Hohe Auflagen für Landwirte

FDP-Bundestagsabgeordnete besucht Albrechthof

Albrechthof Besuch der FDP
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Besuch auf dem Albrechthof: Nicole Bauer mit (vorne v.li.) FDP-Kreisverbandschef Klaus Breil, Martin Albrecht und Walter Hüglin (FDP Weilheim).
  • Bernhard Jepsen
    VonBernhard Jepsen
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Oderding – Die FDP gilt per se nicht unbedingt als Partei, die ihr Wählerpotenzial im bäuerlichen Bereich akquiriert. Dabei haben die Liberalen schon einmal den Bundeslandwirtschaftsminister gestellt – nämlich von 1969 bis 1983 mit Josef Ertl. „Das war der nachhaltigste Landwirtschaftsminister, den wir je hatten“, konstatiert Nicole Bauer.

Die FDP-Bundestagsabgeordnete war vor Kurzem auf dem Albrechthof in Oderding zu Gast. Als Ertls Amtszeit zu Ende ging, war die studierte Wirtschaftsingenieurin noch nicht einmal geboren. Doch das Thema Landwirtschaft ist der Niederbayerin nicht fremd. Jedenfalls hat ihre Mitgliedschaft im Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft durchaus einen Hintergrund. Die Politikerin stammt aus einer Bauernfamilie. Ihr Besuch auf dem Albrechthof – stilecht im Dirndl – stand unter dem Motto „Nachhaltige, liberale Landwirtschaft mit Erfolg“. Die FDP, so lautete dabei das Credo, stehe für den Mittelstand und für die unternehmerische, bäuerliche Landwirtschaft. „Da haben wir eine ganz klare Haltung“, so Bauer.

Eine klare Meinung zur Zukunft der Landwirtschaft hat auch Martin Albrecht. Der Seniorchef auf dem Albrechthof war früher CSU-Mitglied, inzwischen sympathisiert er mit den Grünen. Seine Analyse zur aktuellen Lage klingt hart: „Manche haben ihre Daseinsberechtigung in der Landwirtschaft verloren.“ Albrecht sieht große Zukunftschancen für seinen Berufsstand , „allerdings nur, wenn er seine Richtung ändert“. Die Ausrichtung des Albrechthofs ist seit nunmehr 40 Jahren komplett auf Biolandwirtschaft ausgelegt – auch wenn man das beim Stallbesuch und den Anblick von über 220 Rindern auf den ersten Blick nicht vermutet. Eine von Albrechts Forderung: „Umweltfreundliche und gesunde Lebensmittel müssen verbilligt werden – zum Beispiel in dem man für die Produkte die Umsatzsteuer wegfallen lässt.“

Die regionale Erzeugung von Nahrungsmitteln ist auch der Politikerin wichtig: „Ich kaufe am Bauernmarkt ein, weil ich sehen möchte, wo die Lebensmittel herkommen.“ Auch der elterliche Hof habe sich der Direktvermarktung verschrieben. Den Landwirten müsse die Chance zum Aufbau von eigenen Absatzkanälen gegeben werden. Dazu sei es nötig, die bürokratischen Lasten abzubauen. „Noch nie waren die Auflagen für Landwirte so hoch wie heute“, kritisiert Bauer. Auf EU-Ebene müssten die unterschiedlichen Wettbewerbsbedingungen harmonisiert und einheitliche Tierwohllabels geschaffen werden. Es brauche eine europäische Herkunftskennzeichnung und – ganz wichtig – Planungssicherheit für die bäuerliche Landwirtschaft. Bauer verwies diesbezüglich unter anderem auf Stallbauten. Die Planungssicherheit müsse im Einklang mit der Nachhaltigkeit stehen – und zwar nicht nur mit der ökologischen, sondern auch mit der sozialen und wirtschaftlichen. Im Gegensatz zu Albrecht schließt Bauer den Einsatz von grüner Gen-Technik nicht aus. „Bayern ist eine Gunstregion – in anderen Teilen Deutschlands gibt es aber andere Strukturen mit trockenen und sandigen Böden.“

Und dann sieht Bauer noch erheblichen Bedarf in der Bildungsarbeit. „Das oft mangelnde Wissen über gesunde Ernährung ist eine der größten Bildungslücken in unserer Gesellschaft.“

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