

Privat mag es die zweifache Mutter und dreifache Oma lieber gemütlich. Sie läuft in ihrer Wohnung am liebsten barfuß, stickt, strickt und näht gerne. Um Abstand vom Alltag zu finden, liebt sie Städtereisen. „Ich bin kein Naturtyp“, gesteht die Rentnerin, die gelegentlich auch noch als Architektin aushilft. „In Weilheim ist Natur genug“, findet sie. Die Berge sind ihr zu langweilig, den Strand meidet sie wegen einer Sonnenallergie. „Kunst und Kultur gehören für mich zu einem Urlaub dazu.“ Dennoch fährt sie demnächst mit ihrem Mann zum Segeln an die Nordsee. Ein Novum, denn meist haben die beiden getrennt Urlaub gemacht. Zum einen, weil einer immer im gemeinsamen Architekturbüro die Stellung halten musste, zum anderen, weil die Interessen sehr unterschiedlich sind. Dennoch lässt Muche sich auf das Abenteuer ein und schippert bald von Emden bis zum IJsselmeer. „Und vielleicht lässt sich mein Mann ja auch mal in ein Museum mitschleppen.“

Ehrenamtliche gesucht

In diesem Jahr will der Kreisbote den Ehrenamtlichen Platz geben. Einmal pro Monat erscheint ein Porträt eines Menschen, der sich besonders engagiert. Sie kennen eine solche Person? Gerne können Sie uns Ihre Vorschläge unter redaktion-wm@kreisbote.de schicken.

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