Es tut sich was beim Fahrradweg Birkenallee von Dießen nach Fischen

Radfreunde können wieder hoffen

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Versöhnliche Töne gegenüber Innenministerium und Naturschutz gab es bei der Medienkonferenz zum Thema Radweg Birkenallee von Dießen nach Fischen. Unser Bild zeigt (v.li.) Dießens derzeit amtierenden Bürgermeister Peter Fastl, Bürgermeister Werner Grünbauer (Pähl) und Bürgermeister Martin Höck (Raisting).

Dießen – Aufatmen bei den drei Bürgermeistern der Gemeinden Pähl, Raisting und Dießen. Ihr jahrelanger Kampf um einen straßenbegleitenden Fahrradweg entlang der Birkenallee von Dießen nach Fischen hat zumindest einen kleinen Etappensieg gebracht. Aus dem kategorischen Nein der Behörden aufgrund von Naturschutzbedenken ist zwischenzeitlich ein „Jein“ geworden, was Hoffnung für den Bau der Radwegeverbindung aufkeimen lässt.

Bei einem Mediengespräch im Dießener Rathaus erläuterten die Gemeindechefs, wie es zur Kehrtwende gekommen ist und wie es weitergeht. Demnach ist jetzt das Staatliche Bauamt Weilheim am Zug, das vor einer Entscheidung über ein neues Planfeststellungsverfahren „eine modifizierte und die Beeinträchtigung der ökologisch wertvollen Bereiche reduzierte Planung“ in die Wege leiten soll.

Politik kann grausam sein. Gerade noch lobte Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf, die mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß im Hintergrund die Fäden gezogen hat, dass der Birkenallee-Fahrradweg von Dießen nach Fischen vielleicht doch bald Realität wird. Da platzte die Meldung von Scharfs Ausmusterung im neuen Kabinett Söder in die Pressekonferenz im Dießener Rathaus. Trotz dem Ende der Ära Scharf gibt es eine erfreuliche Wende beim Dauerthema Fahrradweg Birkenallee. Darum schlagen die Bürgermeister Grünbauer (Pähl), Höck (Raisting) und Fastl (Dießen, als Stellvertreter von Herbert Kirsch) versöhnliche Töne an gegenüber Regierung und Naturschutz, die seit 32 Jahren den Bau des straßenbegleitenden Radweges verhindert haben. Nach zwei intensiven Gesprächsrunden mit Vertretern des Innenministeriums blieb es zunächst beim kategorischen Nein, das jetzt aber überraschenderweise aufgeweicht wurde. Das Staatliche Bauamt Weilheim wurde von oberster Stelle beauftragt, vor der Entscheidung über ein neues Planfeststellungsverfahren eine modifizierte und die Beeinträchtigung der ökologisch wertvollen Bereiche reduzierte Planung des Birkenweg-Radweges einzuleiten. Auftraggeber ist Ministerialdirektor Helmut Schütz von der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Inneren, für Bau und Verkehr. In einem Schreiben an MdL Harald Kühn (CSU) betonte er, dass die Radwegeverbindung ein komplexes Projekt sei, bei dem Umwelt- und Naturschutz, die Landwirtschaft und die Akzeptanz in der Bevölkerung eine wichtige Rolle spielen. Ob der Birkenallee-Radweg aber gebaut werden kann, könne nur in einem neuen Planfeststellungsverfahren geklärt werden. Auf Basis seinerzeitiger Planungen würde nach „einhelliger Einschätzung rechtskundiger Fachleute“ ein neues Planfeststellungsverfahren scheitern. Inzwischen wurden weitere Überlegungen an die Oberste Baubehörde herangetragen, die die Beeinträchtigung der ökologisch wertvollen Bereiche des geschützten Flora-Fauna-Habitats mit Pfeifengras und Wiesenbrütern durch eine modifizierte Radwegeplanung reduzieren sollen. Gedacht ist unter anderem an eine teilweise Aufständerung in Form eines Steges oder einer Teilverlegung der Staatsstraße.Bevor über ein neues Planfeststellungsverfahren entschieden wird, müssen diese Vorschläge laut Helmut Schütz naturschutzrechtlich untersucht und durchgeplant werden. Ein vom Bauamt Weilheim beauftragtes Fachbüro wird „die technische Planung unter Einbeziehung der vorgebrachten realistischen Optimierungsmöglichkeiten überarbeiten und die bauliche Umsetzung untersuchen“. Eine naturschutzfachliche Begleitung durch einen Landschaftsplaner soll erfolgen. Grünbauer dankte der Obersten Baubehörde, das festgefahrene Thema nochmals aufzugreifen. Wohl auch unter dem Druck der Öffentlichkeit und der immer größer werdenden Schar der Radfahrer. Man habe eingesehen, dass der Umweg über die Raistinger Schleife keine Alternative ist. Es handelt sich hierbei um einen landwirtschaftlichen Wirtschaftsweg, bei dem Konflikte mit der Landwirtschaft vorprogrammiert sind. „Jetzt geht es darum“, so Grünbauer, „im Konsens mit allen Beteiligten eine Planung im Einklang mit Natur und Landschaft zu entwickeln, wobei möglichst wenig Fläche versiegelt werden soll.“ Raistings Bürgermeister Höck ergänzte, dass man den geplanten Fahrradweg von Dießen nach Raisting in das Gesamtkonzept mit einbeziehen wolle. Um die Fronten zwischen Regierung, Naturschutz und Radwegbefürwortern zu entschärfen, hat Prof. Dr. Ernst Roeckl die nächsten „Radldemos“ entlang der Birkenallee abgesagt.

Von Dieter Roettig

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