Glump oder nicht? Experten von "Kunst & Krempel" begutachten Schätze in Bernried

Bin ich reich?

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Redakteur Dr. Florian Maurice (li.) und der Experte für Gemälde, Kunst und Papier, Dr. Herbert Giese aus Wien, ließen hinter die Kulissen von Kunst & Krempel blicken.

Bernried – „Diese Ohrringe sind ein Vermögen wert“, das steht auf einem alten Schriftstück, mit dem ein junges Paar schüchtern an den Tisch bei der Aufzeichnung von „Kunst & Krempel“ tritt. „Sie waren ein Geschenk von König Ludwig.“ Kann diese Geschichte wirklich stimmen? 

Die Skepsis steht den beiden ins Gesicht geschrieben. Die Schmuckexperten Dr. Carl Ludwig Fuchs und Dr Haidrun Wietler begutachten die filigranen Schwäne ausgiebig. Dann ihr fachkundiges Urteil: Die Ohrringe sind echt und knapp 3 000 Euro wert. König Ludwig schenkte sie einer Prinzessin, die, als sie ihr Kind in München bekam, ihrer Hebamme zum Dank die prachtvollen Schmuckstücke überließ. Generation für Generation wurden sie weiter vererbt und landeten schließlich bei der jungen Frau, die ungläubig am Tisch steht. Es steht fest: Sie will die wertvollen Ohrringe behalten. 

Etwa 300 Leute hatten sich beworben und wollten ihre Schätze von den Experten im Bayerischen Fernsehen schätzen lassen. 120 wurden dann auch eingeladen. Sichtlich angespannt warteten sie, ihre hoffentlich wertvollen Gegenstände vor sich ausgebreitet, dass die Gutachter ihre Erbstücke und Flohmarktschnäppchen endlich untersuchten. Geschätzt wurden auch alle, nur vor die Kamera durften nur 15 bis 20 pro Themengebiet. 

Unter den Wartenden saß auch Dr. Christina Knöll aus Weilheim. Mit einem großen Silberteller und englischen Kerzenständern erhoffte sie sich, in die Sendung zu kommen. Das ersehnte „K“ für „Kamera“ auf ihrem Teilnehmerzettel erhielt sie leider nicht. Vielleicht wusste sie einfach schon zu gut Bescheid, denn mitgebrachte Zertifikate bestätigen die Echtheit ihres Silbers. 


Welche Stücke am spannendsten sind? Das haben wir zwei Experten im Interview gefragt. Ausgestrahlt werden die Folgen aus Bernried ab 6. April immer samstags von 19.45 bis 20.15 Uhr im BR.


Glump oder nicht? Das ist hier die Frage 

Dr. Florian Maurice und Dr. Herbert Giese über Kunst, Krempel und "Wunderwuzis"


Sie sehen die Sendung „Kunst & Krempel“ als „Volksbildung“. Seit 1990 ist Dr. Herbert Giese, beeidigter Sachverständiger aus Wien, als Experte bei Kunst und Krempel tätig und sieht sofort, wenn ein Gemälde „a Glump“ ist. Redakteur der Sendung ist Dr. Florian Maurice. Die bundesweit eine Millionen Zuschauer sprechen für den Erfolg der Sendung im Bayerischen Fernsehen. Sie weckt den Voyeur im Menschen - da sind sich die zwei Doktoren einig. Der Kreisbote traf die beiden Herren zum Interview im Schloss Höhenried während der Dreharbeiten. 


Was ist bei der Auswahl der Gäste und Gegenständen zu beachten?

Dr. Florian Maurice: „Es sollten schon interessante und spannende Stücke sein, über die Experten und Besitzer etwas zu erzählen haben. Familienerbstücke ergeben meistens eine nette Geschichte.“

Was war denn die ausgefallenste Geschichte, die Sie erlebt haben?

Dr. Florian Maurice: „Ein Herr kam zu uns und brachte einen Teller mit, den er sehr entspannt trug. Dann stellte sich heraus, dass dieser um die 8 000 Euro wert war. Zurück trug er ihn dann sehr vorsichtig.“ Gilt denn: Umso älter, umso teurer?

Dr. Florian Maurice: „Nein, die Mode und der Geschmack ändern sich. Was in den 70ern oder 80ern hoch gehandelt wurde, muss heute nicht mehr so viel wert sein.“

Ging denn beim Transport schon etwas kaputt? 

Dr. Florian Maurice: „Bis jetzt ist noch nichts Gravierendes passiert. Aber es ist schon irre, mit was die Leute zum Teil ankommen. Sie wickeln ihre Schätze wie wahnsinnig ein oder zimmern Kästen, in denen der Gegenstand drin ist. Ich habe schon so einige ungewöhnliche Verpackungen gesehen.“ 

Wollen viele Gäste ihre Schätze verkaufen?

Dr. Florian Maurice: „In der Regel behalten viele ihre Gegenstände. Sie wollen den Preis wissen, wenn sie an das Erbe denken. Das Verkaufen ist eine Wissenschaft für sich. Sammlerstücke können auch mehr einbringen, als den eigentlichen Wert.“

Was macht die Sendung so erfolgreich? 

Dr. Herbert Giese: „Es wirkt wie eine Psychotherapie. Wir holen unsere Gäste ab und bringen sie wieder zurück. Selbst, wenn das mitgebrachte Stück nichts Besonderes ist, streicheln wir trotzdem die Seele ein wenig.“ 

Tun Ihnen die Menschen leid, die sich etwas erhofft haben, und enttäuscht werden? 

Dr. Herbert Giese: „Nein, ich bin nicht so emotional. Ich freue mich, wenn jemand etwas tolles hat und ich bin besonders nett zu demjenigen, der nichts Wertvolles hat.“ 

Sie sind Experte für Gemälde. Wie weiß man, ob dieses Bild wertvoll ist oder nicht?

Dr. Herbert Giese: „Hauptberuflich sehe ich tausende Bilder. Ich bin Experte bei den Geheimnisträgern und Wunderwuzis. Ich sehe es, und mein Hirn sagt mir, ob es ein Glump ist oder nicht. Da gibt es keine Geheimnisse. Das, was ich im Kopf haben muss, ist die Qualität des Bildes.“

Welche Geschichte hat sie in den 23 Jahren bei Kunst und Krempel am meisten beeindruckt? 

Dr. Herbert Giese: „Das war eine tolle Geschichte. Da haben Bruder und Schwester über ein Bild wieder zusammengefunden. Der Bruder war bei mir und die Schwester erkannte das Bild und rief bei uns an. Das war eine schöne Familienzusammenführung. Ein anderer Herr hatte einen Bienenstock. Da waren drei Bretter und auf der Unterseite entdeckte er Bildteile. Am Ende hatte das Bild einen Wert von 70 000 bis 80 000 Euro. Diese Bretter wurden dann nicht verwendet.“

Was reizt Sie an Bildern? 

Dr. Herbert Giese: „Bilder haben früher sehr viel erzählt. Was hat ein Vogelkäfig oder eine Blume bedeutet? Welche Bedeutung haben Personen? Es war wie eine Art nonverbale Information. Es gibt auch moderne Bilder, die mit der Zeit marschieren wollen. Heute herrscht visuelles Analphabetentum vor.“


Von Alma Jazbec und Ursula Gnadl




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