"Weilheimer Festspielen" gelingt mit "Boeing-Boeing" spritzige Broadway-Komödie

Jetset landet im Oberland

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Brenzlige Situation für Bernard (2.v.li.): Stewardess Judith (2.v.re.) und eine ihrer Konkurrentinnen treffen aufeinander. Schulfreund Robert beobachtet die Szene gespannt.

Weilheim – Lust auf eine Auszeit vom hektischen Weihnachtstrubel macht die Boulevardkomödie „Boeing-Boeing“ aus den unbeschwerten 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die „Weilheimer Festspiele“ führen sie unter der Regie von Yvonne Brosch im Stadt- theater auf.

Bernard, ein charmanter Franzose, nutzt den technologischen Fortschritt auf seine Weise, indem er mit drei Stewardessen gleichzeitig eine Beziehung führt. Darauf vertrauend, dass ihre unterschiedlichen Flugpläne sie niemals zusammentreffen lassen. „Eine landet, eine ist hier und eine fliegt gerade ab“, dieses vermeintlich geniale Konzept versucht er seinem zu Besuch weilenden Schulfreund Robert schmackhaft zu machen. Und es scheint – zumindest für eine Weile – hervorragend zu funktionieren: Mit tatkräftiger, wenngleich mehr oder weniger freiwilliger Unterstützung seiner Haushälterin Berthe läuft alles wie geschmiert: Der sehr auf ihr Äußeres bedachten Pan-am-Stewardess Janet werden Joghurt und Gurkenscheiben serviert, bevor ihre genussfreudige und temperamentvolle Alitalia-Kollegin Giacoma landet und Nudeln mit Vongole zum Abendessen bestellt. Ihr wiederum folgt die nicht minder hübsche und sehr prinzipientreue Swissair-Dame Judith, für die Berthe Schweizer Rösti vorhalten muss.

Alles wäre wunderbar, wenn nicht ein Sturmtief über dem Atlantik die Flugpläne und damit auch den Zeitplan von Bernard heftig durcheinandergewirbelt hätte. Mit der Konstruktion eines immer abenteuerlicher werdenden Lügengebäudes versucht er, die Damen voneinander fern zu halten. In dem sich zwangsläufig ergebenden Chaos wittert Freund Robert seine Chance auf ein erfülltes Liebesleben und mischt kräftig mit, so dass er an der Entstehung des für eine Komödie notwendigen Happy Ends wesentlich und auch zu seinem eigenen Vorteil beteiligt ist.

Wenn die Protagonisten in ihren Dialogen noch Kommunikationsmittel wie Telegramme, Briefe und Überweisungen per Scheck benutzen, ist dies ein Indiz dafür, dass über 50 Jahre vergangen sind, seitdem das Stück am Broadway Premiere hatte. Trotz oder vielleicht sogar wegen dieses leichten „Angestaubtseins“ wird das Stück immer wieder gern zur Aufführung gebracht. Die verzwickte Situation bietet den Schauspielern ein weites Feld, auf dem sie ihre komödiantischen Talente ausspielen können. In Weilheim sind dies der kürzlich hierher gezogene Jan Sandro Berner, der der Hauptfigur Bernard seinen ganzen Charme verleiht; Christa Pillmann entlockte dem Premierenpublikum als resolute Haushälterin Berthe einen Extra-Applaus. Uwe Kosubek in der Rolle von Robert – in Weilheim mit früheren Auftritten wie in Goldonis „Diener zweier Herren“, in „Spiel´s noch einmal Sam“ oder in Charlys Tante“ in bester Erinnerung –, überzeugt auch diesmal mit einer professionellen, facettenreichen Leistung. Susanne Muhr gelingt es in der Figur der Amerikanerin Janet hervorragend, die Klischees über den American Way of Life auf die Bühne zu bringen.

Mit Carla Spendel (30) als Giacoma und Katharina von Harsdorf (31) als Judith haben zwei Profischauspielerinnen wieder einen Heimauftritt nach ihren frühen Anfängen im Weilheimer Theaterleben. Beide sind Absolventinnen des Weilheimer Gymnasiums und kennen sich seit ihrer Teilnahme am Theatergrundkurs an der Schule. Später absolvierten sie eine Schauspielerausbildung und sind nun hauptsächlich in Österreich tätig. Für Katharina von Harsdorf ist in Weilheim spielen „wie nach Hause kommen“, und Carla Spendel entdeckte ihre berufliche Bestimmung durch die frühe Zusammenarbeit mit Bühnenbildner Andreas Arneth und Regisseurin Yvonne Brosch.

Bühnenbildner Andreas Arneth bietet für Bernards Versteckspiel mit den Stewardessen eine perfekte Projektionsfläche. Die vielen Türen in dem schicken Appartement lassen die Protagonisten am laufenden Band auftauchen und wieder verschwinden.

Weitere Aufführungen folgen am Freitag, 19., Sonntag, 21., Freitag, 26., Samstag, 27., Sonntag 28., Dienstag, 30. und am Mittwoch 31. Dezember. Freitag, Samstag und Dienstag ist um 20 Uhr Spielbeginn, am Sonntag und an Silvester (Vorstellung ausverkauft) um 18 Uhr. Tickets hat das Medienhaus in Weilheim, Münchener Straße 1, Tel. 0881/189-67.

Von Maria Hofstetter

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