Mit großem Festzug 350 Jahre Pfarrkirche St. Martin gefeiert

Bernried reist ins 17. Jahrhundert

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Freundlich winken die Bauersfrauen, einen frisch gepflückten Strauß Blumen in den Händen, dem staunenden Publikum am Straßenrand zu.

Bernried – Wie im Mittelalter konnten sich die Besucher in Bernried am letzten Wochenende fühlen. 

Es war der Höhepunkt des Festwochenendes: Unter dem Motto „350 Jahre Pfarrkirche St. Martin“ sind am Sonntag rund tausend Bernrieder und zahlreiche Akteure durch ihre Gemeinde gezogen. Sie zeigten Historisches, Eindrucksvolles und Amüsantes. Den historischen Festzug haben rund 450 Bernrieder mitgestaltet. 

Brauchtümliche und musikalische Unterstützung gab es reichlich aus den Gemeinden Pöcking, Traubing, Iffeldorf, Wielenbach und Haunshofen. Befeuert vom Trommelwirbel eines Spielmannszuges und hoch zu Ross läutete Zugführer Herold das Mittelalter ein. Es folgten Weihbischof Kaspar Zeiller und Propst Johann Riedl. Zimmerleute, Maurer und Chorherren bildeten die Vorhut für den Adel, der sich standesgemäß in einer Kutsche präsentierte. Gestiefelt und gespornt, auf ihren prachtvollen Pferden, konnte man österreichischen, spanischen und kaiserlichen Offizieren begegnen. 

Die kaiserlichen Soldaten mussten ihren Weg zu Fuß bestreiten. Drei Hofdamen, liebenswürdig, sittsam und klug, waren besonders reizend. Das „einfache Volk“ bestand aus Bauersfrauen mit züchtigen Hauben sowie fröhlich tapsenden Kindern in mittelalterlichen Gewändern. Die Akteure des Festzuges, die sich aus Vereinen, der Schule, dem Kinderhaus und dem Waldkindergarten rekrutierten, hatten das Motto gekonnt und fantasievoll aufgegriffen. Zudem zeigten sich die Bernrieder Grundschüler besonders geschäftstüchtig: In ihren Bauchläden verkauften sie selbstgemalte Karten mit Motiven aus ihrer Pfarrkirche.

Bei hochsommerlichen Temperaturen gerieten die vielen Teilnehmer und Zuschauer gehörig ins Schwitzen. Vor allem in den historischen Kostümen wurde es heiß. Doch hat es sich gelohnt, die Hitze zu ertragen, denn einen Zug wie diesen hat man in Bernried so noch nicht gesehen. 

Auch die Bernrieder Feuerwehr und viele freiwillige Helfer waren im Einsatz. Doch von Chaos war nirgends etwas zu sehen. Nur eine Menge gut gelaunter Schaulustiger, die geduldig warteten, bis der bunte Zug auf seinem Weg durch den Ort auch an ihnen vorbeikommt. 

Gerd-Dieter Schramm, Organisator des historischen Festzuges, zeigte sich zufrieden: „Bernried hat engagierte Bürger, die sich in hohem Maße mit ihrer Dorfgemeinde identifizieren. Das ist ein Gewinn für uns alle!“ 


Geschichte der St-Martins-Kirche in Bernried 

Das Kloster Bernried wurde im Jahre 1120 erstmals urkundlich erwähnt. Der Bau einer wohl romanischen dreischiffigen Basilika wird auf dieses Jahr datiert. Über 500 Jahre war der romanische Bau Hauptkirche und Zentrum des Augustiner Chorherrenstiftes Bernried. Im Laufe der Jahrhunderte wurde immer wieder etwas verändert, ergänzt oder erneuert. Zeugnis davon geben heute zum Beispiel noch das Kirchenportal, das um 1577 im Stil der Renaissance errichtet wurde und erhalten blieb, sowie der gotische Flügelaltar, der bereits ab 1484 die alte Kirche zierte. Im Jahre 1659 wurde die Kirche zu großen Teilen erneuert. So entstand im Wesentlichen die Kirche, wie man sie heute kennt, jedoch veränderte sich die Ausstattung in den folgenden Jahrhunderten ständig. Vor 350 Jahren, im Jahr 1663, wurde die Kirche durch den damaligen Weihbischof Kaspar Zeller aus Augsburg geweiht. Am 7. April 1734 schlug bei einem Gewitter der Blitz in den Kirchturm ein. Fünf Menschen, die beim „Wetterläuten“ waren, wurden getötet. Wegen Baufälligkeit musste die ehemalige Stifts- und jetzt Pfarrkirche St. Martin von 1851 bis 1866 umfangreich restauriert werden. Nach der Säkularisation 1803 wurde die St. Martins-Kirche der Bernrieder Pfarrgemeinde für ihre Gottesdienste überlassen, 1853 wurde sie vom bayerischen Staat offiziell übergeben.


Von Annette Weyer

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